Fuldaufer hat viel Potenzial

Stadtumbau: Rotenburger diskutieren Stärken und Schwächen bei Stadtrundgang

Großes Potenzial für Rotenburger und Touristen: Das sieht Landschaftsarchitekt Michael Herz (links) im Fuldaufer. Das erklärte er den Teilnehmern am Stadtspaziergang. Am alten Wehr, wo dieses Foto entstand, soll eine Bootsschleuse für Kanufahrer entstehen. Im Hintergrund das Schloss. Vorne rechts Dominikus-Hyazinth Stein, der das Projekt Stadtentwicklung in Rotenburg betreut.

Rotenburg. Der Startschuss der Bürgerbeteiligung am Stadtentwicklungskonzept für Rotenburg ist gefallen. Ein Spaziergang in der Stadt hatte etwa 40 Teilnehmer.

Sie diskutierten die Stärken und Schwächen sowie das Potenzial von Marktplatz, Breitenstraße, Schlosspark, Fuldaufer, Steinweg und Parkplatz Altes Amtsgericht.

Besichtigt wurde auch die Baustelle des künftigen Familienzentrums an der Weidenberggasse. Der Stadtumbau wird betreut von der NH Projekt Stadt, einer Tochter der Wohnstadt Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft.

Auf dem Marktplatz fehlen die öffentlichen Toiletten

Deren Projektleiter Dominikus-Hyazinth Stein bescheinigte gleich zu Beginn dem Marktplatz eine gute Aufenthaltsqualität, wenn es auch offenbar Probleme bei der Nachnutzung von historischen Gebäuden gebe.

Spaziergänger Ludwig Sauerwein nannte schon gleich ein großes Manko: fehlende öffentliche Toiletten. 

Torben Schäfer, Geschäftsführer der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft, fasste noch kurz die Pläne für das Haus Marktplatz 3 zusammen, das für drei Millionen Euro saniert werden soll bei einer Förderquote von 70 Prozent durch das Stadtumbauprogramm.

Die Breitenstraße hat ein Parkplatzproblem - Zuständig ist aber Hessen Mobil

Die Breitenstraße funktioniert als Einkaufsstraße noch ganz gut, befand Stadtplaner Stein. Allerdings gebe es Probleme mit dem Parkraum und dem starken Verkehr. Es könne wohl nur eine dritte Fuldabrücke Abhilfe schaffen, sie gehöre jedoch nicht zum Stadtumbauprogramm. 

Bürgermeister Christian Grunwald erinnerte an Überlegungen, den Bürgersteig im Bereich Breitenstraße 22 bis Obertor zu verbreitern, was jedoch nicht einfach zu realisieren sei. 

Die Breitenstraße ist auch Landesstraße. Zuständig ist Hessen Mobil. Eine weitere Fußgängerampel am Obertor sei wegen fehlender Frequenz nicht möglich.

Der Schlosspark ist beliebt, hat aber noch Luft nach oben

Den Schlosspark mögen alle, auch Landschaftsarchitekt Michael Herz. Verbesserungsvorschläge zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität gab es dennoch zuhauf:

Karlheinz Lies, Vorsitzender des Vereins Gemeinsam, regte als passionierter Radtourist an, eine Möglichkeit zu schaffen, das Rad beim Schlosspark anzuschließen, damit Touristen den Park unbeschwert zu Fuß erkunden können.

Einen Parkwächter, wie es ihn in früheren Zeiten gab, brachte Werner Petzner ins Spiel. Der könnte auch gegen Vandalismus einschreiten. Dagegen helfe vor allem eine hohe Besucherfrequenz, meinte dagegen Landschaftsplaner Herz. 

Weitere Projekte wie der geplante Schaukelwald im Bereich des früheren Minigolfplatzes könnten dazu beitragen.

Das Fuldaufer hat großes Potenzial 

Großes Potenzial für die Bewohner und die Touristen sieht der Landschaftplaner Herz im Bereich Fuldaufer, besonders bei Schleuse und Wehr. 

Logisch: Bei der Gestaltung muss man mit Elementen arbeiten, die Hochwasser trotzen oder schnell weggeräumt werden können. Die geplante Bootsrutsche für Kanuten könnte ein belebendes Element sein.

