Sieben Kinder aus Familien geholt

Über 200 Hinweise auf Misshandlung von Kindern in Hersfeld-Rotenburg

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Gewalt gegen Kinder: Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg gibt es immer wieder Kindeswohlgefärdungen.

Der Kreis Hersfeld-Rotenburg ist offenbar kein Paradies für alle Kinder: Die Fachleute der Kinder- und Jugendhilfe haben 2017 insgesamt 224 Gefährdungseinschätzungen vorgenommen.

Das heißt, sie sind entsprechenden Hinweisen über mögliche Misshandlungen oder anderen Gefährdungen nachgegangen.

In knapp der Hälfte der Fälle konnte eine Kindeswohlgefärdung ausgeschlossen werden, aber Unterstützungsbedarf bei der Erziehung wurde festgestellt. Sieben Kinder wurden 2017 aus ihren Familien und in Obhut genommen. „Die Kunst ist es, zu gucken, ob es sich bei einer Anzeige um einen lösbaren Konflikt, etwa im Bereich der Pubertät, oder um eine tatsächliche Gefährdung handelt“, sagt die Leiterin des Jugendamtes, Anette Kranz.

Bei der Überprüfung gilt nach einem standardisierten Verfahren das Vier-Augen-Prinzip. Die Mitarbeiter des Jugendamts fahren stets zu zweit zu den Familien – wenn sie fahren. Manchmal kommt es auch nicht zu einer Inaugenscheinnahme. Zum Beispiel, wenn man die Verhältnisse vor Ort kennt. Allerdings muss dokumentiert werden, warum man es bei einem Anruf beließ.

Kindeswohlgefährdung war 28-Mal akut in Hersfeld-Rotenburg

In 28 Fällen wurde eine akute Kindeswohlgefährdung registriert. Davon spricht man, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes eingetreten oder zu erwarten ist. Wenn der Verdacht der Gefährdung besteht, aber nicht geklärt ist, ob eine Gefahr tatsächlich besteht, spricht man von einer latenten Kindeswohlgefährdung. Sie wurde zwölfmal registriert.

Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten können Kinder nur dann aus der Familie genommen werden, wenn es das Familiengericht anordnet oder wenn eine Situation eskaliert ist. Zu Inobhutnahme zählt auch, wenn ein Kind ins Krankenhaus gebracht wird, sagt Jugendamtsleiterin Kranz. 

Kindeswohlgefährdung: Vernachlässigung ist häufigster Grund

Bei den 2017 40 registrierten Fällen von Kindeswohlgefährdung war Vernachlässigung die häufigste Gefährdungsart. Das kann sein, wenn Kinder mangelernährt sind, völlig verschmutzt, und/oder in einer vermüllten Wohnung aufwachsen müssen. An zweiter Stelle rangiert psychische Misshandlung, wenn Kinder also ständig abgewertet und abgelehnt werden. Schließlich folgt körperliche Misshandlung. Anzeichen für sexuelle Gewalt sind in einem Fall festgestellt worden. Allerdings gibt es auch Dunkelziffern, die nicht beim Jugendamt landen. 

In Akutsituationen und nach Entscheidung des Familiengerichts können Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien oder Wohngruppen untergebracht werden. Minderjährige können auch selbst das Jugendamt darum bitten. Eine Lösung kann sein, Kinder zu Verwandten zu geben.

Auch in Kindergärten sind die Jüngsten offenbar nicht sicher. Im Herbst 2018 deckte eine RTL-Reportage skandalöse Zustände in einer Kita in NRW auf. Die Kinder wurden geschlagen und angebrüllt. 

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