Rekordzahl an Studierenden

Enge im Rotenburger Studienzentrum: SPD schlägt Standort Kaserne vor

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Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge: die ehemalige Alheimer-Kaserne in Rotenburg

Rotenburg. In der Rotenburger Alheimer-Kaserne, wo jetzt Flüchtlinge leben, sollen künftig Finanzbeamte ausgebildet werden. Dazu hat die SPD-Fraktion eine Resolution vorgelegt. 

Grund für die Initiative ist die Platznot am Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz. Die Sozialdemokraten möchten ihre Resolution per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung der Stadtverordnetensitzung bringen. Das Parlament tagt heute, Donnerstag, ab 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Die SPD möchte dafür sorgen, dass sich die Lage der Studierenden sowie die Parkplatzsituation in der Stadt entspannen, erklärte Fraktionsvorsitzender Sebastian Münscher.

Das Land hat 700 Anwärter, darunter 500 Studierende, eingestellt, die in Rotenburg ausgebildet werden. Aufgrund des Platzmangels werden fünf Lerngruppen, also 142 Studierende, in Frankfurt unterrichtet. Bereits im vergangenen Jahr hatten über 450 junge Frauen und Männer ihr Studium im gehobenen Dienst des Fachbereichs Steuer aufgenommen. Die Studierenden werden auch im Herz- und Kreislaufzentrum, in der BKK-Akademie, im Kreisjugendhof und in Hotels untergebracht.

Etwa 250 Geflüchtete sind in der Regel in der Alheimer-Kaserne untergebracht, gibt Thomas Baader an. Er ist Leiter der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung. Ab September soll sich die Zahl nach Schließung der Einrichtung in Darmstadt erhöhen.

Der Ansturm von Studierenden und Anwärtern im mittleren Dienst im Bereich Finanzverwaltung und Justiz, der bereits im vergangenen Jahr für Rekordzahlen in Rotenburg gesorgt hatte, hält unvermindert an. Allein in der Steuerverwaltung wurden 200 neue Anwärter im mittleren Dienst sowie 500 Studierende im gehobenen Dienst eingestellt. 2019 sollen erneut 700 folgen. Danach geht man von einem Rückgang der Zahlen aus. Die Studierenden bekommen in Rotenburg Blockunterricht und arbeiten ansonsten in hessischen Finanzbehörden. Der Platzmangel ist groß. 

Auch Jugendhof ist Unterkunft

Insgesamt müssen 1038 Männer und Frauen untergebracht werden. An den Standorten Schloss und Verwaltungsfachhochschule gibt es 760 Betten, teilte das Finanzministerium auf Anfrage mit. Kreis und Stadt bemühen sich, bei der Unterbringung der Studenten zu helfen. Der Kreisjugendhof in Rotenburg hat Buchungen von verschiedenen Gruppen storniert, weil seine Räumlichkeiten von Januar bis Juni 2019 und von August bis Dezember 2019 komplett vom Studienzentrum benötigt werden. Das bestätigte Kreis-Pressesprecher Pelle Faust.

 Den Gruppen sei ein Aufenthalt in der Rotenburger Jugendherberge angeboten worden. Tagesveranstaltungen ohne Übernachtung sowie einzelne Belegungen übers Wochenende seien weiter möglich. Die Stadt hat den Festplatz an der Fulda als zentralen Parkplatz zur Verfügung gestellt. 

Bereits im vergangenen Jahr wurde über verschiedene Lösungen für das Platzproblem nachgedacht. Auch die Nutzung der ehemaligen Alheimer-Kaserne war ins Gespräch gebracht worden, weil sie eine gute Infrastruktur hat und die Zahl der Flüchtlinge dramatisch zurückgegangen war. Auch Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald hatte in seiner Haushaltsrede im Januar den Vorschlag aufgegriffen. Im Finanzministerium wird darüber aktuell jedoch nicht nachgedacht, hieß es am Mittwoch auf Anfrage. Die Kapazitäten reichten aus.

 Die SPD hatte das Thema aufgrund der Raumnot erneut aufgegriffen. Allerdings: Im September wird die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Darmstadt aufgelöst, dann sollen die besonders schutzbedürftigen Geflüchteten nach Rotenburg verlegt werden, berichtete Einrichtungsleiter Thomas Baader. Zu diesen Schutzbedürftigen gehören vor allem Schwangere und allein reisende Frauen mit und ohne Kindern sowie traumatisierte Frauen. Die Rotenburger Einrichtung war ohnehin schon Anlaufstelle für Menschen mit besonderem medizinischen und pflegerischem Bedarf. Traumatisierte Frauen werden über ein neues, besonderes Konzept betreut. Schon jetzt arbeiten die Rotenburger mit dem psychosozialen Zentrum in Kassel zusammen, sagte Baader weiter. In Hessen gibt es aktuell 1934 Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen. In Rotenburg werden es ab Freitag etwa 250 sein.

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