Weltweite Impf-Kampagne

So kämpft eine Rotenburgerin mit Plastikdeckeln gegen Polio

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Mit gesammelten Kunststoffdeckeln gegen Kinderlähmung: Gabriele Behrend und Enkelsohn Fiete präsentieren einen Teil der bereits abgegebenen Deckel. 

Plastik ist einfach nur Müll? Weit gefehlt! Wer seine Deckel bei Gabriele Behrend in Rotenburg abgibt, hilft mit bei der Vorbeugung von Polio. 

Klein und bunt sind sie, und bereits 500 Stück helfen gegen Kinderlähmung: Die Rede ist von herkömmlichen Kunststoffdeckeln. Denn aus deren Erlös ermöglicht die Aktion „Deckel gegen Polio“ von Rotary Deutschland eine kostenlose Impfung für Kinder und Erwachsene gegen die unheilbare Krankheit.

Eine, die dem Projekt eine Annahme- und Lagerstelle für tausende Deckel zur Verfügung stellt, ist die Rotenburger Unternehmerin Gabriele Behrend. „Dass mit einer Kleinigkeit wie Kunststoffdeckeln so viel bewegt werden kann, hat mich motiviert, die Organisatoren zu kontaktieren“, sagt Behrend, die durch die Kindergärten ihrer Enkel auf die Aktion aufmerksam wurde. Ihrer Meinung nach das Beste daran: Egal ob Alleinstehender, Großfamilie, Kindergarten, Verein oder Unternehmen, jeder könne kostenlos daran teilnehmen.

Dass die Aktion gut angenommen wird, bewies erst kürzlich ein Verein aus dem Schwalm-Eder-Kreis, der 15 bis zum Rand gefüllte Säcke mit Plastikdeckeln bei Gabriele Behrends Gebäudeservice ablieferte. „Wir wissen bis heute nicht, um wie viele Deckel es sich überhaupt handelt“, scherzt die 52-Jährige. Seit acht Wochen bietet sie nun in Rotenburg und Melsungen eine Sammelstelle an und bisher geben ein bis zwei Personen pro Woche ihre Deckel ab.

„Es ist mir ein persönliches Anliegen, die Aktion noch bekannter zu machen“, sagt Behrend. Dabei kommt es ihr auch nicht darauf an, ob Menschen exakt 500 Deckel oder weniger zur Sammelstelle bringen. „Schon ein einziger Deckel kann dazu beitragen, das Leben eines anderen Menschen auf der Welt zu retten“, sagt die Rotenburgerin.

Abgegeben werden können herkömmliche Plastikdeckel von Wasserflaschen, Milchtüten, Saftpackungen oder Softgetränken. Nur eine Einschränkung gibt es: Die Deckel dürfen aus technischen Gründen nicht größer als vier Zentimeter sein. Nicht angenommen werden Metalldeckel und Kronkorken. Über den Verlust des Pfandes muss sich niemand sorgen, denn die Flaschen werden auch ohne Deckel angenommen, so lange das Pfandzeichen erkennbar ist.

Unterstützer können ihre Plastikdeckel beim Gebäudeservice Behrend in der Industriestraße 17 in Rotenburg und in Melsungen Am Markt 18 abgeben. Hier gibt es weitere Infos zur Aktion Deckel gegen Polio.

500 Deckel für eine Schluckimpfung

Für die Aktion „Deckel gegen Polio“ wird das Plastik beim Recycler zu Granulat zerkleinert. Daraus können wiederum Rohre, Gartenbänke und Kunststoffdeckel gefertigt werden. Für das Projekt werden ausschließlich Deckel gesammelt, weil sich das Material im Vergleich zur Flasche unterscheidet. Wenn beides abgegeben würde, würde der Recycler weniger bezahlen. Ein einzelner Deckel wiegt durchschnittlich zwei Gramm. 500 Deckel ergeben ein Kilogramm. Der Erlös dieser Menge deckt die Kosten einer Schluckimpfung von ungefähr 44 Cent.

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