1040 Tonnen für Hessen Mobil 

Tausalz bunkern bei Bullenhitze: In Rotenburg werden Vorräte eingelagert

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Der nächste Winter kommt bestimmt: Per Teleskoplader wird derzeit in Rotenburg Streusalz zu einem 1670-Tonnen-Haufen zusammengeschoben. Hessen Mobil stockt im Hochsommer seine Vorräte auf – um Geld zu sparen. Foto: Clemens Herwig

Rotenburg. Jetzt schon an den Winter denken - das gilt auch für die Straßenmeister in Rotenburg. Derzeit werden 1040 Tonnen Streusalz eingelagert. 40 Sattelzüge liefern sie an.

Bei über 30 Grad denken die meisten Menschen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wohl höchstens an Eis in Kugeln – wahlweise in der Waffel oder im Becher. „Wir haben aber schon das künftige Eis auf den Straßen im Blick“, sagt Peter Wöbbeking, Regionaler Bevollmächtigter für Osthessen von Hessen Mobil. 40 Sattelzüge liefern in dieser Woche 1040 Tonnen Auftausalz für den Winterdienst nach Rotenburg.

Der Grund für die scheinbar aus der Zeit gefallene Beschäftigung der dortigen Straßenmeisterei ist simpel: Wer früh kauft, zahlt weniger. Der Zeitpunkt für die Lieferung sei also nicht ungewöhnlich, so Wöbbeking, „über den Frühbezug ist das Salz deutlich günstiger zu bekommen.“ Hessen Mobil hat längst umgeschwenkt und seine Lagerkapazität in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut: Salz wird nicht mehr dann gekauft, wenn im Winter keins mehr da ist – und es jeder braucht. Stattdessen füllen die Straßenmeistereien bereits im Hochsommer ihre Vorratshallen auf.

Salz in schweißnassen Händen: Andreas Hohmann (von links), Straßenmeister Philipp Burk und Peter Wöbbeking bei rund 30 Grad vor dem Salzvorrat in Rotenburg.

In der Salzlagerhalle in Rotenburger türmt sich bei Außentemperaturen um die 36 Grad ein meterhoher Berg, weiß wie Schnee – nur eben nicht annähernd so erfrischend kühl. 1670 Tonnen Salz haben in der vor zwei Jahren gebauten Halle Platz. Eine grüne Folie bis zur Höhe des Salzhaufens schützt den Beton, damit das Salz ihn nicht angreift. Das kommt aus Bernburg bei Magdeburg, rund 260 Kilometer von Rotenburg entfernt. 40 Sattelzüge, jeder beladen mit mehr als 20 Tonnen Auftausalz, liefern die Ladung aus. Das Salz wird vom Lastwagen im Halleneingang abgeladen, von dort schiebt es ein Teleskoplader auf den riesigen Haufen in der Hallenmitte. Koordiniert wird das von Achim Bardt, Spediteur aus Niederaula. In der Halle ist es halbwegs kühl – für das Salz ist das egal, Hauptsache es lagert trocken.

Kreisweit kann Hessen Mobil 7640 Tonnen Salz lagern, in Hallen in Bad Hersfeld, Rotenburg, Cornberg und Hönebach. Das ist auch nötig: Rund 6500 Tonnen Auftausalz wurden im vergangenen Jahr im Kreisgebiet verbraucht – Hessenweit kommen in einem durchschnittlichen Winter 120 000 Tonnen Streusalz zum Einsatz.

Winter sind nicht planbar

Befürchten die Experten nach dem heißen Sommer einen harten Winter? „Die Winter sind nicht mehr planbar“, sagt zumindest Andreas Hohmann. Der technische Angestellte ist seit 1992 bei der Straßenmeisterei in Rotenburg. Häufig gebe es erst Plusgrade, sodass alles taut, dann werde es wieder kalt, sagt er. Für die Streudienste sei dieser Frost-Tau-Wechsel das größte Problem, weil dann viel Salz auf die Straßen muss. Wie groß der Vorrat ist, der vor den ersten kalten Tagen angelegt wird, sei daher eine Abwägungssache, bei der auch auf Erfahrungswerte zurückgegriffen wird, so Wöbbeking.

785 Kilometer Verkehrswege – von der Autobahn bis zu Kreisstraßen – werden von Hessen Mobil kreisweit betreut. Auf den Autobahnen, die 24 Stunden am Tag rutschfrei gehalten werden, ist der Verbrauch dabei am höchsten.

Hintergrund

Hessen Mobil lagert bergeweise Streusalz, hessenweit sollen 120 000 Tonnen für den kommenden Winter bereitstehen. Das entspricht 4900 Lastzügen, die sich auf einer Strecke von gut 100 Kilometern aneinanderreihen. Dabei würden noch deutlich mehr der weißen Berge (und mehr Lagerfläche) benötigt, wenn das Salz nicht beim Streuen mit einer Magnesiumchlorid-Lösung angefeuchtet würde. Die Kombination von Salz und Lösung sorgt dafür, dass eine kleine Menge eine große Tauwirkung erzielt. Pro Quadratmeter sei beim Streuen nur noch etwa ein Teelöffel Salz nötig, heißt es von Hessen Mobil. Das sei zum Vorteil der Umwelt – und spart Geld.

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