Schon jetzt wird das Gelände, das dem Bund gehört, gern von Schülern der Verwaltungsfachhochschule zum Entspannen genutzt.

Der Stadtumbau bietet auch Vorteile für Privatpersonen

Landschaftsplaner Herz berichtete, dass das Stadtumbauprogramm auch für private Grundstückseigner Chancen biete, zum Beispiel bei der Entsiegelung von Innenhöfen und Baumpflanzungen – wichtig für den Aspekt Klimaschutz.

Klares Votum: Die kleine Abfrage von Bürgermeister Christian Grunwald, ob der Steinweg, auf dem Bild der Bereich Steinernes Haus, für Autos dichtgemacht werden soll, bejahten praktisch alle Teilnehmer des Spaziergangs. Das Wann und Wie fielen nicht so eindeutig aus.

Die Mehrheit der Spaziergänger will keine Autos im Steinweg

Ein paar Regeln gleich zu Beginn: Autos dürfen auf dem Steinweg in Rotenburg mit maximal sechs Stundenkilometern rollen. Es herrscht Parkverbot. Geparkt wird, wenn der Schlüssel abgezogen wird und man das Auto verlässt. 

Halten ist lediglich erlaubt, wenn der Motor läuft und man nur kurz be- oder entlädt. Fußgänger dürfen mitten auf dem Weg laufen, es gibt keinen Fußgängerbereich, auch wenn die Steintröge dies suggerieren. 

So informierte Bürgermeister Christian Grunwald die Stadtspaziergänger. 

Und diese befürworteten mit breiter Mehrheit, die Straße für Autos dichtzumachen. Lieferverkehr sollte bis 9 Uhr erlaubt sein, um die ansässigen Geschäfte nicht zu beeinträchtigen, schlug beispielsweise Klaus Esche vor. Nur ohne Autos schaffe man eine gute Aufenthaltsqualität, meinte Ludwig Sauerwein.

Entlastung für Gastronomen könnte mehr Besucher bringen 

Wo man sich aufhält, könne sich auch Gastronomie erfolgreich ansiedeln. Eine höhere Besucherfrequenz stärke auch die bestehenden Geschäfte, sagte Grunwald und warb für die Idee, den Steinweg zur Verweilmeile umzugestalten. 

Ab wann und ab wo die Straße geschlossen werden soll, wurde weniger eindeutig abgestimmt. Manche hätten es gern sofort, andere erst nach der Umgestaltung. 

Spaziergänger Volker Willing regte an, den Rotenburger Gastronomen die Gebühr für die Außenbestuhlung zu erlassen. Sie bedeute eine hohe finanzielle Belastung und verhindere eine wettergerechte Außenbewirtung, weil Gastwirte die Stühle aus Kostengründen erst spät im Jahr stellten.

Was passiert mit dem Parkplatz Altes Amtsgericht?

Verkehrsdrehkreuz und Visitenkarte der Stadt (Stadtplaner Stein), vor allem aber kostenloser, innenstadtnaher Parkplatz – das ist der Parkplatz Altes Amtsgericht. Er soll nach Willen der Stadtverordnetenversammlung umgestaltet werden. 

Derzeit ist ein Bad Hersfelder Planungsbüro dazu mit einer Machbarkeitsstudie beschäftigt. Bürgermeister Christian Grunwald sagte: „Wir wollen hier kein weiteres Einkaufszentrum wie das Rotenburg Center auf der vollen Fläche bauen. Die Anzahl der Parkplätze soll erhalten bleiben und in ein Nutzungskonzept eingebunden werden.“ 

Im zentralen Innenstadtbereich von Rotenburg, in Alt- und Neustadt gebe es aktuell 1100 kostenlose Parkplätze. Eine schnelle Lösung wird es nach Einschätzung von Stadtplaner Stein nicht geben, weil zum Beispiel der Denkmalschutz bei der Gestaltung mitreden wird. 

Der Stadtplaner hält eine Leitbilddiskussion für notwendig: Alt- und Neustadt seien unterschiedlich geprägt, geklärt werden müsse, was den Steinweg künftig ausmachen soll.

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