"Probleme durch Wiederansiedlung des Wolfes"

Schwarz-Grün plant Weidetierprämie in Hessen: Eine Million Euro für Schafe und Ziegen

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Für Schafe soll es in Hessen bald eine Weidetierprämie geben. Unser Archivbild entstand bei Hann. Münden. 

CDU und Grüne wollen in Hessen eine Weidetierprämie für Schaf- und Ziegenhalter einführen.

Insgesamt eine Million Euro will Schwarz-Grün 2020 dafür bereitstellen, teilt die heimische CDU-Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt mit. Darüber wird am Mittwoch im Landtag abgestimmt. Eine solche Prämie, die pro Tier ausgezahlt wird, haben Schafhalter-Vertreter bereits seit Langem gefordert – viele Schäfer arbeiten unter Mindestlohn-Niveau, heißt es in einer Pressemitteilung des Hessischen Verbands für Schafzucht und -haltung. „Wir begrüßen die Einführung der Prämie sehr.“

Der Schäfer-Verband legt Wert darauf, dass die Prämie nicht für den Mehraufwand beim Herdenschutz aufgrund der Rückkehr des Wolfes gedacht sein könne. Sie sei notwendig, um die schon ohne den Wolf prekäre finanzielle Lage zu entschärfen und gerecht, weil Weidetierhalter „öffentliche Leistungen wie Gewässer- und Artenschutz“ für die Allgemeinheit erbringen.

Schafhalter-Sprecher Burkhard Ernst aus Großalmerode kritisiert allerdings, dass ein Tierbesitzer erst ab einer Mindestzahl von 20 Ziegen oder Schafen die Prämie beantragen können soll – ebenso gibt es eine Obergrenze für die Förderung, die laut Ernst bei 20.000 Euro über einen Dreijahreszeitraum liege. Bei einer Weidetierprämie von 20 Euro könnten jährlich pro Halter höchstens 333 Schafe gefördert werden. Der Verband rechnet vor, dass nur 50.000 von 120.000 Schafen die Prämie bekämen.

Die Höhe der Prämie pro Tier steht noch nicht fest. Der Schafhalterverband rechnet aber lediglich mit 15 bis 20 Euro, was deutlich weniger wäre als in Sachsen (40 Euro), Bayern (30 Euro) und Thüringen (25 Euro). Nötig sei nicht nur eine Million Euro sondern fünf Millionen Euro. „Ungefähr den gleichen Betrag braucht man noch einmal für den Schutz vor Wölfen“, sagt Ernst.

Lena Arnoldt, umweltpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, stellt in den Vordergrund, dass Hessen eines der ersten Bundesländer sei, dass Schäfern eine Weidetierprämie anbiete. Ziel sei es nach wie vor, auf Bundesebene eine Weidetierprämie einzuführen, was auch der Bundesrat befürwortet. Dass Hessen eigenes Geld zur Verfügung stellt, soll also nur eine Übergangslösung sein.

„Probleme durch die Wiederansiedlung des Wolfes und eine schwierige wirtschaftliche Situation mit niedrigen Preise für Wolle und Fleisch führen dazu, dass die Schäfer sich mit ihrer Arbeit nicht respektiert, sondern allein gelassen fühlen und viele mit dem Gedanken spielen, diese Art der Tierhaltung einzustellen“, so Arnoldt in ihrer Pressemitteilung. Weidetiere leisten laut der CDU-Politikerin einen wertvollen Beitrag zur biologischen Vielfalt, für die Landschaftspflege und den Naturschutz in Hessen.

Nach einem Gespräch zwischen Umweltministerium und Weidetierhaltern in Wiesbaden hatte sich der Schafhalter-Verband zunächst enttäuscht darüber gezeigt, dass sein Forderungskatalog bezüglich der Rückkehr des Wolfes nicht berücksichtigt werden sollte. Die Weidetierprämie wurde für 2021 in Aussicht gestellt – dass sie nun schon kommt, ist das Resultat von zahlreichen Gesprächen der Schafhalter-Vertreter mit Kommunal- und Landespolitikern sowie Abteilungsleitern in Ministerien, so Burkhard Ernst. „Wir haben wirklich Druck gemacht. Das Ergebnis ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir bleiben aber weiter dran.“

Quelle: HNA

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