Totschlags-Prozess von Lispenhausen: Vor dem Fenstersprung ganz nah am Geständnis?

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Der Totschlags-Prozess wurde in Fulda fortgesetzt.

Fulda. Im Totschlags-Prozess von Lispenhausen ging es diesmal um den Fenstersprung des Angeklagten. Zu klären war, ob der 36-Jährige an diesem Tag kurz vor einem Geständnis war.

War der Beschuldigte an diesem Vormittag im vergangenen Oktober kurz davor, ein Geständnis abzulegen? Der vernehmende Kripo-Beamte hatte diesen Eindruck und wollte es mit seinem Kollegen auf einen letzten Versuch ankommen lassen. Doch dazu kam es nicht mehr: Der Familienvater öffnete ein Fenster und sprang aus dem 2. Obergeschoss in die Tiefe.

Der Tatort: In diesem Haus in Lispenhausen lebte die Ehefrau mit den Kindern.

Direkte Anzeichen, dass der 36-Jährige damals zugeben wollte, seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in deren Wohnung in Lispenhausen getötet zu haben, habe es nicht gegeben, erklärte der Kriminalpolizist jetzt im Zeugenstand vor dem Schwurgericht des Landgerichts Fulda. Dort muss sich der seinerzeit Beschuldigte und jetzige Angeklagte wegen Totschlags und schwerer Brandstiftung verantworten. Staatsanwalt Andreas Hellmich wirft ihm vor, die 33-Jährige im Streit erwürgt oder erdrosselt und anschließend das Wohnzimmer in Brand gesetzt zu haben. Dass nicht das Feuer ihren Tod verursacht hatte, war erst später entdeckt worden.

Seinen Fenstersprung, bei dem er sich krankenhausreif verletzte, hatte er mit seiner Verzweiflung nach extrem langen Fragerunden und dem vorläufigen Verlust seiner beiden Kinder begründet. Bis fast halb drei am Morgen war der 36-Jährige zunächst vernommen worden, ehe es nach einer schlaflosen Nacht in der Zelle weiterging. Als am Morgen die Vertreter des Jugendamtes die Inobhutnahme der Kinder veranlassten, habe er der Situation nur noch entfliehen wollen. Auch am Donnerstag im Gericht kamen ihm erneut die Tränen, als er die Situation erinnerte.

Der Kriminalpolizist verwahrte sich allerdings gegen die Unterstellung, Druck auf den Verdächtigen ausgeübt zu haben. Auch eine Bemerkung, dass er seine Kinder nie wiedersehen werde, sei nicht gefallen. Eine Bekannte und ein Pfarrer, die mit dem Angeklagten kurz nach dem Tod seiner Frau gesprochen hatten, schilderten seinen Zustand des Schocks und der Überforderung. Beiden war er damals nicht verdächtig vorgekommen, seine Trauer schien ihnen authentisch zu sein.

Wenig Erhellendes hatte der Hundeführer zu bieten, der über den Einsatz eines Spürhundes am Tatort berichtete. Dieser habe zwar das „Geruchsbild“ des Angeklagten aufgenommen, doch Angaben zu Zeit, Dauer des Aufenthalts und seinem Weg in und im Umfeld der Wohnung konnte er nicht machen. Auch die Frage, ob der Ruß im Wohnzimmer die Wahrnehmung des Tieres beeinträchtigt habe, war nicht zu beantworten.

Der Prozess wird heute mit einem Sachverständigen vom Landeskriminalamt fortgesetzt, der ein Gutachten zu DNA-Spuren erstellt hat.

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