Versuche, mit Hauseigentümern zu verhandeln, scheiterten

Gegen Leerstand im Rotenburger Steinweg: Eigentümer schweigen

Das emotionale Sorgenkind der Rotenburger: Den Steinweg mit Geschäften wiederzubeleben, funktioniert offenbar nicht. Dabei spielt auch die Umstrukturierung im Einzelhandel, zum Beispiel durch Online-Handel, eine Rolle. Auch fehlendes Interesse von Hauseigentümern kritisiert der MER-Aufsichtsrat.

Rotenburg. Keine neuen Geschäfte für den Rotenburger Steinweg - das befürchtet der Aufsichtsrat des Stadtmarketings. Versuche, mit Hauseigentümern zu verhandeln, sind gescheitert.

Diese niederschmetternde Bilanz zogen die Mitglieder des Aufsichtsrats in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Auf Briefe und Anrufe der MER (Marketing- und Entwicklung Rotenburg) sei nicht einmal reagiert worden. Nur ein Hausbesitzer habe zum Telefon gegriffen und sich jegliche weitere Kontaktaufnahme verbeten.

Ein Jahr lang habe sich der Aufsichtsrat um das „emotionale Sorgenkind der Stadt“ bemüht, habe versucht, Gespräche zu führen, Ideen diskutiert bis hin zu der fast planwirtschaftlichen Überlegung, selbst leerstehende Läden zu kaufen oder anzumieten, zu modernisieren und mit eigenem Personal zu bewirtschaften, berichtete Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister Christian Grunwald. Aus wirtschaftlichen Gründen sei man davon abgerückt. Die dazu notwendige Neuverschuldung der Stadt sei dem Steuerzahler nicht vermittelbar. Die Zeit der kleinen Läden sei ohnehin vorbei, nicht zuletzt durch den Online-Handel. Diesen. so kritisierte Carsten Zabel, habe der örtliche Handel verschlafen.

Jonas Rudolph erinnerte an das Programme, das die MER für Neugründer aufgelegt hat: Bis zu 50 000 Euro pro Jahr könnten als Miete oder Kaufzuschuss fließen. Bisher gab es zwei ernsthafte interessenten, die aber nicht in den Steinweg wollen. Dieses MER-Programm werde beibehalten.

Verweilmeile

Jetzt will die MER einen neuen Weg einschlagen: Der Steinweg soll baulich so attraktiv gestaltet werden, dass sich Einheimische und Gäste dort gern aufhalten. Dazu will der Bürgermeister als Ordnungsbehörde die Straße ab Zufahrt Brotgasse bis zur Zufahrt Neustadtstraße für den Autoverkehr sperren. Neue Möbilierung, offene Wasserläufe und Spielgeräte für Kinder sollen aus dem Steinweg eine „Verweilmeile“ machen. Bestenfalls komme es dadurch zur Belebung und Neuansiedlung von gastronomischen Betrieben im Steinweg.

Die Straße sei Bestandteil der Hauptachse Bahnhof – Marktplatz und müsse schon deshalb gestärkt werden, meinte Andreas Börner. Das Bemühen um die Wiederbelebung dürfe nicht an der Verweigerungshaltung von Hauseigentümern scheitern. Diese hätten nicht einmal auf das Angebot der MER reagiert, die leeren Schaufenster professionell schön gestalten zu lassen.

Nicht frustriert, sondern entschlossen will der Aufsichtsrat gemeinsam mit Geschäftsführer Torben Schäfer das Projekt „Verweilmeile“ durchziehen. „Wir nehmen die Rahmenbedingungen, wie sie sind und handeln“, bekräftige auch Wolfgang Bodenstein. Und die sind laut Bürgermeister gut: Eine schöne Stadt, gute finanzielle Ausstattung und eine engagierte MER – das sei gut für den Hauptwirtschaftszweig Tourismus.

Alle sollen mitmachen

Der Aufsichtsrat appelliert an alle Rotenburger, sich an der Stadtentwicklung aktiv zu beteiligen. Die Stadt wurde in das Stadtumbauprogramm des Landes aufgenommen und kann dadurch viel Geld für Projekte bekommen. Am Dienstag, 15. Mai, beginnt um 18 Uhr auf dem Marktplatz ein Stadtspaziergang, an dem sich alle Bürger beteiligen und ihre Ideen einbringen können.

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