Prozess nach Unfalltod

Fotos liefern klare Indizien zum Todesfahrer von Rotenburg

Die beiden Insassen des Autos geben an, sich nicht genau an den Unfall erinnern zu können. Aufnahmen ihrer Oberkörper geben aber deutliche Hinweise darauf, wer gefahren ist.

Auf dem einen Foto war der Oberkörper eines jungen Mannes zu sehen, der im Bereich der rechten Schulter ein deutliches Hämatom aufwies. Das zweite Foto zeigte den Oberkörper eines anderen Mannes – ohne Auffälligkeiten.

Diese Bilder lassen im Prozess um den tödlichen Verkehrsunfall vom 3. Februar 2018 in Rotenburg möglicherweise den Schluss zu, dass die Person mit dem Bluterguss auf der Beifahrerseite des Mercedes saß, der gegen 5.15 Uhr den folgenschweren Zusammenstoß in der Straße Am Alten Feld verursacht hat. Am Steuer saß demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit der damals betrunkene Angeklagte, ein 30-jähriger Versicherungskaufmann aus Euskirchen, der in Rotenburg eine Fortbildung absolviert hatte. Dieser hatte allerdings nach dem Unglück zunächst seinen 24-jährigen Begleiter, einen Bekannten aus der Akademie, beschuldigt, das Unfallauto gefahren zu haben.

Sowohl der Angeklagte als auch der Zeuge hatten vor Strafrichter Elmar Schnelle ausgesagt, sich an das Kerngeschehen nicht mehr erinnern zu können. Beide waren per Taxi in die Stadt gefahren, hatten schon davor und dann die halbe Nacht durch gefeiert und getrunken. Ihre Alkoholwerte lagen um die 1,6 Promille. Mit dem Taxi seien sie auch zurück in die Unterkunft gefahren. Wie sie dann in den Pkw des Euskircheners gekommen waren – darauf gibt es bisher keine Antwort.

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages hatte der 30-Jährige immerhin Worte des Bedauerns für die Folgen des Unglücks gefunden, bei dem eine 49 Jahre alte Rotenburgerin in einem entgegenkommenden Auto so schwer verletzt wurde, dass sie noch an der Unfallstelle starb. Auch für die Beleidigungen, die er gegenüber mehreren Polizisten bei der Blutentnahme ausgestoßen hatte, entschuldigte er sich über eine Erklärung seines Anwalts.

Dieser wiederum thematisierte eine mögliche Depression des Unfallopfers. Im Blut der Rotenburgerin, die sich mutmaßlich auf dem Heimweg von nächtlichen Kurierfahrten befand, war ein entsprechendes Medikament festgestellt worden, das in der Dosierung leicht über dem therapeutischen Wert lag.

Der Prozess wird am Mittwoch, 27. März, um 9.15 Uhr fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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