Prozess in Fulda

Berufungskammer bestätigt Urteil: Todesfahrer von Rotenburg muss hinter Gitter

Der Todesfahrer von Rotenburg muss ins Gefängnis: Die Fuldaer Berufungskammer hat das Urteil des Amtsgerichts Bad Hersfeld bestätigt. 

Mit der Verhängung einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten bestätigte die 4. Strafkammer des Fuldaer Landgerichts unter Vorsitz von Richter Joachim Becker in der Berufung des Angeklagten das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Bad Hersfeld.

Dort war der 31-jährige Sozialversicherungsfachmann aus Euskirchen bereits wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung, wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs, falscher Verdächtigung und tätlichen Angriff auf einen Polizisten zu einer Haftstrafe verurteilt worden, deren Höhe eine Aussetzung zur Bewährung nicht zugelassen hatte.

Verminderte Schuldfähigkeit wegen Alkohol- und Cannabis-Konsum

Zwar attestierte die Kammer dem Angeklagten aufgrund seiner hohen Alkoholisierung – maximal 2,1 Promille – und der mehrfachen Überschreitung des Grenzwerts für den Cannabis-Wirkstoff THC eine erhebliche Einschränkung der Steuerungsfähigkeit und damit auch eine verminderte Schuldfähigkeit, doch weitere Milderungsgründe fanden der Vorsitzende und die beiden Schöffen offenbar nicht.

Zur Überzeugung der Kammer stand fest, dass der Euskirchener nach dem Zechgelage mit einem Kollegen am Steuer seines Mercedes saß, als dieser am Morgen des 3. Februar 2018 mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in der 30 km/h-Zone der Straße „Am Alten Feld“ in Rotenburg auf die Gegenfahrbahn geriet und dort mit dem Pkw einer 49-jährigen Frau kollidierte, die wenig später ihren schwersten Verletzungen erlag. 

Todesfahrer beschuldigte zunächst seinen Beifahrer

Der Todesfahrer, der den Unfall unbeschadet überstand, hatte anschließend gegenüber der Polizei seinen Kollegen beschuldigt, am Steuer des Mercedes gesessen zu haben. Auch widersetzte sich der Angeklagte im Krankenhaus unter Beleidigungen der Blutentnahme.

Gericht vermisste ein eindeutiges Bekenntnis zur Tat

In ihren Annahmen stützte sich die Kammer auf das DNA-Gutachten und die Rekonstruktion des Unfalls durch einen Sachverständigen der Dekra. Im Berufungsverfahren hatte der Anwalt des Angeklagten die Sachverständigen scharf attackiert. Ihr Ziel einer Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann, hatte die Verteidigung mit dem Angebot eines Täter-Opfer-Ausgleichs bekräftigt. Dieser Schritt kam nach Ansicht der Kammer jedoch zu spät. Auch vermisste das Gericht ein eindeutiges Bekenntnis des Angeklagten zur Tat.

Staatsanwalt Andreas Hellmich hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten beantragt. Zwar blieb der Versuch eines Täter-Opfer-Ausgleichs im Todesfahrer-Prozess erfolglos, doch grundsätzlich ist diese Art von Verständigung und Wiedergutmachung ein Instrument, das dem Täter im besten Fall sogar eine Strafe ersparen kann. 

Es reicht jedoch nicht, lediglich ins Portemonnaie zu greifen (im vorliegenden Fall ging es um 8000 Euro, von denen 2000 sofort bar ausgezahlt wurden), sondern es geht auch um zeitnahe Kontaktaufnahme und erkennbare Reue.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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