Was wird aus den Ortskräften?

Kein Platz für Evakuierte: Wohnungen für gerettete Afghanen in Hersfeld-Rotenburg fehlen

Die Bundeswehr hatte in den vergangenen Wochen neben deutschen Staatsbürgern auch zahlreiche afghanische Ortskräfte evakuiert. Unser Foto zeigt ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe am Fliegerhorst Wunstorf bei Hannover.
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Die Bundeswehr hatte in den vergangenen Wochen neben deutschen Staatsbürgern auch zahlreiche afghanische Ortskräfte evakuiert. Unser Foto zeigt ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe am Fliegerhorst Wunstorf bei Hannover.

Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg bereitet sich mit Hochdruck auf die Aufnahme von evakuierten afghanischen Ortskräften und ihren Familienangehörigen vor.

Hersfeld-Rotenburg - „Wir haben dabei allergrößte Probleme, denn es gibt so gut wie keine freien Wohnungen“, berichtet Sozialdezernentin Elke Künholz. Zur Not müsse man auf Pensionen zurückgreifen, denn auch Sammelunterkünfte stünden kaum zur Verfügung. Die Einrichtung am Bad Hersfelder Wehneberg wurde gekündigt. Die geplante neue Unterkunft am Europa-Kreisel sei noch vom Jobcenter belegt und müsse zunächst umgebaut werden, so die Erste Kreisbeigeordnete.

Derzeit sind aber auch noch keine evakuierten Afghanen im Kreis Hersfeld-Rotenburg eingetroffen, teilt das federführende Regierungspräsidium Darmstadt mit. In Hessen werden derzeit 21 Ortskräfte mit Familienangehörigen – insgesamt 106 Menschen – mit einer sogenannten Aufnahmezusage betreut, erklärt RP-Sprecherin Nina Lipp auf Anfrage.

Elke Künholz, Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Hersfeld-Rotenburg

Wie viele von ihnen letztlich nach Hersfeld-Rotenburg kommen, könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden, da es sich bei der Zuweisung um eine Quotenverteilung unter Berücksichtigung der familiären Bindungen und sonstige humanitäre Gründe handelt, sagt die Sprecherin. Hinzu kämen weitere afghanische Staatsangehörige, die keine Ortkräfte waren und deshalb einen Asylantrag stellen. Sie würden zunächst in den Hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht. Die Rotenburger Alheimerkaserne steht dafür nicht mehr zur Verfügung, weil dort die Bundespolizei eingezogen ist.

Die sogenannten Ortskräfte, die in Afghanistan die Bundesrepublik etwa als Dolmetscher oder Hilfskräfte unterstützt haben, kommen zumeist mit ihren Familien. Der Kreis will deshalb an der „dezentralen Unterbringung“ in Wohnungen statt Sammelunterkünften, festhalten, sagt Elke Künholz (SPD). „Dieses Verfahren hat sich für uns bewährt, bei uns im Kreis gab es vergleichsweise nur ganz vereinzelt Konflikte“. Bislang beziehen 176 Menschen aus Afghanistan Unterstützungsleistungen vom Kreis.

Von Kai A. Struthoff

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