Schule im Lockdown

Unterricht während Corona: Lehrer haben deutlich mehr zu tun

Grundschullehrerin Cornelia Kallenbach unterrichtet an der Albert-Schweitzer-Schule in Rotenburg.
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Grundschullehrerin Cornelia Kallenbach unterrichtet an der Albert-Schweitzer-Schule in Rotenburg.

Der Unterricht hat wieder begonnen, doch wie läuft es in den Schulen im Corona-Lockdown ab? Zwei Lehrer haben sich zu der momentanen Situation geäußert.

Hersfeld-Rotenburg – „Schule ist mehr als nur Wissensvermittlung“ – da sind sich Werner Herbert und Cornelia Kallenbach einig. Sie sind Lehrer und Vorstandsmitglieder im Kreisverband der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mit der aktuellen Schulsituation sind sie unzufrieden, denn: „Präsenzunterricht ist nicht adäquat zu ersetzen“, sagt Herbert. Kallenbach ergänzt: „Für die Kinder ist der Kontakt zu anderen sehr wichtig.“

Cornelia Kallenbach ist Grundschullehrerin an der Albert-Schweitzer-Schule in Rotenburg. Die Präsenzpflicht für die Grundschüler ist zwar aufgehoben, es gibt aber trotzdem einige Kinder in der Betreuung. „Die Kinder zuhause bekommen Lernpakete. Die Eltern erwarten schnellstmöglich eine Rückmeldung dazu. Das ist problematisch, da die Lehrer auch die Betreuung in der Schule übernehmen.“

Schulen im Corona-Lockdown: Home-Schooling bereitet Probleme

Der Arbeitsaufwand sei daher enorm hoch, die technische Ausstattung vieler Grundschulen zudem unzulänglich. „Ich fühle mich allein gelassen. Der Umgang mit der Technik fällt mir schwer. Wir wurden nicht entsprechend geschult“, sagt Kallenbach.

Ein weiteres Problem stelle die Verständigung mit immigrierten Familien dar. „Die Eltern verstehen die Arbeitsaufträge nicht und können den Kindern nicht helfen“, sagt die Lehrerin. Die Unterstützung in der Familie sei momentan entscheidend für den Lernerfolg eines Schülers.

Oberstudienrat Werner Herbert ist Lehrer an der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld.

Corona-Lockdown: Aufwand an Schulen ist für Lehrer „relativ hoch“

Werner Herbert unterrichtet an der Modellschule Obersberg in der gymnasialen Oberstufe und in der kaufmännischen Berufsfachschule. Hier werden etwa 40 Prozent der Schüler vor Ort unterrichtet, 75 Prozent aller Räume sind belegt, sagt er. „Nahezu alle Klassen müssen auf mehrere Räume aufgeteilt werden, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können.“ Die Lehrkraft müsse immer zwischen zwei Gruppen wechseln.

„Man verbringt in einer Klassenhälfte effektiv vielleicht 35 Minuten pro Doppelstunde. Der Aufwand ist relativ hoch und das, was am Ende dabei herauskommt, nicht immer zufriedenstellend“, sagt Herbert. Manche Lehrer würden auch per Video den Unterricht in den zweiten Klassenraum spiegeln. „Das funktioniert allerdings nur mit privatem Equipment und in einzelnen Räumen. Meist ist die Internetverbindung zu instabil.“

Distanzunterricht wegen Corona: Unterrichtsvorbereitung an Schulen dauert länger

Es bestehe auch für die Schüler zu Hause die Möglichkeit zum Video-Unterricht. Manchmal sei der Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht jedoch sehr schnell. „In einer Stunde unterrichtet man eine Abschlussklasse vor Ort, in der nächsten die Schüler zu Hause. Wir müssten für eine stabile Videokonferenz heimfahren“, erklärt Herbert.

Kollegen mit längerer Anfahrtsstrecke würden dies zeitlich nicht schaffen. Daher gebe es oft Arbeitsaufträge für die Schüler zu Hause, die sie dann eigenständig lösen müssen. „Die Unterrichtsvorbereitung dauert so zurzeit ungefähr doppelt so lang“, sagt Herbert.

Lernen in der Corona-Krise: Qualität des Unterrichts soll abhängig von der technischen Ausstattung sein

Die beiden Lehrer sind sich einig, dass die Qualität des Unterrichts abhängig sei von der technischen Ausstattung der Schulen. „Die Anbindung ans Internet ist oftmals kaum vorhanden. Wir müssen unsere Privatgeräte nutzen, sonst ist digitales Arbeiten so gut wie gar nicht möglich“, sagt Herbert. Und Kallenbach ergänzt: „Es sind Probleme, die wir schon seit Jahren ansprechen und die wir selbst nicht lösen können: Zu kleine Räume, zu große Klassen, zu wenig Lehrer. Wir bekommen zu wenig Unterstützung von den Schulträgern.“

Die Vorstandsmitglieder der GEW wünschen sich ein Wechselmodell aus Unterricht vor Ort und zu Hause. „Die Klasse würde in kleinere Gruppen geteilt werden, die dann abwechselnd die Schule besuchen“, erklärt Herbert. „So hätte man persönlichen Kontakt zu allen Schülern und würde bessere Lernerfolge erzielen“, sagt Kallenbach. (Anna Weyh)

Auch in Kassel sind die meisten Schulen etwas leerer. Der Unterricht für Abiturienten findet trotz der ausgesetzten Präsenzpflicht allerdings statt.

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