Obermeister fürchtet gravierende Auswirkungen

Schlachthof in Kassel insolvent - Auswirkungen auch für Metzgereien in Hersfeld-Rotenburg

Hersfeld-Rotenburg. Der Kasseler Schlachthof steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten – jetzt hat das Amtsgericht Kassel den Betrieb, dessen größte Anteilseigner Stadt und Landkreis Kassel sind, unter vorläufige Insolvenzverwaltung gestellt.

Wegen schlechter Auslastung und einem Investitionsstau häufe das Unternehmen seit Jahren Verluste an, sagte Insolvenz-Fachanwalt Simon Braun. Einstweilen gehe die Arbeit weiter, für die zweite Februarhälfte sei mit der förmlichen Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu rechnen. 

Sollte sich bis dahin kein Investor finden, „wird es wahrscheinlich zu einer Betriebsstilllegung kommen“, sagte Braun. Ein Ende des Betriebs hätte nach Ansicht des Obermeisters der Bäcker- und Fleischer-Innung Hersfeld-Rotenburg, Heinz Müller aus Lispenhausen, auch für die Fleischer im Landkreis gravierende Auswirkungen. Von Kassel aus würden auch viele Metzger im Kreis mit Rind- und Schweinefleisch beliefert – auch mit schlachtwarmem Fleisch, das für die Herstellung der traditionellen Ahlen Wurscht benötigt wird und innerhalb von zwei Stunden verarbeitet werden muss.

Durch den Wegfall des Schlachthofs in Kassel würden die Transportwege länger werden, verdeutlicht der Obermeister. Die nächsten Schlachthöfe befinden sich laut Müller im thüringischen Mühlhausen, in Fulda, und in Schwalmstadt. 

Sollte der Kasseler Schlachthof im Zuge des Insolvenzverfahrens seinen Betrieb einstellen müssen, würde das auch die Schlachterei und Viehgroßhandlung Renate Kohrock zu spüren bekommen. Das Richelsdorfer Unternehmen ist an der Betreiber-Gesellschaft beteiligt und beliefert von dort aus Hausschlachter und Metzgereien im Kreisgebiet sowie im benachbarten Thüringen mit schlachtwarmen Schweinen, die für die Herstellung traditioneller Hausmacher Wurst benötigt werden.

 „Ein Ende des Betriebes wäre schwierig für uns“, erklärte Peter Kohrock auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Standort in Kassel ermögliche es dem Unternehmen, seine Kunden bereits am frühen Morgen innerhalb der vorgegebenen Zeit mit schlachtwarmem Schweinefleisch zu versorgen. 

Noch ist Kohrock allerdings optimistisch, dass eine Lösung gefunden wird, um den Betrieb weiterzuführen. Im Kasseler Schlachthof seien Umstrukturierungen nötig, die nun angegangen werden sollten. „Wir hoffen, dass es weitergeht“, unterstreicht Peter Kohrock. (asz/jce) 

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