Reagieren auf den Rausch

Rotenburger Schule entwickelte Leitfaden zum Umgang mit Drogenkonsum

Rotenburg. Wegschauen aus Unsicherheit? Oder gleich zur Polizei? Die Rotenburger Jakob-Grimm-Schule hat einen Leitfaden zum Umgang mit jugendlichen Drogenkonsumenten entwickelt. 

Es ist ein heikles Thema, mit dem man sich intensiv an der JGS befasst hat. Erarbeitet wurde ein konkreter Handlungsleitfaden, der auch anderen Schulen im Kreis zur Verfügung gestellt wurde. Das Info-Blatt mit kurzen, prägnanten Schritten hänge in allen Klassen ab Jahrgangsstufe 7 aus und sei den Lehrkräften zur Verfügung gestellt worden, berichtet Schulleiterin Sabine Amlung. 

Der Leitfaden ist von einer Arbeitsgruppe der Schule aus Lehrkräften und Schulsozialarbeiterinnen in Zusammenarbeit mit dem für Jugendliche zuständigen Polizeibeamten entwickelt worden. „Hier wird klar formuliert, was wir tun können und was nicht“, erläutert Iris Schulte, die für den Haupt- und Realschulzweig zuständige Sozialpädagogin. Sie war federführend bei der Entwicklung des Konzepts.

Iris Schulte

Bei Verdacht auf Drogenhandel und damit verbundene Probleme im Umfeld der Schule wird nämlich die Polizei eingeschaltet, ebenso wenn es um mögliche Drogendelikte in Zusammenhang mit unter 14-Jährigen geht. In diesen Fällen kann die Schule nur am Anfang aktiv werden.

Möglichst wenig bürokratischer Aufwand, mehr Zeit für Gespräche

Klare Regeln und sogar vorgefertigte Meldungsbögen sollen schnelles und möglichst unbürokratisches Handeln ermöglichen. Deshalb wurden auch einheitliche Dokumente für Gesprächsprotokolle vorbereitet. Damit soll der bürokratische Aufwand nur eine Nebenrolle spielen, die Gespräche stehen im Vordergrund. Und: „Die Verantwortung wird geteilt. Die einzelne Lehrkraft wird nicht allein gelassen, wenn sie etwas Auffälliges beobachtet“, sagt Amlung.

Wichtig seien schon die Gespräche mit Schülern und Kollegen über den Leitfaden gewesen. Der Zettel hängt nicht einfach an der Wand, sondern das Thema Drogenkonsum wird und wurde schon im Vorfeld angesprochen. „Dadurch können zum Beispiel auch Schüler motiviert werden, ihre Sorge um einen Mitschüler mitzuteilen“, sagt Iris Schulte. 

Es geht nicht ums Petzen oder "in die Pfanne hauen"

Petzen sei das nicht, es gehe um Anteilnahme und nicht darum, jemanden „in die Pfanne zu hauen“. Der Handlungsleitfaden wurde von der Schulkonferenz verabschiedet, nachdem er auch dort intensiv diskutiert worden sei, berichtet die Schulleiterin weiter. Inzwischen haben auch andere Schulen den Leitfaden angefordert.

Eingesetzt werden musste er noch nicht, darüber ist Sabine Amlung erleichtert. Das Thema Sucht wird an der Schule alljährlich mit Präventionstagen vor den Sommerferien behandelt.

Das droht Schülern bei Drogenkonsum 

Wenn bei Schülern Verhaltensauffälligkeiten festgestellt werden, deren Ursache im Drogenkonsum liegen könnten, gibt es zunächst einen Austausch unter den Lehrerkollegen, dann ein Gespräch mit dem betroffenen Schüler. Dazu werden Protokolle angefertigt. Außerdem folgt ein telefonisches Gespräch mit den Eltern, bei dem notfalls auch ein Drogentest vorgeschlagen werden kann. 

So sehen auch die Schritte aus, wenn der Verdacht des Drogenkonsums während der Unterrichtszeit besteht oder wenn ein Schüler sogar vom Unterricht ausgeschlossen werden muss, weil er offenbar unter Drogeneinfluss steht. Lehrkräfte müssen dann mit dem Schüler zur Schulleitung, wo er befragt und die Eltern informiert werden. 

Bestimmte Substanzen können im Schweiß oder Speichel nachgewiesen werden

Sie werden aufgefordert, ihr Einverständnis zu einem Drogentest zu geben – das ist ein Wischtest, der über Schweiß oder Speichel die Einnahme von bestimmten Substanzen anzeigt. Bei positivem und negativen Testergebnis folgen Elterninformation und am nächsten Tag ein Gespräch mit den Eltern. 

Entweder darüber, wie der Verdacht entstanden ist – Verhaltensauffälligkeiten können auch andere Ursachen haben – oder bei einem positiven Ergebnis über die Situation und das weitere Vorgehen. Wenn der Drogentest verweigert wird oder verdächtige Stoffe gefunden werden, verständigt die Schulleitung die Polizei und die Eltern. Dann werden Ordnungsmaßnahmen eingeleitet.

Rubriklistenbild: © Daniel Karman/dpa

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