Kampf gegen Pocken

Rotenburger Dr. Bernhard Faust warb früher schon mit Brezeln fürs Impfen

Ein Denkmal erinnert an den medizinischen Visionär: Dr. Bernhard Christoph Faust vor dem Kreiskrankenhaus in Rotenburg. Nach ihm wurde auch die Sporthalle an der Jakob-Grimm-Schule benannt.
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Ein Denkmal erinnert an den medizinischen Visionär: Dr. Bernhard Christoph Faust vor dem Kreiskrankenhaus in Rotenburg. Nach ihm wurde auch die Sporthalle an der Jakob-Grimm-Schule benannt.

Schon Ende des 18. Jahrhunderts hat der gebürtige Rotenburger Dr. Faust im Kampf gegen die Pocken Belohnungen verteilt.

Rotenburg – Wie wär’s mit einer leckeren Belohnung für diejenigen, die sich gegen Corona impfen lassen? Thüringen hat das mit Bratwurst versucht – mit bekannt geringem Erfolg. Eine süße Belohnung hat dagegen schon Ende des 18. Jahrhunderts dafür gesorgt, dass Kinder gegen Pocken geimpft wurden. Ein berühmter Sohn Rotenburgs hat diesen Brauch an seinem damaligen Wohn- und Arbeitsort Bückeburg eingeführt: Dr. Bernhard Christoph Faust.

Ein Visionär

Die im Geschichtsverein Altkreis Rotenburg engagierte Doris Lemke hat im Zuge der Corona-Impfdebatte erneut auf das Wirken des Arztes hingewiesen. Der hatte nicht nur einen Gesundheitskatechismus für Kinder veröffentlich und sich damit als Visionär erwiesen, sondern er befasste sich auch mit den Seuchen der damaligen Zeit und Edward Jenners erfolgreicher Entwicklung des Impfstoffs gegen die Pocken.

Impfstoff an sich selbst getestet

Faust testete den Impfstoff an sich selbst. Als er von dessen Unbedenklichkeit überzeugt war, begann er, so geht es aus verschiedenen Quellen hervor, mit der Impfung von Kindern. Die bekamen zur Belohnung für den ertragenen Schmerz einen süßen „Krengel“, eine Brezel. Bückeburg, die Wahlheimat des Rotenburger Arztes, feiert noch heute alle zwei Jahre das Krengelfest.

Haus abgebrannt

Der Mediziner wurde 1755 in einem zwischenzeitlich abgebrannten Haus an der Weingasse geboren. Schon sein Vater war Arzt. Nach seinem Studium in Kassel, Göttingen und Rinteln praktizierte er von 1777 bis 1785 in Rotenburg, dann in Altmorschen und Vacha. 1788 folgte er einer Berufung als Leibarzt der Fürstin Juliane von Schaumburg-Lippe nach Bückeburg. Dort setzte er sich besonders für die hygienische und medizinische Erziehung der gesamten Bevölkerung, auch der armen, ein.

Arzt ließ Sportplatz einrichten

In seinem weit verbreiteten Gesundheitskatechismus erläutert er Laien in einfacher Sprache das hygienische Wissen um Kleidung, Körperpflege und Ernährung sowie sogar die Bedeutung von Bewegung an frischer Luft. Schon 1816 hatte der rührige und dem Geist der Aufklärung zugeneigte Arzt einen Sportplatz in Bückeburg einrichten lassen, schreibt die verstorbene Rotenburger Heimatforscherin Lilli Möller.

Großsporthalle trägt seinen Namen

Deshalb ist auch sein Name für die städtische Großsporthalle neben der Jakob-Grimm-Schule gewählt worden. Auf dem Sportplatz in Bückeburg wurde mit Wettspielen und süßem Backwerk das Krengelfest gefeiert.

Reform der Hebammenausbildung

Dr. Bernhard Faust hatte sich außerdem für eine Reform der Hebammenausbildung eingesetzt und sorgte bereits im 19. Jahrhundert für die Verteilung von Erste-Hilfe-Päckchen an die Bückeburger Soldaten, schreibt Lilli Möller. Der Mediziner starb 1842.
(Silke Schäfer-Marg)

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