Künftig am Wohnmobilstellplatz

Im Gegensatz zu Facebook-Nörglern: Daumen hoch von der Jury für Rotenburger Parklets

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Die Wettbewerbs-Jury von "Ab in die Mitte" war zu Gast in Rotenburg. Auf dem Foto zu sehen sind von links MER-Geschäftsführer Torben Schäfer, die Jury-Chefin Karin Jasch und Bürgermeister Christian Grunwald sowie im Hintergrund weitere Mitglieder der Jury.

„Versenkt das Geld lieber in der Fulda“, „So einen Scheiß brauchen wir nicht“, „Dass die Mitarbeiter der MER überhaupt noch schlafen können bei so viel Dummheit ...“.

Das ist nur ein kleiner Auszug der Kritik, die auf der Internetplattform Facebook auf die MER und ihr Parklet-Projekt eingeprasselt ist. Das berichtete Torben Schäfer, Geschäftsführer der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft, gestern bei einem Besuch der Kommission der hessischen Innenstadt-Offensive „Ab in die Mitte“ ganz freimütig.

Auch Jury diskutierte kontrovers

In der Jury des Wettbewerbs habe man kontrovers diskutiert, ob die Idee funktionieren könne, sagte die Programmverantwortliche Karin Jasch. Bei der gestrigen Besichtigung war die Kommission begeistert. „Der Verkehr klaut den Menschen den Platz in den Innenstädten. Hier hat man nun einen interessanten Versuch gestartet, wie man das in der Breitenstraße ändern kann. Es geht nicht nur darum, dass die Parklets jetzt hier stehen, sondern darum, dass der Prozess angestoßen wurde“, sagte Jasch. Von Beginn an war klar, dass die Parklets, durch die insgesamt vier Parkplätze wegfallen, nur vorübergehend dort stehen. Über das Wie und Wo konnten die Bürger mitbestimmen – zumindest die, die dabei waren. „Die Dauernörgler haben keine einzige Veranstaltung besucht“, sagt Schäfer. Die Parklets seien unsinnig, gefährlich und nehmen Parkplätze weg, sagen die Kritiker.

Bei Touristen beliebt

Das zweite Parklet wurde gegenüber von Intersport Schild erst Anfang der Woche aufgebaut. Es ist mit einer Bank zum Verweilen ausgestattet und mit Fahrradständern – ein vielfacher Wunsch der Bürger. „Es gibt Leute, die am einen Tag auf Facebook auf das Parklet schimpfen und am nächsten dort ihr Rad anschließen“, sagte Torben Schäfer.

Daumen hoch für die Parklets – zumindest, wenn es nach der Wettbewerbs-Jury geht. Das zweite steht mit Fahrradständern und Verweilbank seit Anfang September vor Intersport Schild. 

Während der Tenor auf Facebook zumindest unter denen, die sich zu Wort melden, insbesondere in der Gruppe „Rotenburger Bornschisser“ (mittlerweile über 4600 Mitglieder) eindeutig negativ ist, berichtet Schäfer von einem 50:50-Verhältnis bei persönlichen Gesprächen. Und was auffällig sei: Besonders gut genutzt würden sie von Touristen, die von den Debatten nichts wüssten.

Die Hürden 

Dass das Projekt allerdings auch abgesehen von der öffentlichen Kritik nicht ganz einfach war, zeigte Schäfer in einem Vortrag auf. Nachdem der ursprünglich engagierte Zimmerer absagte, musste Ersatz gesucht werden, der mit der Zimmerei Hohmeister aus Bebra gefunden wurde. Das zweite Parklet wurde dort zu einem Azubi-Projekt. Als das Parklet vor der Eisdiele am Marktplatz bereits seit fast drei Wochen stand, meldete sich die Denkmalpflege: Die Fachwerkkonstruktion würde von den Fachwerkgebäuden ablenken, hieß es laut Bürgermeister Grunwald.

Bezüglich der Verkehrssicherheit hatte sich die Stadt frühzeitig an Hessen Mobil gewandt. Dort habe man die Auskunft bekommen, dass die Straßenbehörde für Parkplätze nicht zuständig sei. Fast vier Wochen nach dem Aufbau des ersten Parklets habe Hessen Mobil dann den sofortigen Abbau gefordert, weil der Abstand zur Straße zu gering sei. Man einigte sich auf den Kompromiss, Warnbaken aufzustellen.

Parklets künftig am Wohnmobilstellplatz

„Das Problem beim Stadtumbau ist: Die Leute wollen, dass alles anders wird, aber verändern darf sich nichts“, sagte Grunwald. In Kleinstädten wie Rotenburg sei man es gewohnt, dass man mit dem Auto bis direkt vor die Tür der Läden fahren könne – in größeren Städten gehe das gar nicht. „Und man muss ganz klar sagen: Rotenburg hat kein Parkplatz-Problem. Wir haben 1100 Parkplätze in der Kernstadt.“ Man werde nach dem Abbau der Parklets analysieren, wie diese genutzt worden seien und daraus Schlüsse ziehen für die künftige Gestaltung der Breitenstraße, so Schäfer. Ein Kernproblem insbesondere bei Rollatoren und Kinderwagen seien die schmalen Bürgersteige.

Die Parklets sollen noch bis Ende September in der Breitenstraße stehen. Dann bekommen sie einen neuen Standort: den Wohnmobilstellplatz am Sportplatz Wittich.

Quelle: HNA

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