Heute Abschiedsgottesdienst

Rotenburger Klinikpfarrerin Dorothea Alogas geht in der Ruhestand

Kunsthandwerk vom Feinsten: Klinikpfarrerin Dorothea Alogas zeigt das Antependium, das Christhild Dietz-Zierenberg eigens für den „Raum der Stille“ im Kreiskrankenhaus Rotenburg gewebt hat. Das Gemälde im Hintergrund, vor dem ein Kreuz angebracht wurde, stammt von der verstorbenen Miriam Schaub.

Rotenburg. Sie hat die Menschen dort getroffen, wo sich das Leben auf das Wesentlichen reduziert: im Krankenhaus. Dorothea Alogas war 27 Jahre lang Klinikpfarrerin im Rotenburger Kreiskrankenhaus. Heute wird sie in den Ruhestand verabschiedet.

Im Krankenhaus geht es für viele Menschen um Existenzielles. Geburt, schwere Krankheit, Tod. Nichts, was man allein erleben möchte. „Menschen, die hier sind, sind in der Krise“, sagt Dorothea Alogas. Als Klinikpfarrerin konnte sie sich Zeit für Gespräche nehmen.

Die damalige Oberin Jutta Freistedt hatte sich sehr für die Einrichtung der Stelle eingesetzt. Es stehe einem christlichen Haus gut an, auch die Seelsorge der Patienten sicherzustellen. „Sie hat mich an die Hand genommen und mir gezeigt, wie es gehen kann: An die Bettkante des Patienten setzen und zuhören“, erinnert sich Dorothea Alogas.

Kurze Liegezeit

Sie kann heute nicht mehr von Tür zu Tür gehen und Patienten ansprechen. Deren Liegezeit ist in den meisten Fällen so kurz geworden, dass für Seelsorge oder gar einen Gottesdienstbesuch im Raum der Stille keine Zeit bleibt. Manchmal geht sie auf Anregung von Ärzten oder Pflegepersonal gezielt zu Patienten, andere suchen sie in ihrem Büro auf. „Durchaus auch, ohne den Namen zu nennen. Sie reden und lassen mir dann ihr Päckchen da“, sagt die Pfarrerin.

Name, Herkunft, Religionszugehörigkeit – das alles ist in der Klinikseelsorge von Dorothea Alogas nie wichtig gewesen: „Es ging immer um den Menschen und seine Lebensumstände“, sagt sie. Und sie selbst gehe zum Patienten und biete sich als Mensch an, dem er sein Leid erzählen kann. Wenn sie dann hört „Es hat gut getan“, ist auch sie zufrieden.

Ihr Aufgabengebiet ist noch viel weiter gespannt: Seit zwölf Jahren gibt es im Kreiskrankenhaus Ethikgespräche mit Personal und Angehörigen für besondere Fälle. Dann zum Beispiel, wenn der Patient keine Verfügung gemacht hat und man bei Schwerkranken entscheiden muss, wie die Behandlung fortgesetzt werden soll.

Seelsorgerisch ist Dorothea Alogas auch für das Personal da. Auch in der Ausbildung von Pflegepersonal hat sie sich engagiert, hat Schwestern fachberufsethisch begleitet. Da ging es zum Beispiel um die Wahrheit am Krankenbett und den Tod. Und ob das, was medizinisch machbar ist, immer auch sinnvoll ist.

Lächelnd erinnert sie sich an junge Leute, die kurz nach der Wende aus der DDR kommend im Krankenhaus ausgebildet wurden. Die jungen Frauen sollten getauft werden, befand Oberin Freistedt. „Dann habe ich mit denen Taufunterricht gemacht. Für viele war es die erste Begegnung mit der Bibel. Diese Arbeit war toll.“

Ethische Fragen treiben sie noch heute um. Dass im Tagesgeschäft viel Mitmenschliches untergeht, dass auch Pflegepersonal schnell von Klinik zu Klinik wechselt und die Einstellung zum Beruf, zum Umgang mit Menschen bei manchen fehlt, „macht mir Angst“, sagt die Pfarrerin unumwunden.

Dorothea Alogas’ Stelle wird es wie bisher nicht mehr geben. Für die Klinikseelsorge ist künftig der Breitenbacher Pfarrer Wolf-Benjamin Gittermann mit einer viertel Stelle zuständig. Weiterhin arbeiten wird sie als Heilpraktikerin in ihrer Praxis für Psychosomatik in Hergershausen. Auch da geht es um den ganzen Menschen. Die Ausbildung hatte sie begonnen, weil sie einen Eindruck bekommen wollte, was sich körperlich bei den Patienten tut. Was sie gelernt hat, hat sie auch fasziniert. So eröffnete sie 2001 die Praxis. „Ich habe aber beide Aufgaben immer streng getrennt“, sagt sie.

Der Abschiedsgottesdienst für die Klinikseelsorgerin beginnt am heutigen Samstag um 11 Uhr in der Jakobikirche am Marktplatz. Er ist natürlich öffentlich.

Zur Person

Dorothea Alogas (62) wurde in Herne geboren und wuchs im Münsterland auf. Ihr erstes theologisches Examen machte sie 1980 und leistete ihr Vikariat 1980 bis 1982 in Maintal-Dörnigheim. Im September 1982 wurde sie ordiniert und arbeitete anschließend mit einer halben Pfarrstelle in Erlensee-Langendiebach. 1987 kam sie mit ihrem damaligen Ehemann Pfarrer Wilhelm Altmüller und den beiden Kindern nach Rotenburg, wo sie zunächst als Assistenzpfarrerin im Ehrenamt arbeitete und unter anderem Religionsunterricht an der Jakob-Grimm-Schule erteilte. 1991 wurde sie Klinikpfarrerin im Kreiskrankenhaus mit einer halben Stelle und war auch zwölf Jahre lang Sprecherin für Klinik- und Altenheimseelsorge im Sprengel Hersfeld. Ab 2005 hatte sie zusätzlich einen Dienstauftrag im HKZ. Diese Stelle wurde von der neuen Klinikleitung gestrichen. Geblieben ist im HKZ noch eine halbe Stelle. Seit 2011 ist sie auch theologische Studienleiterin des Kirchenkreises Rotenburg. 1992 begann sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin und führt noch heute ihre Praxis für Psychosomatik. Sie ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und einen Enkel. (sis)

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