Konstruktion aus Fachwerkbalken und österreichischer Gebirgslärche

Parklet statt Parkplatz: Erstes Terrassenmodul steht in Rotenburger Innenstadt

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Soll die Aufenthaltsqualität an der Breitenstraße erhöhen: Das erste Rotenburger Parklet, eine terrassenartige Verweilfläche, besteht aus echtem Fachwerk.

Nach langen Diskussionen um die sogenannten Parklets in Rotenburg steht die erste terrassenartige Verweilfläche nun auf einem ehemaligen Parkplatz in der Innenstadt. 

Unter den neugierigen Blicken zahlreicher Anwohner und Passanten hat die Zimmerei Hohmeister für die Marketing- und Entwicklungsgesellschaft (MER) am Freitagnachmittag an der Breitenstraße die erste von insgesamt zwei der terrassenartigen Verweilflächen aufgebaut.

Besonders stolz ist Stadtplaner Fabio Di Muro von der MER auf die Optik des Parklets. Mit echten Fachwerkbalken ausgestattet, passe die barrierefrei zugängliche Holzkonstruktion hervorragend zum Stadtbild. Das zwölf Quadratmeter große Parklet befindet sich auf Höhe der Eisdiele Cristallo und des Bücher-Outlets am Straßenrand – bislang war dort ein Parkplatz.

Terrasse soll die Aufenthaltsqualität erhöhen

„Mit dem Parklet geben wir Rotenburg ein Stück öffentlichen Raum wieder“, erklärt Di Muro die Idee des Projekts. Ziel sei es, mit der Terrasse die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu erhöhen. Mit diesem Plan hatte sich die MER auch beim Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“ beworben und im April 12 000 Euro zweckgebunden für zwei Parklets an der Breitenstraße gewonnen.

Das zweite soll Ende August auf Höhe von Intersport Schild, 70 Meter weiter westlich, errichtet werden. Wie genau das dann aussehen soll, möchte der Stadtplaner noch nicht verraten. Fest steht jedoch schon, dass es auf dieser Fläche dann auch Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geben soll – eine Idee, für die sich viele Rotenburger bei der Vorstellung des Projekts beim Tag der Städtebauförderung im Mai ausgesprochen hatten.

Fachwerk aus dem Fuldatal und österreichische Gebirgslärche

Insgesamt – mit Planung, Material, Aufbau und künftig geplanten Veranstaltungen – kosten die beiden Holzkonstruktionen 20 000 Euro. Wie lange die beiden Parklets stehen bleiben, ist noch nicht klar. „Konstruiert sind sie allerdings so, dass sie mehrere Jahre halten“, sagt Zimmermeister Jörg Hohmeister, Inhaber des gleichnamigen Zimmereibetriebes aus Bebra. Die Terrassenmodule bestehen aus österreichischer Gebirgslärche, die Fachwerkbalken sind nach Angaben von Hohmeister 300 Jahre alt und stammen aus dem Fuldatal. 

Beim Aufbau: Zimmermeister Jörg Hohmeister (links) und Fabio Di Muro von der MER.

„Durch das Fachwerk ist die Konstruktion äußerst stabil, womit ausreichender Schutz gewährleistet wird“, sagt der 41-Jährige, der in Rotenburg aufgewachsen ist. Ein weiterer Vorteil der Konstruktion: Sie ist mobil und wiederverwendbar. „Wenn bei einem Fest der Platz benötigt wird, sind die Parklets schnell abbaubar.“ Genutzt wird das erste Parklet vorerst von der angrenzenden Eisdiele und dem Büchergeschäft gemeinsam. „Es bleibt aber Eigentum der Stadt und somit der Bürger“, betont Fabio Di Muro.

Ohnehin sollen auf der Fläche künftig verschiedene Aktionen stattfinden. Los geht es mit einem Spielenachmittag der Bürgerhilfe am Donnerstag, 8. August, von 14 bis 16.30 Uhr und einer Batik-Aktion für Kinder am Samstag, 10. August, ab 14 Uhr. Denkbar seien aber auch Ausstellungen und Präsentationen, etwa von Einzelhändlern und Vereinen.

Hintergrund: Die Idee für Parklets stammt aus San Francisco

Für den aus dem Englischen kommenden Begriff Parklet gibt es noch keine Eins-zu-Eins-Übersetzung ins Deutsche. Unter Parklets versteht man Aufenthaltsflächen auf ehemaligen Parkplätzen, die mithilfe von verschiedenen Aufbauten wie einer Terrasse, einer Bank oder Pflanzen den Menschen mehr öffentlichen Raum zur Verfügung stellen. 

Die Idee stammt aus den USA. Das erste Parklet wurde 2013 in San Francisco (Kalifornien) aufgestellt. Auch hierzulande gibt es bereits zahlreiche Parklets. Das erste Exemplar in Deutschland war das Ergebnis eines Forschungsprojekts von Studenten in Stuttgart vor vier Jahren. 

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