Aktionstag am 8. September

So funktioniert Erste Hilfe: Selbstversuch beim DRK in Rotenburg

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Helfen den Ersthelfern: DRK-Ausbilder Lasse Ellenberger und Auszubildende Katrin Zimmer (linkes Foto) mit Übungspuppe Günther. Unser rechtes Bild zeigt Redakteur Clemens Herwig bei der Herzdruckmassage. 

Rotenburg. Der 8. September ist der Tag der Ersten Hilfe. Redakteur Clemens Herwig hat dazu einen Selbstversuch gemacht. 

Günther ist ein stoischer Typ. Er hat keine Arme, keine Beine. Er atmet nicht einmal mehr – und lässt die recht unbeholfenen Wiederbelebungsversuche gelassen über sich ergehen. Günther haben wir die Übungspuppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Rotenburg getauft. Er hat unseren Selbstversuch zum heutigen Tag der Ersten Hilfe gut überstanden. Der weltweite Aktionstag soll die Bedeutung von Nothilfe bei Unfällen ins Bewusstsein rufen. Wir haben getestet, wie viel Wissen vom Erste-Hilfe-Kurs zum Führerschein haften geblieben ist.

Die Ausgangslage

„Wer selbstsicher ist und sich im Notfall an den Hilfsbedürftigen herantraut, braucht auch keinen Erste-Hilfe-Kurs“, sagt Lasse Ellenberger. Er ist Ausbildungsleiter beim DRK-Kreisverband Rotenburg, und was er vermitteln will, ist: Hauptsache helfen. „Ich kann etwas falsch machen – diesen Gedanken muss man ausblenden“, sagt der 44-Jährige. Die Testperson ist ein Redakteur, der zuletzt vor mehr als zehn Jahren Kontakt mit Erster Hilfe hatte, als Teil des Pflichtprogramms zum Führerschein. Die Erinnerungen sind vage. Keine guten Voraussetzungen, um selbstsicher zu sein.

Helfen den Ersthelfern: DRK-Ausbilder Lasse Ellenberger und Auszubildende Katrin Zimmer (linkes Foto) mit Übungspuppe Günther. Unser rechtes Bild zeigt Redakteur Clemens Herwig bei der Herzdruckmassage. Fotos: Clemens Herwig/Alena Nennstiel

Die Aufgabe

Das Szenario im Übungsraum des DRK in Rotenburg: Günther liegt auf dem Boden und atmet nicht, wir sind die Ersten vor Ort – und sollen sein Leben retten. „Dann legen Sie mal los“, sagt Ellenberger. Etwas von der Checkliste für solche Notfälle scheint hängen geblieben zu sein: Erst mal wird das Warndreieck aufgestellt und die Weste angezogen – zumindest der Selbsterhaltungstrieb funktioniert. Blut ist nirgendwo zu sehen, das Erste-Hilfe-Set kommt nicht zum Einsatz.

Dann macht sich Unsicherheit breit: Wie ging das mit dem Reanimieren? Filmszenen von Schauspielern, die sich über ein Unfallopfer beugen und die Atmung prüfen, sind plötzlich präsenter als der Erste-Hilfe-Kurs vor vielen Jahren. So richtig sinnvoll ist das nicht, weil Günther, die Übungspuppe, natürlich nicht atmet. Aber: Durch Zufall ist es der richtige Schritt. Um die Atmung zu prüfen, muss der Kopf des „Verletzten“ in den Nacken gelegt werden. „Das ist wichtig“, kommentiert der Ausbilder.

Dann hilft auch Hollywood nicht: Günther braucht eine Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. “90 Prozent fragen sich: Wo muss ich drücken?“, sagt Ellenberger. Damit hat er wohl recht. Das Herz sitzt links – das scheint ein guter Startpunkt zu sein. Korrekt ist aber die Massage auf dem Brustbein. Mit durchgedrückten Armen wird die Brust bearbeitet. Beim Rhythmus ist Nachhilfe nötig – fünf Stöße und ein kräftiges Pusten in den Mund sind zu wenig. Der Ausbilder korrigiert: 30 Mal drücken, dann zweimal beatmen – und das, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Das Fazit

Vieles war Halbwissen oder verschwommene Erinnerung, aber: „Das war schon Erste Hilfe“, sagt Lasse Ellenberger. Was heißt, dass Günthers Überlebenschancen ohne unser Eingreifen schlechter gewesen wären. Es gehe vor allem darum, die Zeit zu überbrücken, bis die Profis da sind, sagt der Ausbilder. Die kommen allerdings nicht, wenn kein Notruf abgesetzt wird. Und das ist in der ganzen Aufregung untergegangen. Weil die Praxis fehlt.

Dabei ist es die Praxis, die zählt. Im Idealfall sollte der Erste-Hilfe-Kurs alle zwei Jahre aufgefrischt werden. Dass das nur selten passiert, weiß auch Ellenberger. Was schreckt am meisten ab? Die lang gepflegte Das-macht-ihr-falsch-Mentalität bei den Ausbildern, die Theorie und die Angst sich zu blamieren bei den Ersthelfer-Schülern, vermutet der Ausbilder. Auch deshalb hat das DRK sein Kursprogramm vor drei Jahren radikal umgestellt. Theoretischer Ballast wurde abgelegt, der Kurs verkürzt. „80 Prozent bringen die Leute schon mit, sie wissen es nur nicht“, sagt Ellenberger.

Stabile Seitenlage in vier Schritten

Schritt 1

Bei Bewusstlosigkeit droht Erstickungsgefahr, die stabile Seitenlage soll helfen. Zunächst wird der Kopf überstreckt, um die Atemwege freizuhalten. Der nähere Arm wird nach oben abgewinkelt.

Schritt 2

Das gegenüberliegende Bein wird aufgestellt. Die gegenüberliegende Hand wird an die Wange gelegt.

Schritt 3

Die bewusstlose Person wird auf die Seite gerollt. Dabei darauf achten, dass der Kopf nach hinten gelehnt bleibt.

Schritt 4

Der Körper stützt sich auf Arme und Beine. Der Mund ist leicht geöffnet sein, sodass Erbrochenes abfließen kann. Beim Warten auf die Profis Atmung sowie Herzschlag kontrollieren.

 

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