Keine Schwangerschaftsabbrüche in der Region möglich

Zur Abtreibung müssen Frauen bis nach Kassel

Hersfeld-Rotenburg. Viele Frauen, die sich in Nordhessen für eine Abtreibung entscheiden, müssen dafür eine lange Fahrt nach Kassel in Kauf nehmen.

Etwa 180 ungewollt schwangere Frauen im Kreis Hersfeld-Rotenburg suchen im Jahr die Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle von Pro Familia in Bad Hersfeld auf. Doch wer sich für einen Abbruch entscheidet, muss eine längere Fahrt auf sich nehmen: Im Kreis Hersfeld-Rotenburg zum Beispiel werden nur medizinisch begründete Abbrüche vorgenommen.

Pro Familia, so berichtet Geschäftsführerin Maren Colton, gibt den Frauen, die auch nach einer Beratung einen Schwangerschaftsabbruch wünschen, eine Liste mit Praxen oder Tageskliniken, in denen sie Hilfe bekommen können.

Wichtig sei dabei, dass die Frauen dort erfahrungsgemäß gut behandelt und in ihrer Entscheidung akzeptiert würden. Die meisten Frauen führen zu Tageskliniken nach Kassel. Denn in den direkten hessischen Nachbarkreisen würden ebenfalls keine Abbrüche vorgenommen.

„Man hört höchstens einmal hinter vorgehaltener Hand von Ärzten, die Abtreibungen vornehmen“, sagt Maren Colton, die beklagt, dass Schwangerschaftsabbrüchen wieder ein „Schmuddelimage“ angeheftet werde. Ärzte befürchteten Aktionen militanter selbst ernannter „Lebensschützer“ oder unter den derzeit wieder stark umstrittenen Paragrafen 219a (Werbung für Abbrüche) zu fallen, wenn sie sich offen zu ihrer medizinischen Hilfe bekennen.

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Im Klinikum Bad Hersfeld werden seit etwa fünf Jahren keine Abbrüche mehr vorgenommen, es sei denn, das Leben der Schwangeren sei durch die Fortsetzung der Schwangerschaft bedroht, erklärte Sprecher Werner Hampe auf Anfrage. Man beruft sich auf den Paragrafen 12 des Schwangerschaftkonfliktgesetzes, nach dem niemand verpflichtet ist, an einem Abbruch mitzuwirken. „Es handelt sich um eine Gewissensentscheidung jedes einzelnen Arztes. Es gibt keine Anweisung dazu. Aber das Ärzteteam ist sich einig“, sagte Hampe.

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hatte die Staatsanwaltschaft Kassel im März Anklage gegen zwei Frauenärztinnen erhoben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: Kein Kompromiss bei Werbeverbot für Abtreibungen

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Foto: Boris Roessler/dpa

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