1. Hersfelder Zeitung
  2. Lokales
  3. Kreisteil Rotenburg
  4. Rotenburg (an der Fulda)

Bad Hersfeld: Wohnungen in der „Zuse-Scheune“ nehmen Gestalt an.

Erstellt:

Kommentare

Die Besichtigung des alten Gebäudes weckte großes Interesse
Großes Interesse bei der ersten offiziellen Besichtigung der Zuse-Scheune in Bad Hersfeld. © Struthoff, Kai A.

Sanierung der alten „Zuse-Scheune“ in Bad Hersfeld schreitet voran

Bad Hersfeld – Jahrelang war die sogenannte Zuse-Scheune im Herzen der Stadt ein Politikum. Zeitweise drohte sogar der Abriss des maroden Gebäudes, das einst zur Tuchfabrik Rehn gehörte, in der Computer-Pionier Zuse später dann an seinen ersten Großrechner bastelte. Buchstäblich in letzter Minute retteten die beiden ambitionierten jungen Architekten Björn Trieschmann und Dennis Knöpp vom Büro „studio aw“ aus Gießen das Gebäude vor dem Abrissbagger.

Seither wird dort ein „Haus im Haus“ gebaut, (wir berichteten ausführlich) in dem bis Mitte des Jahres kleine, funktionale Wohnungen entstehen. Am Mittwochabend hatten der Kulturausschuss und der Denkmalbeirat erstmals Gelegenheit, das Gebäude zu besichtigen – und das Interesse war riesengroß.

Bislang sind in dem entkernten alten Gebäude zehn Einzimmerappartements mit eigenem Badezimmer entstanden. „Das Haus ist aber hybrid gedacht und hat einen flexiblen Grundriss“, erläuterte Björn Trieschmann den Besuchern. Denkbar wären je nach Nachfrage auch größere Zwei- bis Drei-Zimmerappartements oder auch eine Art Wohngemeinschaft mit Gemeinschaftsküche etwa für Studenten. In der alten Außenhülle, die komplett erhalten bleibt, ist ein komplett neuer Holzbau integriert worden, der für eine „Wärmedämmung wie bei einen Neubau“ sorgt, erklärte der Architekt. Geplant seien Infrarot-Heizungen die mit selbst-erzeugtem Solarstrom aus dem Vogelsberg kostengünstig betrieben werden sollen. Derzeit gebe es aber noch Probleme, den Strom nach Bad Hersfeld zu leiten.

Bau dauert länger als gedacht

Trotzdem streben die beiden Architekten einen Festpreis inklusive Strom, Wasser, Internet für die vollmöblierten Wohnungen an. Sie wollen sich angesichts der vielen Unwägbarkeiten aber derzeit noch nicht auf einen Preis festlegen. „Alles ist viel teuerer geworden als gedacht, wir haben sehr viel mehr Bauelemente austauschen müssen, deshalb hat der Bau auch länger gedauert“, erklärt Trieschmann.

Im Inneren der Zuse-Scheune wird deshalb noch fleißig gewerkelt. Dennoch erhält man bereits einen Eindruck der zwar kleinen, aber dank hoher Decken, großer Fenster und teilweise kleinen Balkonen nicht bedrückend wirkenden Räumen. Im Treppenhaus und an anderen geeigneten Stellen wurden zudem möglichst viele alte Stilelemente erhalten, die zum Teil hinter Glas und noch ergänzt durch Computerplatinen und andere technische Accessoires an die Verbindung des Gebäudes zum Computer-Pionier Zuse erinnern sollen. Das Dachgeschoss ist noch nicht verplant. Hier wäre Raum für ein großes Loft oder weitere kleinere Appartements.

Der Vorsitzende des Kulturausschusses Dr. Thomas Handke zeigte sich beeindruckt von den Baufortschritten und dankte den beiden jungen Architekten im Namen der Stadt, dass sie dazu beitragen, dass „dieses Industriedenkmal aus der Hersfelder Geschichte nun erhalten bleibt“. (Kai A. Struthoff)

Auch interessant

Kommentare