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Holzkugelbahn soll in Rotenburg Kottenbach- und Heienbachtal verbinden

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Von: Christopher Ziermann

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Die Holzkugelbahn führt unter anderem durchs Wildgehge. Das Bild zeigt von links Maurice Riesche (MER), MER-Geschäftsfüher Torben Schäfer und Zimmermeister Jörg Hohmeister.
Die Holzkugelbahn führt unter anderem durchs Wildgehge. Das Bild zeigt von links Maurice Riesche (MER), MER-Geschäftsfüher Torben Schäfer und Zimmermeister Jörg Hohmeister an der Station „Baumschlange“ © Christopher Ziermann

Eine Holzkugelbahn soll schon in ein paar Wochen das Kottenbachtal und das Heienbachtal, in deren Mitte das Rotenburger HKZ liegt, verbinden.

Rotenburg/Bebra – Das Gelände rund um das HKZ auf dem Rotenburger Hausberg wird als Anziehungspunkt für Touristen und heimische Erholungsuchende weiter ausgebaut. In diesen Tagen beginnt im Wildgehege der Aufbau einer Holzkugelbahn, die eine Verbindung zwischen verschiedenen schon bestehenden und geplanten Angeboten sein soll, wie MER-Geschäftsführer Torben Schäfer erklärt – zwischen Kottenbachtal und Heienbachtal.

Durch das Kottenbachtal führt die Straße hinauf zum HKZ. Dort sind im Bereich der Alm die beiden Großprojekte Fußgängerhängebrücke und Rodelbahn geplant – wir berichteten. Entlang der Kugelbahn gelangt man künftig durch das Gelände des Wildgeheges ins Heienbachtal. Die hölzerne Attraktion endet an der Gaststätte am Wildgehege mit Mehrgenerationenspielplatz, direkt um die Ecke vom Barfußpfad und dem Waldschwimmbad.

Das Projekt kostet 200.000 Euro, die Hälfte davon kommt aus Fördermitteln der EU. Auf der rund 2,2 Kilometer langen Strecke rollen die Holzkugeln, die man für zwei Euro am Startpunkt bekommt, nicht einfach nur bergab. Es gibt auch zwölf Aktivstationen wie zum Beispiel eine Wippe, bei der mehrere Personen die Kugel gemeinsam durch ein Labyrinth ins Ziel steuern müssen.

„Der Tourismus ist das Pfund, mit dem Rotenburg wuchern kann. Allein das Fachwerk als Aushängeschild anzupreisen, genügt dabei nicht, denn das haben auch andere Städte“, sagt Torben Schäfer. Deswegen brauche es Leuchtturmprojekte wie den Schaukelwald, die Hängebrücke und nun die Holzkugelbahn, um die Menschen auf Rotenburg aufmerksam zu machen. Das stetig steigende Freizeitangebot soll nicht nur für mehr Tagesgäste sorgen, sondern auch dafür, dass Urlauber länger in der Fuldastadt bleiben. „Davon profitieren die Stadt und die Region. Jeder weiß, dass im Urlaub der Geldbeutel lockerer sitzt. Davon profitieren die Gastronomen, die wiederum Handwerker brauchen“, sagt Schäfer. Und natürlich seien die touristischen Angebote auch ein Mehrwert für die Einheimischen. Als Alternative zu Wochenendausflügen bekomme man nun immer mehr Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung direkt vor Ort.

Eröffnet werden soll die Holzkugelbahn laut Schäfer in ungefähr zwei Monaten – also noch vor den hessischen Sommerferien. Ein Großteil der in der Werkstatt vorbereiteten Elemente wird Ende Juni aufgebaut.

Die Zimmerei von Jörg Hohmeister ist in den vergangenen Wochen zugleich zu einem Spielplatz und zu einem Kunstatelier geworden. Die Elemente der Holzkugelbahn werden in der Werkstatt in Bebra gebaut und immer wieder getestet, bevor sie zur Montage nach Rotenburg gebracht werden. Wohl mehrere hundert Male haben die erwachsenen Männer die Holzkugeln selbst auf die Bahnen gelegt, damit Geschwindigkeit und Gefälle am Ende stimmen.

„Das ist natürlich etwas ganz anderes, als eine Terrasse für einen Privatkunden zu bauen. Das Projekt lebt und viele Ideen, die uns hinterher selbst erstaunen, kommen während der Arbeit“, sagt Hohmeister. Kugeln aus dem Material Holz sind nie zu 100 Prozent rund – also müssen die Bahnen mit vielen verschiedenen Kugeln getestet werden. So bleiben die meisten davon in dem Bornschisserbrunnen, in den sie aus dem hölzernen Hintern plumpsen, liegen. Manche nehmen aber auch zu viel Fahrt auf und schießen über das Ziel hinaus. Also wird das Gefälle immer wieder angepasst.

Für die künstlerischen Elemente ist Bildhauer Stefan Michaelis zuständig. Er hat unter anderem den Bornschisser-Hintern geschnitzt und darf sich im „Waldbadezimmer“ austoben. Das bekommt eine hölzerne Badewanne, zwei Liegen und vielleicht auch einen Duschkopf. Ganz alleine können Jörg Hohmeister und seine sechs Mitarbeiter die Arbeiten aber nicht stemmen – für vier der zwölf Stationen hat der Bebraner deswegen seinen Berufskollegen Jan Kemski ins Boot geholt, der aus Nordhessen stammt und derzeit ein Atelier in Rosenheim hat. Er konstruiert neben der Wippe unter anderem den Alheimer-Turm, der zugleich Kugelautomat und Spielstation ist.

Beim Projekt Holzkugelbahn legt Hohmeister neben dem Spielspaß auch auf die Aspekte Natur und Heimatbezug wert. So gehören neben dem Bornschisser und dem Alheimer-Turm zum Beispiel auch Nachbauten von Jakobi- und Stiftskirche und der Alten Fuldabrücke zum Parcours. Beim Material setzt die Zimmerei auf heimische Lärche, die aus dem Vogelsberger Sägewerk kommt. Bei der Montage wird – das ist auch eine Auflage der Unteren Naturschutzbehörde – auf Betonierungen verzichtet und stattdessen geschraubt. Wurzeln dürfen dabei nicht verletzt werden. Theoretisch könnte man die Bahn gänzlich wieder zurückbauen.

Außerdem ist es das Ziel, die nötige Pflege und mögliche Nachbearbeitung in der Zukunft zu minimieren, auch wenn man gänzlich ohne beim lebendigen Material Holz nicht auskommt. Die verwendeten Bretter werden gründlich ausgebürstet, um die weichen Holzbestandteile zu entfernen. Dort setzen sich Pilze und Moos am schnellsten fest.

Das erst Konzept für die Holzkugelbahn hat die Rotenburger Marketing- und Entwicklungsgesellschaft MER schon vor vier Jahren aufgestellt. Nicht alle Ideen der MER und von Hohmeister haben allerdings den kritischen Blicken der Spielplatzprüfer vom TÜV überstanden. Zu scharfe Kanten dürfen nicht sein, außerdem wird auf Quetsch- und Klemmgefahr geachtet. Trotzdem wird die Holzkugelbahn jede Menge sicheren Spaß zu bieten haben, wie zum Beispiel auf einer längeren mehrspurigen Strecke, wo die Spieler ihre Kugeln um die Wette rollen lassen können. (Christopher Ziermann)

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