Ferienanlage soll verkauft werden

Vor Ort in Meeschendorf: Das sagen Hausmeister und Heimleitung

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Ist auf Fehmarn Zuhause: Heidi Rüger leitete seit 1994 mit ihrem Mann die Erholungsstätte Meeschendorf, die Anlage wurde zu ihrer Heimat – jetzt ist sie ausgezogen.

Fehmarn. Für fast 25 Jahre war Meeschendorf Heidi Rügers Zuhause. Markus Lausen ist der neue Hausmeister der Ferienstätte des Kreises. Wir haben mit beiden gesprochen. 

Als Heimleiterin hat Heidi Rüger die Erholungsstätte Meeschendorf an der Seite ihres Mannes geprägt - auch wenn das Ehepaar nicht alles umsetzen konnte, was es wollte. 

Wie wohl viele ist Heidi Rüger ein Fehmarn-Import: Geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen ist die 58-Jährige in Schenklengsfeld. 

Zwölf Jahre lang hatte die Friseurin dort einen eigenen Laden. 1994 zogen sie und ihr Mann Artur nach Fehmarn. Die neue Adresse: Meeschendorf 102.

Die Erholungsstätte Meeschendorf auf Fehmarn. Hier der Blick vom Dach des Jugendhauses auf den Speisesaal. 

 Artur Rüger hatte sich auf die Stelle als Heimleiter der Ferienstätte des Landkreises Hersfeld-Rotenburg beworben, Heidi Rüger ging als Hausmeisterin mit – „aber nur auf dem Papier“, wie sie sagt. Das Ehepaar hat sich die Arbeit von Beginn an geteilt: „Ich habe alles gemacht – organisiert, in der Küche geholfen, Zimmer gebucht und die Anlage in Schuss gehalten.“

Heimleiter ist ein Job für das ganze Jahr

Andere haben einen Garten – die Rügers hatten eine ganze Ferienanlage direkt am Ostseestrand. Aber: „Die Bürozeiten konnten wir nie einhalten – wir waren rund um die Uhr Ansprechpartner“, sagt Rüger. 

Auch als Meeschendorf 2007 an das Schülerfreizeitzentrum Ilmenau verpachtet wurde, blieben die Eheleute beim Landkreis angestellt – und wurden auch außerhalb der Saison bezahlt.

Im Kreistag war das ein Argument für das Defizit aus Meeschendorf. „Bei so einer Anlage muss man das ganze Jahr über da sein, es passiert ständig was“, sagt Heidi Rüger. „Und wenn Gäste da sind, kann man nicht renovieren oder umbauen.“

Die Lage: Traumhaft. Die Erholungsstätte des Landkreises liegt direkt am Südost-Strand der Ostseeinsel Fehmarn. 

 

Das sei gut zu sehen gewesen, als die Rügers auf Fehmarn übernahmen: Der Vorgänger hatte im Oktober zu- und im April wieder aufgeschlossen. „Wir haben 80 Kubikmeter Müll rausgeschafft. Hätten wir nicht in Schenklengsfeld alles verkauft, wir wären zurückgegangen“, erinnert sich Rüger.

Auf die neue Hüfte folgte bald ein neues Knie

Viele Arbeiten hat ihr Mann in den Folgejahren in Eigenregie erledigt: von kaputten Türen bis zum Renovieren der Sanitärbereiche. Das ging eine Zeit lang gut – bis sich das Alter immer häufiger bemerkbar machte und auf die neue Hüfte auch ein neues Knie folgte.

Vor zwei Jahren dann der Warnschuss: Herzinfarkt. Rüger musste kürzertreten.

Dazu kam Frust: „Wir haben gestrampelt und gestrampelt“, sagt Heidi Rüger – die Mängelliste zum Jahresende wurde dennoch immer länger.

Meeschendorf: So sieht es in der kreiseigenen Ferienstätte auf Fehmarn aus

„Es gibt schon einige Baustellen“, sagt die 58-Jährige über den Zustand der Ferienstätte. Das ist überall auf dem Gelände zu sehen: An den Häusern ist seit Jahren nichts gemacht worden. Besonders im Jugendhaus gibt es Nachholbedarf. 

