Ein Urgestein wird 90

Rotenburger Ehrenplakette für Karl Knierim

Der Jubilar: Karl Knierim liest täglich die HNA.

Rotenburg. Ein Rotenburger Urgestein feiert an diesem Wochenende seinen 90. Geburtstag: Karl Knierim hat sich für seine Heimatstadt eingesetzt und bekommt die Ehrenplakette.

Die Tatsache, dass Karl Knierim morgen, Sonntag, 90 Jahre alt wird und sich aus dem Geschäftsleben und der Politik längst verabschiedet hat, heißt nicht, dass er sich nicht mehr einmischt -– zu sehr liegt ihm sein Rotenburg am Herzen. Nur geschieht das jetzt im Stillen, nicht in aller Öffentlichkeit. Für sein großes Engagement erhält Knierim die Ehrenplakette der Stadt Rotenburg. An seinem Geburtstag wird sie ihm überreicht.

Knierim wurde in Thüringen geboren. Nach dem Krieg verschlug es ihn nach Schwarzenhasel, wo sein Vater ein Sattlergeschäft eröffnete. Bald darauf zog der Betrieb nach Rotenburg, wo er sich schnell etablierte und in den kommenden Jahrzehnten wuchs. 

Karl Knierim erinnert sich an die Nachkriegszeit: „Man ging auf die Kirmes und hatte kein Geld, sich ein Bier zu kaufen.“ Es ist diese Erfahrung von Entbehrung, die ihn später veranlasste, sich für die Gemeinschaft einzubringen. Zwei Jahrzehnte lang prägte er als Vorsitzender der Vereinigung Handel, Handwerk und Gewerbe (VHHG) das Stadtleben mit. Knierim engagierte sich für die Etablierung eines Rotenburger Weihnachtsmarktes, plante Stadtfeste, entwickelte immer wieder Ideen rund um das Strandfest, den Weihnachtsmarkt und das Stadtbild und arbeitete an deren Umsetzung.

Um ein Städtchen wie Rotenburg und dessen Geschäfte zu beleben, müssten alle mitziehen, erklärt er seine Philosophie. Mit diesem Beispiel ging er voran und erhielt dafür und für sein weiteres Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande. Als einen Dickschädel, der auch mal auf den Tisch haue, der sich hartnäckig für die Interessen der Vereinigung einsetze und für die Stadt viel bewegt habe, bezeichnete ihn die damalige stellvertretende VHHG-Vorsitzende Kerstin Bier bei der Verleihung im Jahr 2001. Und sie charakterisierte ihn weiter: „Unter der harten Schale steckt ein weicher Kern.“

Im Jahr 2002 gab Knierim den VHHG-Vorsitz auf. Seither hat er ein Haus an der Breitenstraße abgerissen und neu bauen lassen, sodass es den Anforderungen des Denkmalschutzes genügt und zugleich die Häuserzeile schmückt. Er kümmert sich um Vermietungen, arbeitet an einer Chronik des Geschäfts. Auch wenn er sich zuletzt sogar aus der Strandfestkommission zurückgezogen hat: „Ich brauche immer etwas zum Arbeiten.“ Knierim bewohnt dieses Haus an der Breitenstraße auch, und so erlebt er den Wandel der Stadt hautnah. Traurig macht ihn der Leerstand, und auch die vor wenigen Jahren erfolgte Auflösung der Händlervereinigung. Aber Knierim bläst kein Trübsal. Mit der Anstellung eines Marketingmanagers, für den er seit Jahrzehnten plädiert, sei die Stadt auf dem richtigen Weg.

Er analysiert das Geschehen und hat Ideen, so wie früher, und er bringt sie auch ein. Knierim weiß ja genau, wen er bei welcher Sache anzusprechen hat - und tut das auch.

Zur Person

Karl Knierim wurde 1928 in Dorndorf in Thüringen geboren. Er absolvierte im elterlichen Betrieb eine Lehre zum Sattler und Polsterer. Im Jahr 1944 wurde er zum Kriegsdienst verpflichtet und in Weimar zum Rüstungs-Kurierdienst stationiert. Nach dem Krieg arbeitete er im landwirtschaftlichen Betrieb des Onkels in Schwarzenhasel, bevor er zusammen mit dem Bruder in den elterlichen Betrieb eintrat. Knierim war verheiratet, hat zwei Kinder, vier Enkel und drei Urenkel. Seine Frau starb 2015. Knierim lebt in Rotenburg.

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