Sammeltaxis statt Gelenkbus – Rotenburgs Bürgermeister weist Kritik zurück

Aus dem Dankeröder Buswendeplatz ist eine Ponyweide geworden

Heute Ponyweide (hinten links): Nachdem die Stadt keinen Zugriff mehr auf das Grundstück hat, können große Busse auf dem Gelände an der Straße Zum Buchrain nicht mehr wenden.
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Ist heute eine Ponyweide (hinten links): Nachdem die Stadt keinen Zugriff mehr auf das Grundstück hat, können große Busse auf dem Gelände an der Straße Zum Buchrain nicht mehr wenden, also auch nicht mehr in Dankerode eingesetzt werden.

Dass Schul- und Kitakinder sowie andere Dankeröder seit März mit Sammeltaxis statt wie üblicherweise mit dem Bus nach Rotenburg fahren, hatte in der vergangenen Woche für mediale Aufregung gesorgt.

Dankerode – Vorwürfe wie Verschwendung von Steuergeld und Schlafmützigkeit bei der Stadtverwaltung wurden laut. Jetzt hat sich der Pulverdampf verzogen. Was ist da eigentlich passiert?

Die Geschichte

Seit vier Jahren nutzte der Linienbus 301 ein von der Stadt gepachtetes Grundstück zum Drehen einer Wendeschleife an der Straße Zum Buchrain im kleinen Rotenburger Stadtteil. Zuvor durften Busse auch rückwärts fahren, um zu wenden, also eine Stichstraße dafür nutzen. Dann wurde die gesamte Immobilie mit Wohnhaus und landwirtschaftlichem Gebäude verkauft. Die neue Eigentümerin, so schildert Bürgermeister Christian Grunwald das Geschehen, habe den Pachtvertrag glücklicherweise um zwei Jahre verlängert. Dann wollte sie, was natürlich ihr gutes Recht sei, ihr Grundstück selbst nutzen. Heute dient es als Ponyweide.

Suche nach Alternative

Eine Alternative musste her. Eigentlich schon viel früher, wie Kritiker meinen. Dass die Stadt aber damals auf einen Hinweis von Ortsvorsteher Ralf Wassermann, das Grundstück sei zu verkaufen, nicht mit einem Kaufangebot reagiert habe, hat nach Angaben des Bürgermeisters Gründe: Selbst der wichtige Hinweis des Ortsvorstehers sei zu spät gekommen, man habe erst nach Vertragsunterzeichnung von dem Verkauf erfahren. In der Verwaltung würden solche Verträge vorgelegt, damit geprüft werden könne, ob die Stadt ein Vorkaufsrecht habe. Das, nur am Rande, habe sie nicht gehabt.

Viel wichtiger ist es nach Grunwalds Einschätzung, dass man nicht das Geld für den Kauf der gesamten Immobilie im Haushalt gehabt hätte. Es sei ja nicht nur um die Wendefläche gegangen. Mit Blick auf Geldverschwendung hätte das Parlament bei einem Ankauf wohl auch nicht mitgespielt, glaubt er. Für den Bürgermeister steht jedenfalls fest: „Wir haben nicht geschlafen.“

Dass die Verwaltung während des laufenden Pachtvertrags untätig gewesen sei, weist Grunwald ebenfalls zurück: Man habe Gespräche mit einer Reihe von Grundstückseignern geführt, die aber alle keine Fläche für den Wendeplatz abgeben wollten. Daraufhin habe man die Umfahrung Dankerodes über befestigte Feldwege in Betracht gezogen. Es habe einen Ortstermin mit Vertretern der Bahn, die die Buslinie im Auftrag des NVV betreibt, gegeben. Ein Bus sei die Strecke Probe gefahren, und es gab grünes Licht für eine Ertüchtigung der Strecke.

Bei der Probefahrt sei jedoch ein anderer Bus eingesetzt worden, als der morgens übliche große Gelenkbus. Und für diesen sei die geplante Umfahrung so nicht zu nutzen. Für die Wegeertüchtigung müssten etwa 200 000 Euro ausgegeben werden. „Dafür kann man lange Sammeltaxi fahren“, sagt Grunwald.

Sammeltaxi

Genau das passiert derzeit: 13 Schul- und Kitakinder aus Dankerode werden morgens von Sammeltaxis abgeholt und zu ihren Einrichtungen gebracht, ebenso geht es wieder nach Hause. Andere Dankeröder können bei Bedarf ein Anrufsammeltaxi ordern.

Landkreis und NVV sprechen von einer Übergangslösung, die nach Angaben von Kreissprecherin Jasmin Krenz etwa 20 000 Euro zusätzlich kostet. Dankerode sei Teil eines lokalen Linienbündels, für das der Kreis 900 000 im Haushaltsplan 2021 veranschlagt hatte.

Suche nach Lösung

Damit im nächsten Jahr eine Buswendemöglichkeit in Dankerode geschaffen werden kann, soll im städtischen Haushalt 2022 Geld für das Projekt eingeplant werden, erklärte Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald. Geprüft werde, ob es noch eine kostengünstige Möglichkeit im Ort geben könnte. Vielleicht könne man eine leer stehende oder ungenutzte Immobilie für die Einrichtung eines Wendeplatzes nutzen. „Bis dahin gibt es sicher Schlimmeres als dafür zusätzlich Geld auszugeben, Kinder vom topografisch letzten Ort der Stadt auf einem Sitzplatz und angeschnallt sicher in die Schule oder Kita zu bringen“, findet Grunwald. 

Von Silke Schäfer-Marg

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