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Digitale Technik hilft Senioren im Alltag

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Von: Christine Zacharias

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Das Symbolbild zeigt ältere Menschen bei der Benutzung eines Laptops.
Die Bereitschaft, sich mit Computer, Tablet und Smartphone auseinanderzusetzen, ist auch bei Senioren groß. © Foto: PantherMedia / Goodluz

Digitale Hilfssysteme können das selbstbestimmte Leben von Senioren erleichtern. Die Bereitschaft, sich auf neue Techniken einzulassen ist groß, wie eine neue Studie zeigt.

Hersfeld-Rotenburg – Die Bereitschaft älterer Menschen im Kreis Hersfeld-Rotenburg, moderne Technik und digitale Hilfssysteme zu nutzen, ist grundsätzlich hoch. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Professorin Adelheid Susanne Esslinger mit Studenten der Hochschule Fulda zusammen mit der Zukunftsakademie des Kreises Hersfeld-Rotenburg entwickelt und kürzlich vorgestellt hat. Befragt worden waren Seniorinnen und Senioren in Hauneck und Friedewald.

„Digitale Medien können altere Menschen befähigen, selbstbestimmter und unabhängiger zu leben. Damit steigt auch ihre Lebensqualität“, stellte Prof. Esslinger fest. Denn Infrastruktur, Kultur, Bildung, Nah- und Gesundheitsversorgungsangebot seien auf dem Land nicht so gut verfügbar wie in Städten.

Digitale Technik könne da ein Stück weit unterstützen, zum Beispiel bei Online-Sprechstunden mit dem Arzt, bei Video-Chats mit Freunden und Verwandten, oder durch die Übertragung von Kulturveranstaltungen oder Gottesdiensten. Auch die technische Ausstattung im Haus, zum Beispiel digital gesteuerte Beleuchtung, Türöffnung, Saugroboter, automatisch abschaltende Herdplatten und Ähnliches erleichtere Menschen mit eingeschränkter Mobilität das Leben. Trotz der allgemein hohen Bereitschaft, sich auf moderne Technik einzulassen – Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt es hier kaum –, sinkt mit dem Alter die Verfügbarkeit von Internet.

Sind in der Altersgruppe 65 bis 74 Jahre noch 95 Prozent der Senioren mit einem eigenen Internetanschluss ausgestattet, sind es bei den über 85-Jährigen nur noch 55 Prozent. Am besten ausgestattet sind Zwei-Personenhaushalte. Alleinstehende, Menschen in größerer Gemeinschaft und Menschen mit Behinderungen haben weniger häufig einen Internetanschluss und entsprechende Geräte, ergab die Umfrage. Häufig genutzt werden von Senioren digitale Gesundheitsmessgeräte und Haushaltshelfer. Das Internet ist für Frauen vor allem zur Kommunikation wichtig, für Männer eher zur Information. Gesundheits-Apps und Informationen sind in allen Altersgruppen gefragt

So war die Befragung organisiert

In den Gemeinden Hauneck und Friedewald wurden 1313 Fragebögen mit jeweils 23 Fragen an die Bevölkerungsgruppe 65+ verteilt. 411 Bögen kamen beantwortet zurück; das entspricht einem Anteil von 31 Prozent. Geantwortet haben 56 Prozent Männer und 44 Prozent Frauen. Die meisten Fragebögen kamen aus der Altersgruppe bis 74 Jahre zurück (65 Prozent). 26 Prozent waren aus der Altersgruppe 75 bis 84 und 8,3 Prozent älter als 85 Jahre.

Fragen und Antworten zu der neuen Studie:

Wenn die Mobilität im Alter abnimmt, benötigen Menschen Unterstützung, um weiter selbstständig und selbstbestimmt leben zu können. Unter dem Motto „Leben auf dem Lande – analog und digital“ fand kürzlich ein Fachforum zum Thema altersgerechte Assistenzsysteme der Zukunftsakademie Hersfeld-Rotenburg und des Landkreises statt.

Woher stammen die Informationen?

