Parlament entscheidet Donnerstagabend

Sorge ums Trinkwasser: Diskussion um neue Bahntrasse in Rotenburg 

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Die geplante Strecke Fulda-Gerstungen soll vorhandene Fernverkehrsstrecken verbinden. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg soll ein ICE-Halt bleiben. Unser Symbolbild zeigt einen ICE bei München.

Die Resolution der CDU gegen die Ausweitung des Suchkorridors für die Strecke Fulda-Gerstungen wurde im Ausschuss in Rotenburg intensiv diskutiert. Eine Empfehlung gab es nicht.  

Die Erweiterung des Suchkorridors für die geplante Bahn-Neubaustrecke Fulda-Gerstungen in Richtung Norden, also Rotenburg, war am Dienstagabend Thema im Haupt- und Finanzausschuss. Eine Empfehlung gab das Gremium nicht ab. Entscheiden wird die Stadtverordnetenversammlung bei der Sitzung am Donnerstag ab 19.30 Uhr.

Einig war man sich sehr schnell darin, dass alles getan werden müsse, um die Trinkwasserversorgung der Stadt nicht zu gefährden. Die aber steht nach Ansicht vieler Stadtverordneten durch den Bau einer Bahntrasse auf dem Spiel, da die vier Tiefbrunnen der Stadt am Silberberg dadurch beeinträchtigt werden könnten.

Trinkwasserversorgung hat Vorrag vor Ansprüchen der Bahn

Stephan Heckeroth, der Leiter der Stadtwerke, hatte eine schriftliche Stellungnahme vorbereitet, in der er die rechtlichen Gegebenheiten in Konflikt Verkehrswegebau und Wasserschutzgebiet darstellte. Unter anderem ist dort nachzulesen, dass es gemeinsame Planungsgrundsätze von Bahn und der Wasserwirtschaft gebe, nach der die öffentliche Trinkwasserversorgung Vorrang vor Planungsansprüchen der Bahn habe.

Sebastian Münscher (SPD) hielt es zunächst für zu früh, die Bahntrasse grundsätzlich abzulehnen, dafür gebe es nicht genug technisches Hintergrundwissen. Andreas Börner und auch Bürgermeister Christian Grunwald erklärten dagegen, man müsse schon früh im Beteiligungsverfahren die Bedenken deutlich machen, weil sonst die Gefahr bestehe, dass sie in der weiteren Planung nicht mehr berücksichtigt würden. Auch Wilfried Ross (UBR) warb dafür, schon jetzt „klare Kante“ zu zeigen, und zwar „je lauter und entschlossener, desto besser.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Jonas Rudolph sagte in Richtung Münscher, man brauche keine technischen Expertisen als Stadtverordneter, um die beiden grundsätzlichen Fragen der Resolution zu beantworten: „Wollen wir, dass eine Bahntrasse unser Fuldatal durchschneidet, nur damit ein ICE in Bebra hält?“ und „Wollen wir unserer Wasserversorgung einem erhöhten Risiko aussetzen?“

Einer Anregung von Stadträtin Elvira Walter-Rosner (SPD), die Bürger in die Entscheidung einzubeziehen, etwa durch eine Bürgerversammlung, erteilte Rudolph eine Absage. Man lebe in einer repräsentativen Demokratie und dürfe sich als gewählter Vertreter nicht wegducken, wenn es um schwierige Entscheidungen gehe. „Da muss man auch mal A ... in der Hose haben.“

SPD-Stadtverordneter Reiner Wollrath fasste das Dilemma zusammen: „Wir wollen unser schönes Fuldatal erhalten. Wir wollen aber auch gute Verkehrsanbindung und Infrastruktur, wie es ein ICE-Halt in Bebra wäre.“

Landrat mahnt zur Sachlichkeit

Die Ankündigung der Resolution hatte Bebras Bürgermeister Uwe Hassl erbost. Hassls martialischer Sprachgebrauch („jetzt wird zurückgeschossen“) und die Androhung von „Gegenmaßnahmen“ wurden in Rotenburg heftig kritisiert.

Landrat Dr. Michael Koch mahnt in einer Mitteilung zur Sachlichkeit: Die Diskussionen um die Bahntrasse und weitere Projekte im Landkreis seien in den vergangenen Tagen und Wochen aufgeflammt. „Es hilft uns nicht, wenn sich die einzelnen Kommunen zerstreiten – wir müssen an einem Strang ziehen“, so Koch. Gemeinsames Ziel sei der Erhalt eines ICE-Halts in der Region.

Quelle: HNA

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