Wochenendporträt

Herbert Bernhardt kocht lieber in der Kantine in Rotenburg als beim FC Bayern

In seinem Metier: Die Küche der Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ist mit modernster Technik ausgestattet. Unser Bild zeigt Koch Herbert Bernhardt und Erstaufnahme-Leiter Thomas Baader an einem sogenannten Konvektomaten, einem Kombidämpfer für die professionelle Gastromie. Hier wurde gerade Reis zurbereitet.

Herbert Bernhardt ist Koch aus Leidenschaft. Und er ist heimatverbunden. Im ZDF-Kochduell misst sich der Koch der Rotenburger Flüchtlingsunterkunft  jetzt mit anderen Köchen.

Hersfeld-Rotenburg. Mit dem Kochlöffel ist er ein echter Könner: Herbert Bernhardt liebt es, mit Gewürzen und Zutaten zu jonglieren und geht auf dem Weg zum guten Geschmack gerne auch mal außergewöhnliche Wege. „Vom Kochstil her sagt man mir nach, ich sei eher der Typ Tim Mälzer“, berichtet er lächelnd. Da sei nicht jede Möhre akkurat gleich geschnitten – „aber der Geschmack ist genial“.

Auch Johann Lafer schmeckte es: Der österreichische Promi-Koch – vorne im Bild – war einer der Juroren bei der ZDF-Küchenschlacht, an der Herbert Bernhardt 2013 teilgenommen hat. Unser Foto zeigt ihn mit – von links – Sabine Löbig, Fernseh-Koch Alexander Herrmann und Sophie Wohlleben, der Nichte des musikalischen Leiters der Bad Hersfelder Festspiele Christoph Wohlleben, die vor vier Jahren ebenfalls in der Sendung als Kandidatin dabei war. Foto: Privat/nh

Fest angestellt ist der 63-Jährige seit zwei Jahren als Koch in der Außenstelle Rotenburg der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung bei der Firma Medirest, dem Betreiber der dortigen Kantine. Hier kocht er täglich für zurzeit über 200 geflüchtete Menschen. Ab dem kommenden Montag ist er in der ZDF-Sendung „Die Küchenschlacht“ zu sehen, die bis zum Freitag täglich ab 14.15 Uhr ausgestrahlt wird.

Bis ins Finale gekocht

Bereits vor vier Jahren war er in dem beliebten Fernseh-Format des ZDF zu Gast. Damals hatte er es bis ins Finale geschafft. „Doch da sind mir meine Pfefferkartoffeln leider zum Verhängnis geworden – sie waren am Ende ziemlich dunkel geraten“, erinnert er sich.

Der Koch-Autodidakt – richtig gelernt hat Bernhardt den Beruf nämlich nicht – liebt das Kochen. Deshalb nimmt er auch immer wieder außergewöhnliche Herausforderungen an. Und das mit Erfolg. Bei den österreichischen Meisterschaften der Hobbyköche in Innsbruck schaffte er es ebenfalls bis ins Finale und auch bei einem Sommerfest von Johann Lafer in dessen Feinschmecker-Restaurant in der Stromburg hat er schon drei Tage lang mitgekocht.

Als er sich vor zwei Jahren für die Stelle in Rotenburg entschied, tat er das aus familiären Gründen. Parallel hatte er sich nämlich auch in München als Koch für die VIP-Lounge im Stadion des FC Bayern beworben. „Nach vier Wochen Probekochen hatte man mir auch dort eine Stelle angeboten, aber als der Ruf aus Rotenburg kam, bin ich doch lieber in der Heimat geblieben“, sagt er. Seit 16 Jahren lebt Bernhardt, der gebürtig aus Hülsa – einem Stadtteil von Homberg/Efze – stammt, in Bad Hersfeld. Dort kennt man ihn auch noch als Versicherungsvertreter einer großen Generalagentur. Doch diesen Beruf hängte er für sein geliebtes Hobby an den Nagel. Seitdem ist er glücklich darüber, lieber Pfannen und Töpfe zu bewegen.

Hobby zum Beruf gemacht

In der kommenden Runde der ZDF-Küchenschlacht misst er sich diesmal mit Köchen, die so wie er nach seiner ersten Küchenschlacht-Teilnahme ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und nun teilweise in renommierten Restaurants kochen. Auch im Aufenthaltsraum der Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung wird ab Montag mitgefiebert. „Wir werden dort ausnahmsweise einen Fernseher aufstellen, um ihm gemeinsam zuschauen zu können“, berichtet Thomas Baader, Leiter der Rotenburger Erstaufnahme.

Er sei stolz darauf, in seinem Küchenteam solche Köche zu haben. „Bei uns wird ja schließlich auch täglich frisch gekocht – mit frischen Zutaten“, sagt Baader. Auf den Tisch kommt traditionelle deutsche und internationale Küche mit Rind- und Geflügelfleisch – gewürzt mit teilweise exotischen Gewürzen, die die Großküche nach und nach angeschafft hat, um die Speisen auf den Geschmack der Bewohner abzustimmen. Ein wenig experimentell – wie bei Tim Mälzer – aber mit Herbert Bernhardt am Herd immer lecker.

Zur Person

Herbert Bernhardt wurde in Hülsa, einem Stadtteil von Homberg/Efze geboren. Der 63-Jährige ist verheiratet. Seine Frau Helga arbeitet als Erzieherin in einem Bad Hersfelder Kindergarten. Herbert Bernhardt lebt seit 16 Jahren in Bad Hersfeld und hat zwei erwachsene Söhne. In der Rotenburger Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung ist er seit zwei Jahren als Koch beschäftigt. (pgo)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Rotenburg (an der Fulda)
Kommentare zu diesem Artikel