Professorin Adelheid Susanne Esslinger, die inzwischen an der Hochschule Coburg lehrt, stellte in dem Fachforum die Ergebnisse einer Studie der Hochschule Fulda vor, bei der Studentinnen und Studenten Senioren im Sommer 2020 in den Gemeinden Hauneck und Friedewald zu ihrer technischen Ausstattung und zum Nutzungsverhalten befragt hatten. Die Studie wurde von Antje Tiedt koordiniert und fand im Rahmen des Projektes „Zuhause.Gut.Vernetzt“ statt, das das Ziel hat, ein digitales Netzwerk aufzubauen, mit dessen Hilfe Senioren Kontakt halten und Hilfen für sich organisieren können, erläutert Dirk Hewig vom Fachdienst Senioren der Kreisverwaltung. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg werde als Modellregion zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention gefördert.

Wozu nutzen Senioren digitale Technik?

Genutzt wird das Internet vor allem zur Kommunikation, also zum Beispiel WhatsApp, Facebook und ähnliche Messenger-Dienste, und zur Information (Nachrichtendienste). Frauen sind allerdings stärker bei den Messenger-Diensten aktiv, Männer auf Nachrichtenportalen. Außerdem, so hat die Studie ergeben, nutzen Frauen häufiger Smartphone und Tablet, während Männer eher vor dem Computer sitzen.

Wie sieht es mit der Akzeptanz von Telemedizin und Gesundheits-Apps aus?

Telemedizin wird nur von der jüngeren Seniorengruppe genutzt und auch das nicht sehr stark (drei Prozent). Elektronische Messgeräte und Gesundheitsinformationen sind jedoch in allen Altersgruppen gefragt. In der ältesten Gruppe ist auch oft ein Hausnotrufsystem im Einsatz, vor allem bei Alleinstehenden.

Gibt es Unterschiede in der Internetnutzung bei verschiedenen Personengruppen?

Auffallend ist, dass Menschen mit Behinderungen seltener über einen Internetanschluss verfügen als andere und dass die Wahrscheinlichkeit, dass Internet verfügbar ist, mit der Zahl der im Haus lebenden Personen steigt, erklärt Prof. Esslinger. Auch das Einkommen hat eine große Auswirkung auf die technische Ausstattung.

Wie verändert sich das Nutzungsverhalten mit dem Alter?

Dienste im Internet werden mit zunehmendem Alter weniger genutzt, ergab die Studie. Fast drei Viertel der befragten 65- bis 74-Jährigen nutzen die Möglichkeit, sich über Gesundheitsthemen zu informieren, 64 Prozent kaufen online ein oder informieren sich über Veranstaltungen, knapp die Hälfte nutzt die Möglichkeit, Termine online zu vereinbaren oder Bankgeschäfte online zu erledigen. In der Altersgruppe 85+ werden diese Leistungen nur noch von 10 bis 14 Prozent der Befragten genutzt. Ein Viertel von ihnen vereinbart allerdings Termine per Internet.

Sind Alleinlebende aktiver im Internet als Paare?

Am intensivsten ist die Nutzung von Online-Angeboten und digitalen Hilfen, wenn zwei Personen im Haushalt leben. Alleinlebende und Menschen, die in einer größeren Gemeinschaft leben, sind hier weniger aktiv als Paare.

Wie lautet das Fazit der Studie?

Als Fazit stellte Adelheid Susanne Esslinger fest, dass die grundsätzliche Bereitschaft, sich auf technische und digitale Assistenzsysteme einzulassen, bei Senioren hoch ist. Wichtig sei deshalb zum einen, dass die Geräte benutzerfreundlich seien – übrigens auch ein ganz wesentliches Kriterium bei der Kaufentscheidung – und dass die Senioren kompetente und einfühlsame Einweisung und Unterstützung bei der Nutzung erhielten, weil sie sich oft nicht zutrauten, mit komplexen technischen Geräten umzugehen. Sinnvoll wäre, so Esslinger, ein aufsuchendes Angebot. Besonderen Unterstützungsbedarf hätten Haushalte mit niedrigem Nettoeinkommen, Alleinstehende und Menschen mit Behinderungen.

Und was sagen die Betroffenen?

„Die Digitalisierung ist nur ein Mittel zum Zweck“, erklärt Ronald Loot, selbst im Rentenalter und körperlich eingeschränkt, der vorher viele Jahre das Altenzentrum Hospital in Bad Hersfeld geleitet hat. Entscheidend für ein selbstbestimmtes Leben im Alter seien Hilfe und gegenseitige Unterstützung, betont er. (Christine Zacharias)

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