"Lass dir bloß den Hintern nicht abfahren!"

Postbotin erzählt, wie ihr Einsatz als Verkehrslotsin nach Unfall bei Rotenburg ablief

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Besonderer Einsatz: Postbotin Madelaine Vater (rechts) regelte nach einem Unfall zwischen Rotenburg und Heinebach den Verkehr – immer im Austausch mit Katja Steinhauer, die an dem Tag das Team leitete.

Einfach am Unfall vorbeifahren, als hätte sie nichts gesehen? Das kam für Postbotin Madelaine Vater nicht infrage.

Als am 9. März auf der B 83 zwischen Rotenburg und Heinebach ein Auto während einer Probefahrt in Brand geriet, war die 31-Jährige eine der ersten am Unfallort – und verhinderte mit ihrem beherzten Eingreifen ein Verkehrschaos.

Die Frau, die gebürtig aus Hessisch Lichtenau kommt und im Sontraer Stadtteil Thurnhosbach lebt, ist für Briefe und Pakete in Hergershausen, Erdpenhausen und in Teilen der Rotenburger Kernstadt zuständig. Auf dem Weg von Hergershausen nach Rotenburg kam sie an dem brennenden Fahrzeug vorbei. „Vor mir sind schon einige andere einfach vorbeigefahren. Ich dachte mir: Das machst du jetzt nicht“, erzählt die Postbotin. Sie nahm sofort Kontakt Katja Steinhauer auf, die an diesem Tag das Team leitete und sie bestärkte. „Bleib stehen, zieh deine Warnweste an und lass dir bloß den Hintern nicht abfahren.“

Die 31-Jährige sah, dass der Fahrer des Autos unverletzt war und sich mit einem Feuerlöscher um den Brand kümmerte. „Also bin ich zurück zum Abzweig an der Grundmühle und hab die Leute von dort über Hergershausen umgeleitet.“ Als die erste Polizeistreife kam, sagten die Beamten zu ihr: „Das machen Sie gut, machen Sie weiter. Es kommt gleich ein zweiter Wagen, dann werden Sie abgelöst.“ Doch die zweite Streife konnte die unverhoffte Verkehrslotsin nicht ablösen: Auf der parallel verlaufenden ehemaligen B 83 versuchten einige, die Unfallstelle zu umfahren. Doch weil die Straße zu schmal ist, kam es zu einem weiteren Unfall – um den musste sich die zweite Streife dann kümmern.

Auch für die drei Alheimer Feuerwehren, die ausgerückt waren, begann somit während des Einsatzes noch ein zweiter. Die Feuerwehrleute, die an der Postbotin vorbeikamen, hielten sie zunächst für eine Kollegin. So dauerte es über anderthalb Stunden, bis Madelaine Vater schließlich von einem Feuerwehrmann aus Niederellenbach abgelöst wurde.

„Trotzdem hat am Samstag jeder in meinem Bezirk seine Post bekommen“, betont die Quereinsteigerin, die seit einem Jahr bei der Post ist. Dafür sorgten ihre Kollegen, die in ihrem Bezirk aushalfen.

„Ich war leider schon öfter als Ersthelferin bei Unfällen. Für mich ist es selbstverständlich, zu helfen. Irgendwann ist man auch mal selbst auf Hilfe angewiesen und will dann nicht alleingelassen werden“, sagt die 31-Jährige. Postboten seien dafür sensibilisiert, sich für die Allgemeinheit verantwortlich zu fühlen, fügt Katja Steinhauer hinzu. „Wenn wir wissen, dass irgendwo ältere Menschen alleine leben, schauen wir auch immer mal, ob alles in Ordnung ist.“

Dass Madelaine Vater über anderthalb Stunden lang ihrem Beruf nicht nachkommen konnte, ist für ihren Arbeitgeber kein Problem. „Sie hat vorbildlich gehandelt, das war super“, sagt Pressesprecher Thomas Kutsch. Um sicherzugehen, besorgte sich die 31-Jährige trotzdem noch am gleichen Nachmittag eine schriftliche Bestätigung der Rotenburger Polizei, dass sie richtig gehandelt hatte.

Polizeisprecher Manfred Knoch sagt: „Das hat sie. Wir sind dankbar für ihre Hilfe. An viel befahrenen Kreuzungen sollte man das nicht machen, um sich nicht selbst zu gefährden. Aber wo weniger Verkehr ist, ist das genau das richtige Verhalten.“

In einer früheren Version des Artikels wurde Katja Steinhauer als Teamleiterin bezeichnet, was falsch ist. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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