DAK-Gesundheitsreport: Viele Betroffene gehen nicht zum Arzt

Rückenschmerzen im Kreis Hersfeld-Rotenburg auf dem Vormarsch

Brust raus, Bauch rein: Harald Schmidt, Leiter des DAK-Servicezentrums für die Kreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner, hat sich für unser Foto am Ufer der Geis auf einen Gymnastikball gesetzt, der die Wirbelsäule beweglich hält und die Muskulatur stärkt.

Hersfeld-Rotenburg. Probleme mit der Wirbelsäule und dem Muskel-Skelett-System sind im Kreis Hersfeld-Rotenburg die häufigste Krankheitsart.

Dreiviertel aller Beschäftigten in Hessen hatten im vergangenen Jahr „Rücken“. Probleme mit der Wirbelsäule und dem Muskel-Skelett-System sind auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg die häufigste Krankheitsart. „Zehn Prozent aller Fehltage entfallen hessenweit auf Rückenleiden – das ist viel“, warnt Harald Schmidt, der Leiter des DAK-Servicezentrums. In Waldhessen liege diese Zahl sogar etwas höher.

Schmidt stellte jetzt den jüngsten DAK-Gesundheitsreport vor, der sich auch auf die Daten der rund 24 000 Versicherten der Krankenkasse in beiden Kreisen stützt. Diesmal heißt das Schwerpunktthema „Rätsel Rücken“, wofür neben den Daten der DAK-Mitglieder auch bundesweit 5000 Beschäftigte zwischen 18 und 65 Jahren sowie zahlreiche Experten von einem Forschungsinstitut befragt wurden. Bereits im Jahr 2003 hatte die DAK gezielt Daten zu Rückenbeschwerden ausgewertet. Seither hat sich deren Zahl signifikant erhöht.

Hohe Dunkelziffer

Die Dunkelziffer dürfte allerdings noch viel höher sein, denn 89 Prozent gehen trotz Schmerzen zur Arbeit. Dabei spielt auch die Art der Arbeit eine Rolle. Enscheidend sei, ob die Beschäftigten in unbequemer Körperhaltung oder unter hohem Termin- und Leistungsdruck arbeiten müssen. Auch die Zufriedenheit mit dem Job spiele eine Rolle: „Manchmal strahlt es auch vom Kopf in den Rücken aus, weil es irgendwo nicht rund läuft“, sagt der DAK-Experte.

Der Zusammenhang von Stress und Rückenschmerzen werde in Arzt-Praxen jedoch kaum thematisiert. „Da sich Stress und psychische Belastungen stark auf die Rückengesundheit auswirken können, sollte dieser Aspekt stärker bei Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden“, fordert Schmidt. Ansonsten gelte: „Uns fehlt Bewegung, wir sitzen zu viel!“

Weiter Spitzenreiter beim Krankenstand

Die Kreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner haben auch weiterhin den höchsten Krankenstand in Hessen. An jedem Tag des Jahres 2017 waren hier 54 von 1000 Arbeitnehmern krank geschrieben. Damit hat sich die Quote im Vergleich zum Jahr 2016 von 4,9 auf 5,4 Prozent erhöht. 

Der durchschnittliche Krankenstand in Hessen liegt bei 4,2 Prozent, der niedrigeste Wert wird in Frankfurt am Main mit 3,4 Prozent verzeichnet. Fast jeder vierte Ausfalltag (23,7 Prozent) ist auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems – wie etwa Rückenbeschwerden – zurückzuführen. Danach folgen psychische Erkrankungen, bei denen die DAK eine Zunahme von 18 Prozent von 2016 auf 2017 verzeichnet. Es folgen Beschwerden beim Atmungssystem, beim Verdauungssystem und Verletzungen. (kai)

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