Ein Stück SPD-Heimat

Adolf-Hauert-Haus in Rotenburg wird verkauft - Treffpunkt der Genossen seit 1985

Rotenburg. Es war von Anfang an der Wurm drin. Im Adolf-Hauert-Haus, wo sich die Rotenburger Genossinnen und Genossen seit 1985 getroffen haben, wusste man bereits beim Einzug, dass im neuen Domizil ständig etwas zu tun ist. Am Freitag wurde der Schlüssel umgedreht.

Es ist Schluss mit den Treffen mittwochs am Rainchen 15. Die SPD mit ihren 114 Mitgliedern zieht um. Sie tagt jetzt in Rotenburger Gaststätten. „Wir gehen dahin, wo unsere Wählerinnen und Wähler sich treffen“, sagt der Rotenburger Ortsvereinsvorsitzende Sebastian Münscher. „Es war eine gute Zeit, aber wir müssen auch neue Akzente setzen.“ Die SPD-eigene Firma Konzentration (siehe Hintergrund) wird das Gebäude verkaufen.

Die Männer und Frauen der SPD in den 80er-Jahren haben sich wohlgefühlt am Rainchen 15. Im ehemaligen Wohnhaus der Familie von Georg Moog wurde geredet, debattiert, über verlorene Wahlen getrauert und gefeiert. Allen voran Franz Toby. Er war es, der den Kauf des Gebäudes einst vorangetrieben hatte. Und auch er wusste, die Arbeiten am Haus hören nie auf.

„Wir haben die Außenfassade neu verputzt, gestrichen und innen alles wohnlich gestaltet“, erinnert sich Hans Lyding, der als gelernter Maurer damals einen kritischen Blick auf die Sanierungsmaßnahmen warf. Bolleröfen wurden ersetzt durch Heizungen, einmal stand der Keller unter Wasser.

Erst Wahl, dann Kochwurst

Das kleine Fachwerkhaus hat eine kleine Küche, ein winziges WC und in der ersten Etage, einen schönen verwinkelten Versammlungsraum. Hier fanden Fraktionssitzungen statt, hier gab es nach den Wahlen Kochwurst, Ahle Worscht und Brot. Bier, Wasser und Sekt. Trösterchen. Auch Bundestags- und Landtagsabgeordnete kamen rein.

Bei der ersten Bürgermeisterwahl von Manfred Fehr klopfte der damalige hessische Ministerpräsident Hans Eichel an. Damals, im Herbst 1993, wurde der dritte Bauabschnitt der Verwaltungsfachhochschule klar gemacht. Vor Wahlen wurden Plakate geklebt, diskutiert und Karten gespielt.

Zu hoher Investitionsstau

Männer der ersten Stunde mit unglaublich viel ehrenamtlichem Elan waren neben Lyding und Toby auch Fritz Seese, Helmut Ebert, Dieter Stricker, Friedrich Hessler, Ernst Thon, Willi Schulz und viele andere.

Jetzt regnet es ins Dachgeschoss rein. Alle Maßnahmen, die für den Erhalt des Häuschens in Angriff genommen wurden, scheiterten. „Man muss von Grund auf sanieren“, sagt Sebastian Münscher. Zuviel müsse man investieren.

Die Entscheidung war erforderlich. Aber sie fiel einigen schwer. Jetzt heißt es Abschied nehmen. Ein Stück Heimat geht verloren. „Aber es geht weiter“, sagt Münscher zuversichtlich. 

Quelle: HNA

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