Stadt wehrt sich

Rotenburger Tourist-Info über Feiertage dicht: Kritik von Stadtführerin

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Ärgert sich über fehlenden Gäste-Service: Rotenburgs ehrenamtliche Stadtführerin Irmtraud Fleischhut. 

Rotenburg. Nachdem die Rotenburger Tourist-Info rund um Weihnachten und den Jahreswechsel geschlossen war, macht Stadtführerin Irmtraud Fleischhut ihrem Ärger Luft. 

Sie ist die Anlaufstelle für Touristen in Rotenburg: die Tourist-Information am Marktplatz. Doch wer rund um Weihnachten oder zum Jahreswechsel in Rotenburg weilte und dort Rat suchen wollte, fand leider nur: verschlossene Türen. Denn wegen Krankheit und Urlaubstagen war das Büro in dieser Zeit geschlossen.

„Ständig wird vonseiten der Stadt die Bedeutung des Tourismus in Rotenburg unterstrichen – aber leider wird dazu kontraproduktiv gearbeitet“, kritisiert Irmtraud Fleischhut. Seit 33 Jahren führt die Rotenburgerin als ehrenamtliche Stadtführerin Touristen und interessierte Einheimische durch die Fuldastadt.

„Seitdem sich die Zuständigkeiten und Sichtweisen geändert haben und diejenigen, die jahrelang federführend für die Betreuung der Gäste zuständig waren, nur noch ausführendes Organ – mit anderen Worten, Handlanger – sind, ist die Gesamtsituation ungenügend“, macht sie ihrem Unmut Luft. Immer wieder sei die Tourist-Info wegen Krankheit und Urlaub geschlossen worden. Mit nur einer vollen Kraft und wenigen Teilzeitkräften sei die Personaldecke dort auch so dünn, dass es zwangsläufig zu Engpässen kommen müsse, findet Fleischhut. „Da braucht nur einer krank zu werden und schon ist das Problem da.“

Die Krönung sei in ihren Augen dann die Schließung der Tourist-Info vom 21. Dezember an gewesen. In der Zeit, in der Rotenburg touristisch „aus allen Nähten platzt“, hätten viele Gäste vor verschlossener Tür der Tourist-Info gestanden. Die Gruppen, die gebucht hatten, seien von den Stadtführern betreut worden. „Eine Veränderung, Absage oder Informationen für künftige Gruppen oder Einzelreisen nach Rotenburg waren aber nicht möglich“, sagt die Stadtführerin.

Besonders bei Absagen sei dies problematisch gewesen. Eine Gruppe aus Bad Hersfeld sei für Silvester angemeldet gewesen. „Der Verantwortliche war leider krank geworden und wollte seit dem 21. Dezember nachmittags seine Buchung stornieren – er hatte leider keine Möglichkeit.“ Gott sei Dank sei er so verantwortungsbewusst gewesen und habe Fleischhuts Telefonnummer herausgefunden und sie persönlich informiert. „Er wusste ja nur den Namen der Stadtführerin – ich war ihm sehr dankbar, andernfalls hätte ich am 31. Dezember auf dem Marktplatz vergeblich gewartet“, sagt sie.

Alles in allem seien das unhaltbare Zustände, die auf Kosten der Gästebetreuung gehen würden. Eine Besetzung der Tourist-Info in einer der Hauptreisezeiten müsse gewährleistet sein. „Wenn Tourismus gewünscht ist und auch noch gesteigert werden soll, muss der Service dafür vorhanden sein“, sagt Fleischhut. 

Stadt wehrt sich: Nur zwei Werktage betroffen

Genau genommen betrifft es ja nur zwei Werktage – den 27. und 28. Dezember – an denen die Rotenburger Tourist-Info diesmal ausnahmsweise nicht geöffnet hatte“, erklärt Torben Schäfer, Geschäftsführer der Rotenburger Marketing- und Entwicklungsgesellschaft MER auf Nachfrage unserer Zeitung. Schließlich sei die städtische Einrichtung in den Wintermonaten von November bis März samstags generell geschlossen. „Das ganze Rathaus hatte Urlaub – da wollten auch wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, mit ihren Familien Weihnachten feiern zu können“, sagt Schäfer. 

Die Statistiken würden zudem belegen, dass die Nachfrage seitens der Touristen an diesen Tagen in den vergangenen Jahren nicht sehr hoch gewesen sei. „Wir hatten Hotels und Gastronomen im Vorfeld mit Informationsmaterial ausgestattet und auch die Gastgeschenke für Kurgäste vorausschauend verteilt.“ Aufgrund von vielen Krankheitsfällen hätte die Tourist-Info – wie sich jetzt im Nachhinein herausgestellt habe – ohnehin zwischen den Jahren nicht ordnungsgemäß besetzt werden können. 

Denn verschärfend zur engen Personalsituation hinzugekommen sei, dass die Vorgabe, bis zum 31. Dezember alle Urlaubstage zu nehmen, von den Mitarbeitern umgesetzt werden musste. „Der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst regelt das ausdrücklich“, sagt Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald. Für Abweichungen müsse es triftige Gründe geben. Gerade in diesem Jahr sei es dem Magistrat angesichts der wenigen Ausfalltage leicht gefallen, zu beschließen, an zwei Tagen nicht zu öffnen, berichtet Grunwald. Er sei verwundert, warum gerade in diesem Jahr Kritik aufkomme, „wo es faktisch kaum Ausfalltage gegeben hat“. 

Drei Vollzeit und zwei Halbtagsstellen gehörten zum Team, rechnet Torben Schäfer vor. Und dieses müsse umfangreiche Öffnungszeiten abdecken – von April bis Oktober habe die Tourist-Information schließlich auch samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Die Arbeit sei vielfältig, denn neben dem Publikumsverkehr sei die Organisation touristischer Angebote, die Koordination von Veranstaltungen, die Abrechnung der Minigolfanlage im Schlosspark und vieles mehr Aufgabe der Mitarbeiter. 

Für 2019 soll die Personalstärke des Teams erhalten bleiben, so der Bürgermeister. Ob und wie die Tourist-Info dann 2019 zwischen den Jahren arbeiten wird, werde in diesem Jahr wieder neu entschieden, sagt Torben Schäfer. (pgo)

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