"Die Leute werden nicht eingesperrt"

Nach tragischem Unglück in Polen: Escape Room in Rotenburg ist sicher

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Beim Lösen der Rätsel im Escape Room sind die Spieler nie wirklich eingeschlossen. Auf unserem Foto versuchen Lea Heinzerling und Björn Friedrichs, die Hinweise im Rotenburger Fluchtraum zu kombinieren.

Es soll um Nervenkitzel gehen – nicht um Leben oder Tod: Nach dem tragischen Unglück in einem Escape Room in Polen wollten wir wissen, wie sicher das Rätsel-Spiel in Rotenburg ist. 

Nachdem im nordpolnischen Koszalin fünf Mädchen im Alter von 15 Jahren in einem sogenannten Escape Room ums Leben gekommen sind, wird auch in Deutschland über die Fluchtspiele diskutiert. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg gibt es seit Oktober einen Escape Room. Wir haben beim Betreiber und Feuerwehr nachgefragt, wie sicher das Spiel ist.

„Unsere Räumlichkeiten sind nie komplett abgeschlossen“, sagt Spieldesignerin Ellen Conrad vom Team von German Quest Events, die den Rotenburger Escape Room (deutsch: Fluchtraum) ins Leben gerufen haben. Der ehemalige Konferenzraum im Untergeschoss der Göbel Hotels Arena ist etwa 16 Quadratmeter groß – und bietet damit mehr als doppelt so so viel Platz wie der Sieben-Quadratmeter-Raum in Polen, in dem sich das tragische Unglück ereignete. 

Maximal sechs Spieler sind in Rotenburg erlaubt. Zwar gibt es keinen Notfallknopf, der wie in anderen deutschen Fluchträumen sofort die Tür öffnet. Das liege aber daran, dass sich der Ausgang jederzeit mit etwas Kraft aufstoßen lasse. „Wichtig ist, dass die Leute nicht eingesperrt werden“, sagt Conrad. Es gehe vielmehr darum, eine Illusion des Eingesperrtseins zu schaffen, um die Spannung zu erhöhen. Beim Vorfall in Polen soll der Raum wirklich verschlossen gewesen sein, als das Feuer ausbrach.

Ein Spielleiter überwacht das 70-minütige Abenteuer in Rotenburg

„Wir fragen auch gesundheitliche Probleme ab“, sagt Ellen Conrad. Zum Beispiel, ob einer der Teilnehmer Asthma habe – auch, weil während eines Rätsels dichter Nebel in den Raum gepustet wird. Wer Platzangst hat oder unter Stress gesundheitliche Probleme bekommt, sollte sich der Herausforderung eines Escape Rooms nicht stellen. Ein Spielleiter überwacht die 70-minütigen Abenteuer im Rotenburger Escape Room per Videoübertragung mit Ton im Nebenraum. „Er kann jederzeit eingreifen“, sagt die Spieldesignerin.

Der Brandschutz und die Bauaufsicht des Kreises Hersfeld-Rotenburg haben sich auf Nachfrage unserer Zeitung den Rotenburger Escape Room noch einmal angeschaut, heißt es aus dem Landratsamt. Die Einschätzung: alles war und ist sicher. Die Brandmeldeanlage sei mit der Leitstelle verbunden, es gebe zwei Rettungs- und Fluchtwege und eine funktionierende Notbeleuchtung.

Ein vorgeschriebenes Mindestalter für den Besuch des Raums gibt es übrigens nicht. Auch Kinder können in Begleitung Erwachsener spielen. Das empfohlene Alter des Teams von German Quest Events ist allerdings ab 16 Jahren: „Sonst ist der Schwierigkeitsgrad einfach zu hoch“, so Ellen Conrad. Dass der Vorfall im polnischen Koszalin Teilnehmer in Deutschland abschreckt, glaubt sie nicht. „Es wird aber eher mal nach den Sicherheitsvorkehrungen gefragt.“

Escape Games: Darum geht es bei dem Rätsel-Trend

Bei Escape Games (deutsch: Fluchtspiele) versucht eine Gruppe von meist bis zu sechs Spielern, durch das gemeinsame Lösen von Rätseln, dem Finden von Gegenständen und durch das Kombinieren von Hinweisen eine komplexe Aufgabe zu lösen. Das Fluchtspiel findet in der Regel in einem Raum statt, der während des Spiels nicht verlassen werden soll. Zudem gibt es ein Zeitlimit. 

Die zu bewältigenden Aufgaben sind häufig in eine Geschichte eingebettet, die vom Lösen eines Mordfalls bis zur Rettung der Welt reichen kann. Die Idee stammt aus der Computerspielentwicklung, wurde zunächst in Japan für die reale Welt umgesetzt und entwickelte sich zum globalen Trend.

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