Bevor er sich im April in den Ruhestand verabschiedete, begann Artur Rüger damit, einen Nachfolger einzuarbeiten. Der hielt vier Wochen durch.

Der Auszug schafft den nötigen Abstand

Derzeit sei sie noch „Allround-Managerin“, sagt die 58-Jährige mit einem Lachen. Mitte Mai soll es einen neuen Heimleiter geben. 

Die Wohnung in Meeschendorf hat sie geräumt, es ist auch so etwas wie Erleichterung dabei: „Der Auszug verschafft etwas nötigen Abstand.“

Und: „Ich persönliche hoffe, dass die Ferienstätte erhalten bleibt“, sagt sie, „dass nicht die ganzen Jahre, die wir an Kraft hineingesteckt haben, umsonst waren.“ 

Mit etwas mehr Pepp würde die Anlage laufen, ist die Allround-Managerin überzeugt. Heidi Rüger lebt jetzt in Burg – und vermisst den Strand vor der Tür.

"Der Verkauf drückt aufs Gemüt"

Seit 28 Jahren macht er auf der Sonneninsel sauber: Markus Lausen hat im Meereszentrum, der Galileo-Wissenswelt und eben Meeschendorf geputzt – und kennt Fehmarn wie die Einheimischen.

Blickt in eine unsichere Zukunft: Hausmeister Markus Lausen ist gerade erst in Meeschendorf eingezogen. Wie es nach einem möglichen Verkauf der Ferienstätte weitergeht, weiß er nicht.

 Seit April ist er der neue Hausmeister der Ferienstätte und hat die Anschrift Meeschendorf 102. Wir haben mit dem 50-Jährigen über die Freizeitanlage am Ostseestrand und den drohenden Verkauf gesprochen.

Herr Lausen, wie lange und wie gut kennen Sie die Ferienstätte Meeschendorf?

Markus Lausen: Meeschendorf kenne ich seit mindestens 15 Jahren. Wir haben die Unterhaltsreinigung in der Anlage gemacht, also morgens angefangen und zum Beispiel die Häuser, den Speisesaal und die Fenster geputzt. Ich kenne hier jedes Haus.

Haben Sie schon länger mit Meeschendorf geliebäugelt?

Lausen: Ich habe vor Jahren zu mir selbst gesagt: Eigentlich beneidest du den Herrn Rüger. Der hat hier so einen schönen Platz, und wenn die Kinder ans Wasser kommen und die Augen anfangen zu glänzen – das fand ich toll.

Sie haben viele Anlagen auf Fehmarn kennengelernt, sticht Meeschendorf heraus?

Lausen: Nein, das nicht. Es passt eher sehr gut ins Bild.

Wann haben Sie von den Verkaufsplänen erfahren?

Lausen: Nachdem ich den Mietvertrag und den Arbeitsvertrag unterschrieben habe. Ich weiß nicht, ob ich dieses Wagnis sonst eingegangen wäre. Jetzt hoffe ich einfach, dass es weiter geht – egal wie. Dass ich eine Chance habe, weiterzumachen.

Die ersten Bieter haben Meeschendorf besichtigt...

Lausen: Das drückt schon aufs Gemüt, auch wenn ich mir das nicht so anmerken lasse. Meiner Frau setzt das deutlich mehr zu, weil mit dem Arbeitsvertrag auch der Mietvertrag endet.

Zur Person:

Markus Lausen (50) wurde in Oldenburg geboren und wuchs in Lensahn auf. Dort machte er seinen Hauptschulabschluss. 

Nach einer Lehre zum Bau- und Möbeltischler und verschiedenen Jobs bekam er 1990 eine Stelle bei einer Reinigungsfirma in Heiligenhafen, für die er fast täglich auf Fehmarn tätig war. 

In diesem Zuge lernte er auch Meeschendorf kennen. Lausen ist in zweiter Ehe verheiratet, hat drei Kinder und fünf Stiefkinder.

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Quelle: HNA

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