Sensible Bürgerdaten

Landkreis und Städte sehen sich gut gerüstet gegen Hacker-Angriffe

Datensicherheit wird für Kommunen immer wichtiger: Allein im vergangenen Jahr musste der Landkreis Hersfeld-Rotenburg vier Spam- und Phishingwellen abwehren. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg. Nach dem Hackerangriff auf die Bundesregierung machen sich auch viele Menschen in unserer Region Gedanken um die Sicherheit ihrer persönlichen Daten. Sind Adressen, Steuerdaten und Co. auf den Servern im Landkreis noch sicher?

Wir haben im Landratsamt und in den Rathäusern in Bad Hersfeld, Bebra und Rotenburg nachgefragt, was sie für den Schutz der teils sehr sensiblen Bürgerdaten tun.

„Von Angriffen sind wir bislang verschont geblieben“, sagt Dirk Herrmann, Sprecher des Landkreises Hersfeld-Rotenburg auf Anfrage unserer Zeitung. „Allerdings mussten wir im vergangenen Jahr vier Spam- und Phishingwellen abwehren.“ Um die Sicherheit der Daten zu gewährleisten, habe der Kreis 2017 allein für Schutz und Sicherheit der EDV und Server rund 72 000 Euro ausgegeben. In der EDV-Abteilung arbeiten sieben Mitarbeiter. Der Landkreis nutzt – neben eigenen Firewalls, Antivirussoftware-Programmen und anderen Netzwerkschutzsystem – auch die Sicherheits-Infrastruktur des Landes Hessen und der Firma Ekom21, einem auf kommunen spezialisierten IT-Dienstleister (siehe Hintergrund). Hermann: „Datensicherheit wird beim Landkreis großgeschrieben, schließlich liegen auf unseren Servern sensible und persönliche Daten der Bürger.“

Sicherheitssysteme auf dem neuesten Stand

Gegen Cyberangriffe gut gewappnet sieht sich auch die Stadt Rotenburg. „Unsere Daten sind sicher, unsere Sicherheitssysteme auf dem neuesten Stand“, sagt Thorsten de Weerd, der bei der Stadt für den Datenschutz zuständig ist. Rund 220 000 Euro investiere Rotenburg jährlich in die IT-Sicherheit inklusive Software, Lizenzen und Kosten für externe Dienstleister. „Seit 2017 sind wir auch dem Kommunalen Dienstleistungszentrum Cybersicherheit Hessen angeschlossen“, sagt de Weerd, „noch in diesem Jahr werden wir uns zertifizieren lassen, um nach außen zu zeigen: Wir sagen nicht nur, dass unsere Daten sicher sind, sondern sie sind auch wirklich sicher.“ Hackerangriffe habe es auf Daten der Stadt bislang nicht gegeben.

Auch auf die Server der Stadt Bebra sei kein Hackerangriff bekannt, sagt Johannes Wilhelm von der städtischen IT-Sicherheit. „Wir sind gut aufgestellt, haben stets die neuesten Systeme, erneuern regelmäßig unsere Softwarelizenzen und werden zusätzlich von einer Fachfirma aus Bad Hersfeld betreut“. Die Kosten nur für Virensoftware und Firewalls belasten den Stadthaushalt jährlich mit rund 3000 Euro, hinzu kommen weitere Kosten, beispielsweise für Wartung, Geräte und externe Beratung.

Und Bad Hersfeld? Selbstverständlich hat unsere Zeitung auch Bürgermeister Thomas Fehling Fragen zur IT-Sicherheit gestellt, etwa wie es um den Schutz der Daten der gut 30 000 Hersfelder Bürger bestellt ist, wie viel Geld die Kreisstadt für IT-Sicherheit ausgibt und ob das städtische Netz schon von Hackern attackiert wurde.

Fehling, der die Kreisstadt offensiv zu einer „Smart City“ weiterentwickeln will, weigerte sich allerdings, unserer Fragen beantworten: „Die Stadt Bad Hersfeld wird sich nicht zum Thema IT-Sicherheit äußern“, teilte er mit. 

Hintergrund

Daten von 5,3 Millionen Hessen

Beim größten kommunalen Dienstleistungsunternehmen in Hessen, Ekom21, sind die persönlichen Daten von 86 Prozent aller hessischen Einwohner, also von rund 5,3 Millionen Menschen, gespeichert. Allein das Einwohnermeldewesen von Ekom21 nutzen landesweit 382 Städte und Gemeinden. Ekom21 wehrt mehr als 30 Millionen Viren und Angriffe von Schadprogrammen pro Jahr ab. Am Hauptsitz in Gießen sowie in Kassel und Darmstadt beschäftigt der Dienstleister insgesamt 470 Mitarbeiter. (ses)

Kurz erklärt 

Da nicht jedem Leser die Welt der Computer komplett geläufig ist, erklären wir an dieser Stelle die im Artikel genannten Fachbegriffe:

 • Firewall: Die Firewall ist ein Sicherungssystem, das ein Rechnernetz oder einen Computer vor unerwünschten Netzwerkzugriffen schützt. 

• Hacker: Als Hacker werden Menschen bezeichnet, die sich unberechtigten Zugriff auf fremde Computer verschaffen. • IT: Informationstechnik

 • Phishing: Versuch, über gefälschte E-Mails und Internetseiten, persönliche Daten auszuspähen. • Server: Zentralcomputer, mit dem andere Computer verbunden sind. 

• Spam: Als Spam werden unerwünschte Nachrichten bezeichnet, die per Internet übermittelt werden. Sie können in Massen Rechner lahmlegen. (ses)

Von Sebastian Schaffner

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