Entscheidung der Landesregierung

Auch Impfzentrum in Rotenburg schließt spätestens Ende September

Hat seit dem 9. Februar geöffnet, war aber nie ausgelastet: Das Impfzentrum in der Rotenburger Göbel Hotels Arena.
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Hat seit dem 9. Februar geöffnet, war aber nie ausgelastet: Das Impfzentrum in der Rotenburger Göbel Hotels Arena.

Die Mitarbeiter des Rotenburger Impfzentrums wollen bis zum letzten Tag „mit Begeisterung“ arbeiten. Die Kosten für den Betrieb der Einrichtung sind weiter unklar.

Rotenburg – Dass das Corona-Kabinett der Landesregierung entschieden hat, die 28 Impfzentren in Hessen nur noch bis spätestens Ende September zu betreiben, bezeichnet Martin Ködding, Leiter des Rotenburger Impfzentrums, als folgerichtigen Schritt. „Die Impfzentren können nicht dauerhaft betrieben werden“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Uns allen war ja von Anfang an bewusst, dass wir eine besondere gesellschaftliche Aufgabe auf Zeit zu erfüllen haben“, so Ködding. Sein Team in der Rotenburger Göbel Hotels Arena – täglich sind dort derzeit 35 Mitarbeiter im Einsatz – habe das „mit Begeisterung getan und wir werden das bis zum letzten Tag so tun“. Die Arbeitsatmosphäre sei nach wie vor „sehr, sehr gut“.

„Besondere gesellschaftliche Aufgabe“

Bislang sind über das am 9. Februar eröffnete Impfzentrum – inklusive mobile Impfteams – 52 204 Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden, davon 34 419 mit der ersten und 17 785 mit der zweiten Spritze. „Ohne die Impfzentren wäre die Impfung der Bevölkerung in dieser Zeit und mit diesem Erfolg nicht möglich gewesen“, sagt Ködding, der nicht müde wird zu betonen, dass sein Team weitaus mehr Menschen gegen das Virus schützen könnte. „Allein es fehlte über all die Monate immer an erforderlichem Impfstoff.“ Das Impfzentrum ist theoretisch auf 1000 Termine pro Tag ausgelegt. Voll ausgelastet war es aber nie. In dieser Woche liegt die Auslastung bei 44 Prozent.

Ein echter Exot

Mit großem Abstand am meisten ist bislang der Wirkstoff von Biontech/Pfizer verabreicht worden, heißt es auf Nachfrage: rund 33 700 Dosen. Astrazeneca wurde bis zum gestrigen Mittwoch rund 11 800 Mal geimpft, Moderna 5500 Mal. Das im März zugelassene Präparat von Johnson & Johnson ist hingegen ein echter Exot im Impfzentrum: gerade einmal 20 Mal ist der Wirkstoff, der seinen vollen Schutz schon nach einer Spritze entfaltet, geimpft worden.

50 Millionen Euro für hessische Impfzentren

Unklar bleibt weiterhin, was der Betrieb des Impfzentrums kostet. Das Innenministerium vermeidet auf Nachfrage konkrete Angaben. Grundsätzlich kalkuliert das Land mit 50 Millionen Euro für die 28 Impfzentren – pro Monat. Im Schnitt kostet ein Impfzentrum also monatlich rund 1,8 Millionen Euro, wenngleich es Unterschiede geben dürfte zwischen der Frankfurter Messehalle, in der täglich bis zu 4000 Menschen geimpft werden könnten, und dem vergleichsweise kleinen Impfzentrum in Rotenburg. Die Finanzierung, die sich Bund und Länder teilen, war bis Ende September gesichert.

Arztpraxen übernehmen

Wenn die Impfzentren schließen, sollen die Arztpraxen und Betriebsärzte die Corona-Impfungen schultern. Bis dahin müsse sich aber niemand Sorgen machen, dass bereits feststehende Impftermine in der Göbel Hotels Arena verfallen, versichert Kreissprecher Pelle Faust: „Wer seine Erstimpfung hier erhalten hat, wird im Impfzentrum des Kreises auch zweitgeimpft.“ Faust geht zudem davon aus, dass tatsächlich bis zum 30. September Termine angeboten werden. Wie genau der Rückbau des Impfzentrums vonstattengehen soll, ist indes noch unklar, so der Kreissprecher. Die Details würden nun mit dem Land abgesprochen. (Von Sebastian Schaffner)

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