Matsch, Schotter, Schlaglöcher

Schlechte Wege für Radler im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Grob geschottert und glitschig bei Nässe, stark verschmutzt, mit tiefen Spurrillen, matschig oder Holperpiste – viele Radwanderwege im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind in einem beklagenswerten Zustand. Gerade für weniger geübte Fahrer besteht hier auch Unfallgefahr.
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Grob geschottert und glitschig bei Nässe, stark verschmutzt, mit tiefen Spurrillen, matschig oder Holperpiste – viele Radwanderwege im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind in einem beklagenswerten Zustand. Gerade für weniger geübte Fahrer besteht hier auch Unfallgefahr.

Verschlammte Unterführungen, zugewachsene Radwege, tiefe Spurrillen, teilweise unpassierbare Strecken: Radfahrer im Landkreis Hersfeld-Rotenburg müssen mit – teilweise gefährlichen – Herausforderungen kämpfen, selbst wenn sie auf ausgewiesenen Radwegen unterwegs sind.

Hersfeld-Rotenburg - Dort werden die Hinweise des ADFC nicht ignoriert, betont Martin Bode, Leiter des Fachbereichs Technische Dienste, der selbst ebenfalls viel mit dem Fahrrad unterwegs ist. Die Hinweise des Fahrradclubs seien allerdings häufig sehr kleinteilig. In einigen Punkten gebe es zudem unterschiedliche Ansichten bei Stadt und ADFC, erklärt Bode.

Das Problem ist nicht neu. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) mit Ansprechpartnern in Bad Hersfeld und Bebra weist seit vielen Jahren auf Missstände hin. Dieses Jahr werden sie durch das Waldsterben und die dadurch bedingten umfangreichen Forstarbeiten und auch durch das regnerische Wetter, das sowohl für feuchte, rutschige Wege, als auch für heftiges Wachstum bei Grünpflanzen sorgt, verstärkt. Grundsätzliches Problem ist, dass nur wenige der ausgewiesenen Fernradwege ausschließlich für Radfahrer und Fußgänger angelegt sind. In den meisten Fällen handelt es sich um Wirtschaftswege, die auch von der Land- und Forstwirtschaft genutzt und dementsprechend beansprucht werden, vor allem, wenn es sich um nicht asphaltierte Wege handelt. „Unser Ziel ist es, ein Radwege-Hauptnetz für den Kreis zu bekommen, wo 95 Prozent der Wege asphaltiert sind. Die kann man dann auch mit dem Rennrad oder dem Tourenrad befahren“, sagt Dr. Wolfgang Fehling, Ansprechpartner des ADFC für Bebra. Radfahrer sollten sich darauf verlassen können, dass Wege relativ sicher zu befahren sind.

Dabei haben sowohl Fehling als auch Martin Engel aus Bad Hersfeld nicht nur Sicherheit und Komfort für Freizeitradler und Radtouristen im Blick, sie sehen gute Radwege auch als wesentlich für die Verkehrswende, um Menschen zu ermutigen, das Fahrrad verstärkt im Alltag und für den Weg zur Arbeit zu nutzen. Die Aufgabe ist nicht einfach, weil so viele verschiedene Stellen beteiligt sind: die Städte und Gemeinden, der Forst, Hessen mobil, Privateigentümer und Landwirte. „Das ist eine Frage des politischen Willens“, sagt Martin Engel. Große Hoffnungen setze der ADFC deshalb auf den neuen Landrat Torsten Warnecke, der selbst begeisterter Radler ist.

Wer Verbesserungen bei den Radwegen erreichen will, braucht offenbar einen langen Atem. „Die Ortsgruppe Bad Hersfeld des ADFC hat in den vergangenen Jahren über 200 Meldungen auf der Meldeplattform der Internetseite radroutenplaner-hessen.de gemacht“, sagt Martin Engel. Passiert sei nur in wenigen Fällen etwas. „Da ist kein wirkliches Engagement feststellbar“, kritisiert er vor allem die Kreisstadt Bad Hersfeld.

Zuständig für alle Straßen, Wege und Plätze im Stadtgebiet sei grundsätzlich der Fachbereich Technische Dienste. Instandhaltungs- und Reinigungsarbeiten würden in Abhängigkeit von Dringlichkeit und personeller/maschineller Verfügbarkeit ausgeführt. Zuletzt sei man zum Beispiel damit beschäftigt gewesen, Markierungen im Innenstadtgebiet zu erneuern, um Fahrspuren und Einmündungen wieder besser sichtbar zu machen. Zuvor hätten Markierungsarbeiten auf dem Johannesberg und auf dem Weg dorthin stattgefunden.

Nicht immer ist ein Problem so einfach zu lösen. So gibt es an verschiedenen Stellen, zum Beispiel in der Dippelstraße in Bad Hersfeld, einen Zielkonflikt zwischen einer angemessenen Radwegbreite – zurzeit bleibt nur eine schmale Piste zwischen wuchernden Hecken – und Stadtgrün. „Das muss von der Politik diskutiert werden“, sagt Bode.

Nicht immer ist auch die Kommune verantwortlich. Für den Radweg parallel zur Bundesstraße 324 nach Heenes und Allmershausen, der stark verschmutzt und von der Hangseite her zugewachsen ist, ist zum Beispiel ab der Stadtgrenze die Straßenbauverwaltung von Hessen Mobil zuständig. Und wenn ein Privatgrundstück direkt an den Radweg angrenzt, dann ist – wie bei Gehwegen – dessen Eigentümer dafür verantwortlich, auch den Radweg sauber zu halten. Schwierig ist das zum Beispiel in der Friedloser Straße in Bad Hersfeld. Da ist auf Höhe des Güterbahnhofs die DB AG zuständig, erläutert Bode, die hier aber keinerlei Aktivitäten zeige. Und dann gibt es ein herrenloses Grundstück oberhalb des ehemaligen Tanklagers, das verwildert. In beiden Fällen muss die Stadt die Pflege übernehmen, was zusätzliche Arbeit bedeutet.

Problematische Stellen auf den Radwegen gibt es auch an anderen Stellen im Kreis. Dr. Wolfgang Fehling vom ADFC kritisiert zum Beispiel die Streckenführung des R 5 zwischen Sontra und Lispenhausen, der teilweise auf so grob geschotterten Wegen durch den Wald und über starke Steigungen führe, dass er als Fernradweg nicht geeignet sei. Der Fahrradclub schlägt deshalb schon seit Jahren vor, den Weg bei Cornberg parallel zur B 27 zu verlegen und dafür auf eine der drei vorhandenen Fahrspuren zu verzichten. Fehling macht sich zudem dafür stark, die Radwege zu asphaltieren. „Dann hat man zehn Jahre Ruhe“, betont er. Die geschotterten Wirtschaftswege würden dagegen bei jedem Unwetter ausgewaschen und durch schwere Maschinen beschädigt und müssten ständig erneuert werden.

Im Raum Rotenburg, Bebra und Cornberg fühlt sich der ADFC mit seinen Anliegen von den Bürgermeistern und der Bürgermeisterin gut unterstützt, betont Fehling.

Von Christine Zacharias

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