Für einen guten Zweck

Perücken für Krebskranke: Rotenburgerinnen spenden ihre Haare 

Spenden ihre Haare für einen guten Zweck: Marwa Alslloum (von links) und Katharina Dehnhardt kurz nachdem ihre Haarpracht gefallen ist.

Rotenburg / Baumbach. Marwa Alslloum und Katharina Dehnhardt ließen sich beim Frisör in Rotenburg ihre langen Zöpfe abschneiden. 

In dem Moment, in dem die Schere sich die Haare greift, fasst Marwa Alslloum sich ans heftig pochende Herz und starrt ungläubig in den Spiegel. Als Friseurin Katja Höfges den mehr als 50 Zentimeter langen Zopf in die Höhe hält, ist klar, dass es kein Zurück mehr gibt. Die 31-jährige Rotenburgerin Marwa Alslloum und ihre 20-jährige Freundin Katharina Dehnhardt aus Baumbach haben sich von ihrem langen Haar getrennt, um es einer Hilfsorganisation zu spenden.

Katharina Dehnhardt hat im vergangenen Jahr ihr Abitur an der Jakob-Grimm-Schule gemacht und lässt sich zur Zahntechnikerin ausbilden. Da am Arbeitsplatz schnell Staub entsteht, findet sie die langen Haare inzwischen unpraktisch. Für den Abiball, sagt sie lachend, hat sie ihre Langhaarfrisur „gezüchtet“. Mit der Idee, die Haare einem guten Zweck zu spenden, trägt sie sich seit längerem, genau wie Marwa Alslloum. Gekommen ist Alslloum dieser Wunsch beim Besuch der Krebsstation einer Klinik, wo sie kleine Kinder mit Glatze sah. Aufgrund der Chemo-Therapie hatten sie ihr Haar verloren.

Organisationen fordern Mindesthaarlänge

Mehrere Organisationen haben die beiden im Internet gefunden, die aus gespendeten Haaren Perücken knüpfen. Drei bis fünf Echthaar-Zöpfe, hat Dehnhardt in Erfahrung gebracht, benötigt ein Perückenmacher für eine neue Perücke. Eine Mindestlänge von 25 Zentimetern fordern die meisten Organisationen, manche sogar 40 Zentimeter. „Die kleinen Mädchen wollen lange Haare haben“, erklärt Katharina Dehnhardt.

Im Kirchenchor von Eva Gerlach haben Katharina Dehnhardt und Marwa Alslloum sich kennengelernt und angefreundet. Alslloum stammt aus Syrien und floh vor dem Krieg nach Deutschland. Seit vier Jahren lebt sie in Rotenburg, spricht inzwischen fast perfekt Deutsch und beginnt bald eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, sich für ihre Familie, für Freunde und auch für Fremde einzusetzen, und so trennt sie sich gerne von ihrem langen, glänzenden Haar, für das sie oft Komplimente bekommen hat.

Haare dürfen nicht gefärbt sein

Katja Höfges vom Friseurstudio Haarscharf in Rotenburg erlebt von Zeit zu Zeit, dass Frauen ihr Haar für den guten Zweck hergeben. Sie achtet in diesen Fällen darauf, dass das Haar nicht gefärbt ist und keine Dauerwelle hat. Denn nur unbehandeltes Haar können die Perückenmacher verwenden.

Dehnhardts und Alslloums Zöpfe, der eine über 30, der andere mehr als 50 Zentimeter lang, landen in Briefumschlägen, die die beiden zur Post bringen. Noch Stunden später spüren sie das Adrenalin im Körper. „Als hätte man viele Tassen Kaffee getrunken“, sagt Katharina Dehnhardt.

Mehr Informationen dazu gibt es auch im Internet: www.haare-spenden.de

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