Selbsthilfegruppe

Der Rotenburger Peter Seifert gibt kleine Tricks weiter

Lösung gefunden: Weil Peter Seifert aufgrund einer Behinderung nicht mehr Fahrrad fahren kann, benutzt er ein Liegerad. Das Wissen darüber, wie man mit Kniffs und Tricks den Alltag meistern kann, will Seifert weitergeben Foto: Meyer

Rotenburg. Peter Seifert war überrascht, dass Menschen ihn in der Stadt erkannten, am Postschalter zum Beispiel, und ihn ansprachen. Außerdem erhielt er E-Mails oder Anrufe, sogar aus Fulda und Kassel. 

Der Artikel über Peter Seifert und seinen Plan, eine Selbsthilfegruppe für Schädel-Hirn-Traumatiker zu gründen, der im Februar in der HNA erschien, erzielte die erhoffte Resonanz. Seinem Ziel ist der 35-Jährige jetzt ein Stück näher gekommen.

Im Alter von 28 Jahren verunglückte Seifert, Psychologe und damals Leistungssportler, beim Lauftraining in Spanien. Seifert war deutscher Meister im 50-Kilometer-Lauf geworden, trainierte für die Weltmeisterschaft über hundert Kilometer. Ein Auto erwischte ihn beim Laufen und schleuderte ihn auf den Asphalt. Zwei Monate lang lag Seifert im Koma.

Zurück ins Leben gekämpft

Was seither geschehen ist, hat die Voraussagen der Ärzte Lügen gestraft: Während die ihn als künftigen Pflegefall sahen, hat Seifert sich ins Leben zurück gekämpft. Heute ist er verheiratet und hat zwei Kinder, arbeitet im Rotenburger Herz- und Kreislaufzentrum und bildet sich zum klinischen Neuropsychologen fort. Die Auswirkungen seines Unfalls machen sich als sogenannte Ataxie bemerkbar. Seifert bewegt sich abgehackt und spricht etwas undeutlich.

Seifert arbeitet an sich, erzielt ständig Verbesserungen. Inzwischen kann er eine vierstufige Treppe ohne Geländer problemlos hinabgehen. Das ging vor einigen Wochen noch nicht und erfordert auch jetzt noch große Konzentration. Sein Wissen, das er über das Leben mit Schädel-Hirn-Trauma gesammelt hat, will Seifert weitergeben.

Im Zentrum steht für ihn dabei das Thema Kompensation, also die Frage, wie man Dinge im Alltag, die nicht mehr gehen, durch Dinge ersetzt, die noch gehen. Fahrradfahren etwa ist Seifert nicht mehr möglich, da er Probleme mit dem Gleichgewicht hat. Die Lösung ist ein dreirädriges Liegerad. Das Schreiben auf der Tastatur ist sehr beschwerlich, und so diktiert Seifert Mails einer Spracherkennungssoftware. Es sind solche Kniffe, die Seifert vieles ermöglichen.

Seifert möchte Ansprechpartner sein für Betroffene und für Anghörige, und zwar auch im Falle anderer hirnorganischer Schädigungen. Viele Kontakte sind schon zustande gekommen, und Seifert will mehr Menschen ermutigen, sich an ihn zu wenden, egal, ob sie ein Gespräch unter vier Augen suchen, telefonieren oder Mails schreiben oder sich in einer Gruppe treffen wollen. Lars Weißflog, Inhaber des Café Moritz, hat Seifert eingeladen, Räumlichkeiten bei ihm zu nutzen.

Erreichbar ist Seifert telefonisch über 0172/3 25 65 59 und 06623/8 10 99 94. Eine von ihm betriebene Internetseite heißt www.sht-hilfe.de

Von Achim Meyer

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