Totschlags-Prozess Lispenhausen

Der Todeszeitpunkt war nicht festzustellen

Fulda / Lispenhausen - Die Frau, die am  17. Oktober 2017 nach einem Brand in Lispenhausen tot aufgefunden wurde, ist erwürgt worden. Doch wann genau, ist nicht mehr festzustellen.

 „Komprimierende Gewalt gegen den Hals“ war die Todesursache, als eine 33 Jahre alte Frau am Abend des 17. Oktober 2017 in ihrer Wohnung im Rotenburger Stadtteil Lispenhausen starb. Doch einen genauen Todeszeitpunkt für ein Erwürgen oder Erdrosseln konnte Dr. Christoph Birngruber von der Gießener Rechtsmedizin bei der Obduktion eine Woche nach der Tat nicht mehr feststellen.

Damit bleibt der Verteidigung des des Totschlags angeklagten Ehemanns vor dem Fuldaer Schwurgericht ein Interpretationsspielraum.

Rechtsanwalt Harald Ermel bemüht sich nach wie vor, die Aussage seines die Tat abstreitenden Mandanten zu untermauern, der viel früher vom Tatort fortgefahren sein will als seine Handy-Daten ausweisen. Bisher wird der mittlerweile 37-jährige IT-Kaufmann durch die Auswertung seines Blackberrys bis 20.17 Uhr in Lispenhausen verortet. Ermel zweifelt jedoch die Zuverlässigkeit der Daten an. Auch sagt der Angeklagte aus, schon gegen 20 Uhr wieder zuhause in Seifertshausen gewesen zu sein. Der Tod der von ihm getrennt lebenden Ehefrau wurde vom Notarzt um 20.49 Uhr festgestellt. Sie könnte bis zu etwa einer Stunde vorher umgebracht worden sein, aber auch erst nach 20.17 Uhr. Um 20.31 Uhr waren die Rettungskräfte alarmiert worden, nachdem der angeblich ebenfalls vom Angeklagten gelegte Brand in der Wohnung bemerkt worden war.

Der psychiatrische Gutachter Dr. Helge Laubinger aus Kassel hatte beim Angeklagten keine Auffälligkeiten festgestellt, die seine Schuldfähigkeit beeinträchtigen.

Obwohl noch ein weiterer Beweisantrag der Verteidigung zu Handy-Daten erörtert wird, soll am nächsten Verhandlungstag, dem 5. Februar, plädiert werden. 

VON KARL SCHÖNHOLTZ

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