Auszeit vom Alltag in der Erstaufnahme

Rotenburger Schwimmverein nimmt Flüchtlingskindern die Angst vor Wasser

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Spaß im Rotenburger Waldschwimmbad: Hier lernen geflüchtete Kinder aus der Erstaufnahmeeinrichtung Schwimmen. Unser Bild zeigt eine Gruppe mit Trainer Alexander Demm und Trainerin Julia Weiffenbach.

Wasser muss kein Feind sein: Flüchtlingskindern aus der Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung lernen beim Schwimmverein Neptun das Schwimmen. 

Sich im Wasser zu bewegen, zu schwimmen, gibt Sicherheit und bringt vor allem Kindern viel Spaß. Die positive Grundhaltung gegenüber Wasser vermittelt der Rotenburger Schwimmverein Neptun bereits im vierten Jahr Kindern, die in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge untergebracht sind.

Jeweils eine Woche lang in den Sommerferien üben Trainer des Vereins morgens mit den Jungen und Mädchen Wassergewöhnung und Schwimmen. „Besonders kleine Kinder haben anfangs Angst vor Wasser“, erzählt Vereinsvorsitzende Jutta Weidner-Jäger. „Sie müssen erst mal lernen, dass Wasser an sich keine Bedrohung ist“. Einzelne seien durchaus traumatisiert durch die Flucht übers Mittelmeer.

Einige schaffen das Seepferdchen

Eher spielerisch bekommen die Kinder Kontakt zum Wasser, in der Regel sind sie in kurzer Zeit begeistert von der Zeit im Rotenburger Waldschwimmbad. „Mehrere haben schon das Seepferdchen geschafft, einer sogar mal das Bronzeabzeichen“, erzählt Weidner-Jäger weiter.

Sie war erste Ansprechpartnerin für David Kiefer, den Ehrenamtskoordinator der Diakonie in der Erstaufnahmeeinrichtung. „Der Schwimmverein ist eine große Unterstützung für uns“, sagt er. Die jungen Trainer seien mit großem Engagement bei der Sache. Dieser Einsatz für die Flüchtlingskinder sei nicht selbstverständlich. 

Die Konstellation ist ohnehin glücklich: In den Ferien haben die Trainer Alexander Demm, Julia Weiffenbach, Cathleen Dropp und auch Jutta Weidner-Jäger Zeit für diesen Sondereinsatz, weil der regelmäßige Übungsbetrieb nicht läuft.

Für die Kinder ist der Aufenthalt im Waldschwimmbad etwas Besonderes: Sie üben nicht nur Schwimmen und Spielen im Wasser, sondern nutzen auch die anderen Spielgeräte und haben eine unbeschwerte Zeit. „Es tut ihnen gut, auch mal aus der Einrichtung rauszukommen“, ist sich Jutta Weidner-Jäger sicher.

Vielen Kindern fehlt beim Schwimmen die Ausdauer

Am Ende des Kurses steht immer auch die Hoffnung, dass die Kinder mit ihren Eltern weiterhin ins Schwimmbad gehen und das Erlernte üben. „Nur Übung bringt Sicherheit“, weiß Weidner-Jäger, die seit Jahrzehnten in der Ausbildung und als Trainerin aktiv ist. Die Erfahrung zeige aber, dass nur einzelne Kinder nach dem Kurs wiederkommen.

Schwimmen sei mehr, als sich nur über Wasser halten zu können. Vielen Kindern – und da bezieht sich Weidner-Jäger auf alle Schwimmkurse – fehle es an Ausdauer. Auch die bekomme man nur durch regelmäßiges Üben. Allerdings habe das Interesse vieler Eltern am gemeinsamen Schwimmbadbesuch nachgelassen. Außerdem seien inzwischen die meisten Eltern berufstätig, sodass während der Woche einfach Zeit fehle für den Besuch des Waldschwimmbads.

Badebekleidung bekommen die Jungen und Mädchen aus dem Fundus der Kleiderkammer. Der Transport wird über den einrichtungseigenen Kleinbus organisiert. Außerdem helfen Dolmetscher, wenn Vorführen allein nicht ausreicht.

Quelle: HNA

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