Der erste Wähler kam um kurz nach sieben

Tinte, Brille, Zeitumstellung: Der Wahlsonntag im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Die Auszählung hat begonnen: Die Wahlhelfer (von links) Reiner Hartmann, Jens Bittorf, Sebastian Exner, Stefan Marc, Andrea Exner, Christiana Benedikt und Horst Graf zählen in der Bad Hersfelder Linggschule die Stimmen aus. Der erste Wähler kam morgens um fünf vor Acht, der letzte war um zehn vor Sechs im Wahllokal.Foto: Björn Friedrichs
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Die Auszählung hat begonnen: Die Wahlhelfer (von links) Reiner Hartmann, Jens Bittorf, Sebastian Exner, Stefan Marc, Andrea Exner, Christiana Benedikt und Horst Graf zählen in der Bad Hersfelder Linggschule die Stimmen aus. Der erste Wähler kam morgens um 7.55 Uhr, der letzte war um zehn vor Sechs im Wahllokal.

Hersfeld-Rotenburg. Wann herrscht Hochbetrieb an der Wahlurne? Was halten die Ludwigsauer von ihrem neuen Wahlkreis? Und vor allem: Wer hat nicht an die Zeitumstellung gedacht?

Wir haben gestern bei einer Tour durch die Wahlkreise Hersfeld und Rotenburg Eindrücke in den Wahllokalen gesammelt.

Cornberg, 9.50 Uhr: Im Cornberger Feuerwehrgerätehaus spielt der Personalausweis keine große Rolle, hier läuft alles über die Gesichtserkennung – jeder Besucher im Wahllokal wird mit Namen begrüßt. Allerdings hat Wahlhelferin Beatrix Griese vorübergehend Mühe damit, die Unterlagen vor sich zu lesen – sie hat ihre Brille an eine Wählerin verliehen, die ihre Lesehilfe zu Hause gelassen hat. „Um Punkt acht stand der Erste auf der Matte“, sagt Griese und beschreibt dann, wie der Mann den ersten Platz mit in die Höhe gereckten Armen feierte. So schön kann Wählen sein.

Wahllokal-Tour: So lief die Landtagswahl im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Weiterode, 10.50 Uhr: „Vor allem von älteren Wählern kommt die Rückmeldung: Das sind zu viele Kreuzchen“, sagt Wahlhelfer Andreas Schweitzer. Passend dazu kommt ein Herr vorbei und kommentiert: „Ist denn genug Tinte da für die ganzen Kreuze hier?“ Der Grund für die Zusatzarbeit in der Wahlkabine: Hessen stimmt nicht nur über einen neuen Landtag, sondern auch per Volksentscheid über Änderungen an der Verfassung ab.

Auch Marvin Schade und Kyra Rink wählen beim Obst- und Gartenbauverein in Weiterode: Die 20-Jährigen sind Zweitwähler, ihr erstes Kreuz haben sie bei der Bundestagswahl 2017 gemacht. „Wählen ist ein Recht, das man nutzen sollte“, sagen sie.

Zweitwähler auf dem Weg zum Wahllokal: Kyra Rink und Marvin Schade haben ihre Stimme in Weiterode abgegeben.

Bebra, 11.40 Uhr: Die Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses der Eisenbahnerstadt hat die Zeitumstellung verpasst und zeigt trotzig 12.40 Uhr. Damit ist sie nicht allein: „Der erste Wähler stand um kurz nach sieben vor dem Rathaus“, sagt Wahlhelfer Jörg Brand. Auch Susanne Aguilera Delgardo hadert mit der Uhr – sie muss nach dem Abstecher ins Wahllokal schnell weiter zu einem Frisöreinsatz für Obdachlose in Kassel.

Die Zettel fallen: die Wahlhelfer Norbert Führer und Jörg Brand mit Susanne Aguilera Delgardo im Bebraer Rathaus.

Friedlos, 14.20 Uhr: In Friedlos herrscht Hochbetrieb: Nach dem Mittagessen ist bei vielen vor dem Wählen. Die Wahlkreisreform kommt im betroffenen Ludwigsau nicht gut an: Seit Dezember gehört die Großgemeinde nicht mehr zum Wahlkreis 11 (Hersfeld), sondern zum Wahlkreis 10 (Rotenburg). „Ich wähle seit 55 Jahren und kenne die Direktkandidaten nur vom Wahlplakat“, ärgert sich eine Wählerin. Ihr Mann zieht sie weiter: „Komm, Frau, wir stören hier die Amtshandlungen.“ Schülerin Isabel begleitet derweil ihre Mutter ins Wahllokal. Der Auftrag dafür kam von ihrem Politiklehrer.

Im Auftrag des Politiklehrers unterwegs: Isabel Heinz hat ihre Eltern Kerstin und Peter beim Wählen im Friedloser Bürgerhaus begleitet. Auf dem Arm hat sie Familienhündin Arielle.

Buchenau, 15.15 Uhr: Ortsvorsteher Frank Otter ist mit der Wahlbeteiligung in Buchenau zufrieden: „Wir sind bei 66 Prozent“, sagt er, auch viele junge Leute hätten gewählt. Aber: Auch in der Gemeinde Eiterfeld findet die Wahlreform keinen Anklang. Otter: „Wir wählen einen Volksvertreter im Wahlkreis Hersfeld, gehören aber zum Landkreis Fulda.“

Arzell, 16 Uhr: Ähnlich ist die Stimmung in Arzell. „Unsere Ansprechpartner sitzen in Fulda, wir fühlen uns abgesplittet von unserem Landkreis“, sagt Ortsvorsteherin Andrea Vogt. Die zuvor unbekannten Kandidaten aus Hersfeld hätten sich aber sehr engagiert gezeigt. Besonderen Einsatz können auch die Wähler in Arzell zeigen: Sophia Böttner ist für die ARD vor Ort und sammelt am Stand von Infratest dimap Stimmen für die 18-Uhr-Prognose des Senders.

Schwarzenhasel, 18 Uhr: Nachdem wenige Sekunden zuvor eine junge Frau noch schnell ihre Kreuze gemacht hat und nach einem kurzen Blick auf die Hochrechnung wird der Inhalt der Wahlurne auf vier zusammengerückte Tische gekippt. Das Zählen beginnt. Etwa zwei Stunden wird es dauern, schätzen die Wahlhelfer.

Los geht’s: Im Dorfgemeinschaftshaus Schwarzenhasel leeren Jörg Keßler (links) und Norbert Dräger um punkt 18 Uhr die Wahlurne – das Auszählen kann beginnen.

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