Früher Schüler, jetzt der Hausherr im Schloss

Karl Jennemann ist neuer Direktor des Rotenburger Studienzentrums

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Freut sich auf seine Aufgabe als neuer Direktor: Karl Jennemann, hier im Auditorium, dem größten Hörsaal des Rotenburger Studienzentrums.

Das Rotenburger Studienzentrum platzt vor Anwärtern und Studenten aus allen Nähten. Damit ist die große Herausforderung für den neuen Direktor klar: Diesen Ansturm zu bewältigen.    

Als Karl Jennemann 1977 als Auszubildender für den mittleren Dienst der hessischen Steuerverwaltung nach Rotenburg kam, lernte und wohnte er im Schloss, in dem schon damals die Landesfinanzschule untergebracht war. Nun ist der gebürtige Marburger zum neuen Direktor des Studienzentrums der Finanzverwaltung und Justiz ernannt worden – und ist somit auch Hausherr im Schloss, das dem Land gehört. „Wenn ich darüber nachdenke, kann ich es selbst kaum glauben“, sagt der heute 58-Jährige und schmunzelt.

Während die Anzahl der Anwärter im mittleren Dienst Ende der 70er-Jahre in Rotenburg noch recht überschaubar war, platzt das Studienzentrum, zu dem die Landesfinanzschule und die Hessische Hochschule für Finanzen und Rechtspflege (HHFR) gehört, mittlerweile förmlich aus allen Nähten.

"Wir werden dauerhaft 1300 Studenten und Anwärter ausbilden"

Wenig überraschend antwortet Jennemann dann auch auf die Frage, was seine größte Herausforderung als neuer Direktor des Studienzentrums sein wird: „Die Bewältigung des Ansturms von Anwärtern und Studierenden.“ Schließlich muss er davon ausgehen, dass der Ansturm auf absehbare Zeit nicht weniger wird. „Wir werden dauerhaft rund 1300 Studenten und Anwärter in Rotenburg ausbilden“, sagt Jennemann, der zugleich zum Rektor der Hessischen Hochschule für Finanzen und Rechtspflege berufen worden ist. 

„Bis Mitte 2017 waren es über einen sehr langen Zeitraum nur die Hälfte.“ Ein Beispiel: „Früher hatten wir allein am Fachbereich Steuern der HHFR konstant 150 bis 200 Studierende“. Im Jahr 2017 seien es dann schlagartig 450 gewesen, derzeit sind es 500 und für 2019 erwartet er 550 Studenten.

Grund für den sprunghaften Anstieg seien die immer größer werdenden Herausforderungen der Digitalisierung an die verschiedenen Verwaltungen sowie der demografische Wandel. „In den kommenden Jahren gehen viele Kollegen in den Ruhestand.“

Herz- und Kreislaufzentrum wird ab Sommer zu eigenständigem Campus

Um diesem Ansturm gerecht zu werden, ist Kreativität gefragt. Gut 200 Studenten leben bereits im Herz-Kreislaufzentrum (HKZ). „Ab dem Sommer werden dort auch Lehrveranstaltungen stattfinden“, kündigt Jennemann an. „Das HKZ wird ab Sommer wie ein eigenständiger Campus sein.“ Eine weitere Aufgabe sieht er in der besseren Vernetzung der Lehrbereiche. „Bestimmte Fragestellungen aus dem Bereich Rechtspflege haben auch eine Bedeutung für die Finanzverwaltung“, sagt er. Zudem strebt er mehr Kooperationen mit heimischen Vereinen an, um das Freizeitangebot für die Studenten auszuweiten.

So groß die Herausforderungen auch sein mögen – Karl Jennemann, der sich selbst als zielstrebig bezeichnet, freut sich auf seine neue Aufgabe. Ohnehin kennt er sich am Studienzentrum aus und weiß, was ihn erwartet. Seit 2012 hat er unterschiedliche Funktionen übernommen, zuletzt leitete er den Fachbereich Steuer. „Die Lehre lag mir schon immer sehr am Herzen“, sagt er. „Schon als ich noch Anwärter im Rotenburger Schloss war, habe ich den Wunsch verspürt, irgendwann selbst einmal Dozent zu werden.“ Diesen Wunsch hat er sich durchaus erfüllt.

Viele Anwärter leben an teils extra für sie angemieteten Standorten

Unter dem Dach des Studienzentrums der Finanzverwaltung und Justiz sind vier Einrichtungen angesiedelt: die Hessische Hochschule für Finanzen und Rechtspflege (früher Verwaltungsfachhochschule), die Landesfinanzschule Hessen mit Sitz im Rotenburger Schloss, die Ausbildungsstätte für den mittleren Justizdienst sowie die Zentralverwaltung. Gegründet wurde das Studienzentrum im Januar 2006. Seinen Sitz hat das Zentrum an der Josef-Durstewitz-Straße. 

Für das Rotenburger Stadtbild prägend und von Weitem sichtbar ist das 13-stöckige Hochhaus, in dem die hessische Landesverwaltung seit 1973 aus- und fortbildet. 1978 bekam das Hochhaus einen Anbau, in dem sich noch heute das Auditorium – der größte Hörsaal – und ein Freizeitbereich mit Sporthalle, Schwimmbad und Kegelbahn befindet. Nach einer Erweiterung und einer Modernisierung im Jahr 2005 stehen im Hauptgebäude und drei Nebengebäuden des Studienzentrums 590 mit Dusche und WC ausgestattete Einzelzimmer, insgesamt 30 Lehrsäle, eine Bibliothek sowie eine Cafeteria zur Verfügung. 

Da die Studentenzahlen in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen sind, leben zahlreiche Anwärter auch an anderen, teils extra dafür angemieteten Standorten wie dem Herz-Kreislaufzentrum, der BKK-Akademie sowie dem Kreisjugendhof.

Zur Person

Karl Jennemann (58) ist neuer Direktor am Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz in Rotenburg. In der Fuldastadt hat seine berufliche Karriere auch begonnen: Nach einem Studium zum Diplom-Finanzwirt an der Rotenburger Verwaltungsfachhochschule studierte er Rechtswissenschaften an der Universität seiner Heimatstadt Marburg. 

In der Folge arbeitete er in Gotha, am Finanzamt Hersfeld-Rotenburg sowie als Dozent am Studienzentrum in Rotenburg, ehe er in die Steuerabteilung des Hessischen Finanzministeriums wechselte. Seit Juli 2012 ist Karl Jennemann wieder am Studienzentrum tätig, zuletzt als Leiter des Fachbereichs Steuer. Karl Jennemann ist fußballbegeistert, fährt in seiner Freizeit Fahrrad und geht gerne in die Oper und auf Musikkonzerte. 

Er lebt in der Nähe von Marburg und ist mit einer Grundschullehrerin verheiratet. Das Ehepaar hat zwei Töchter (17 und 20 Jahre). In seiner Heimat engagiert sich Jennemann als Stadtverordneter für die Freie Wählergemeinschaft.

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