Task-Force kommt im Mai zu Besuch

Rotenburger Alheimer-Kaserne nun doch wieder als Standort für Zollschule im Rennen

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Bekommt im Mai Besuch von einer Task-Force der Generalzolldirektion: Die frühere Alheimer-Kaserne in Rotenburg, die derzeit als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge genutzt wird. Die Experten suchen derzeit Standorte für neue Zollschulen. 

Überraschende Wende bei der Standortsuche für neue Zollschulen: Die ehemalige Alheimer-Kaserne in Rotenburg ist wieder im Rennen.

Das geht aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums hervor, das unserer Zeitung vorliegt. Noch im Februar hatte es geheißen, Rotenburg spiele keine Rolle mehr. Der Zoll suche sich seine insgesamt fünf neuen Ausbildungsstandorte in den Metropolregionen Hamburg, Nürnberg, Köln/Bonn, Leipzig und Rhein/Main.

An dieser Absicht hält das Bundesfinanzministerium nun auch in seinem aktuellen Schreiben fest, das unserer Zeitung vorliegt. Das Ministerium interpretiert den Einzugsbereich der Metropolregion Rhein-Main nun allerdings derart großzügig, dass Rotenburg als Bestandteil dieser Metropolregion angesehen wird.

Wörtlich heißt es in dem Schreiben, dass „im Rahmen des ergebnisoffenen Erkundungsverfahrens“ die „Task-Force für den Großraum Rhein-Main“ am 15. Mai die ehemalige Alheimer-Kaserne bereisen werde, „um sich einen persönlichen Eindruck über die Liegenschaft zu verschaffen“.

Die Mitglieder der Task-Force, heißt es weiter, hätten die Aufgabe, mit Vertretern aus dem Bundesfinanzministerium und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben „geeignete Liegenschaften innerhalb der im Konzept festgelegten Großräume zu erkunden und auf Ihre Geeignetheit als Zukunftsstandort für die Aus- und Fortbildung der Zollverwaltung hin näher zu betrachten.“

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand aus Fulda, der parteiintern auch für den Kreis Hersfeld-Rotenburg zuständig ist, sowie die Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt (CDU) begrüßten die Entwicklung: „Sie zeigt, dass sich Hartnäckigkeit lohnt.“ Jetzt komme es darauf an, die Vorzüge Rotenburgs herauszustellen. „Die Alheimer-Kaserne ist ein Top-Standort für die künftige Aus- und Fortbildung der Zollverwaltung. Wir kämpfen dafür, dass sich gute Argumente durchsetzen, und zwar die für den Standort Rotenburg.“

Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) wollte sich vorerst nicht äußern. Er bestätigte lediglich, dass er im Mai beim Besuch der Experten dabei sein werde.

Der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth, der sich nach eigenen Angaben seit Jahren in zahlreichen Gesprächen, unter anderem mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), für die frühere Kaserne einsetzt, sagte: „Ich freue mich, dass das Bundesfinanzministerium auf mein Werben hin entschieden hat, den Standort Alheimer-Kaserne neben weiteren Liegenschaften weiterhin als möglichen Zukunftsstandort in den Blick zu nehmen.“

Er bestätigte, dass derzeit eine Task-Force mehrere Liegenschaften im Großraum Rhein/Main erkunde – darunter auch Rotenburg –, ob sie als Zukunftsstandort für die Aus- und Fortbildung der Zollverwaltung geeignet sind.

Das Bundesfinanzministerium habe Roth bereits Ende 2018 verbindlich zugesagt, alternative Nutzungsmöglichkeiten für die Ex-Kaserne sorgfältig zu prüfen. Er betonte zugleich: „Wir befinden uns aber noch ganz am Anfang eines mehrstufigen Prüfverfahrens. Im ersten Schritt werden zunächst Liegenschaften im Besitz des Bundes erkundet.“

Kai Ahlheim, Vorsitzender der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft Hessen, der im August 2018 Rotenburg als potenziellen Zollschulstandort ins Gespräch gebracht hatte, sagte: „Die Messe ist noch lange nicht gelesen.“ Als es hieß, die Zollschule solle im Rhein-Main-Gebiet angesiedelt werden, „habe ich das schon allein aus Kostengründen nicht verstanden“. Das Kasernengelände, das derzeit als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge genutzt wird, sei weit und breit der beste Standort für eine Zollschule. „So eine geniale Liegenschaft, in der schon alles vorhanden ist, finden Sie im Frankfurter Raum gar nicht“, sagte Ahlheim, der ankündigte, weiterhin Gespräche führen zu wollen, um sich für Rotenburg stark zu machen: „Ich gebe nicht auf.“

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