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Ronshausen vertagt Standort-Frage für neues Feuerwehrhaus

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Von: Sebastian Schaffner

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Auslaufmodell: Das Feuerwehrhaus in Ronshausen entspricht nach fast vier Jahrzehnten nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. Deshalb muss die Gemeinde ein neues bauen. Die Standortfrage gestaltet sich allerdings schwierig.
Auslaufmodell: Das Feuerwehrhaus in Ronshausen entspricht nach fast vier Jahrzehnten nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. Deshalb muss die Gemeinde ein neues bauen. Die Standortfrage gestaltet sich allerdings schwierig. © Sebastian Schaffner

Wo die Gemeinde Ronshausen ihr neues Feuerwehrhaus baut, bleibt vorerst unklar. Das ist das Ergebnis der Parlamentssitzung am Donnerstagabend im Haus des Gastes.

Ronshausen - Fest steht allerdings, dass von ursprünglich sechs nur noch zwei Standorte im Rennen sind. Und dass für den Neubau wohl rund sieben Millionen Euro fällig werden.

Der erste mögliche Standort, „In der Au“, liegt ganz im Westen Ronshausens, zwischen der Landesstraße 3251 (Bebra-Wildeck) und dem Aueweg. Das 3400 Quadratmeter große Grundstück gehört bereits weitestgehend der Gemeinde, Teilstücke könnten angekauft werden, sagte Bürgermeister Markus Becker (CDU). Eine direkte Anbindung an die Landesstraße wäre Bestandteil der Bauarbeiten.

Ein Bodengutachten hatte ergeben, dass die Lage für Probleme sorgen könnte und zusätzliche Arbeiten notwendig machen würde. Der Standort liegt 190 Meter von hochwassergefährdetem Gebiet entfernt. Alles in allem kalkuliert die Gemeinde für diesen Standort mit Kosten von 7,2 Millionen Euro.

Die Karte zeigt den jetzigen Feuerwehrstandort am Steinweg und die verbleibenden zwei von sechs möglichen Standorte „In der Au“ im Westen und „Nöstenbach“ im Osten der Gemeinde Ronshausen.
Die Karte zeigt den jetzigen Feuerwehrstandort am Steinweg und die verbleibenden zwei von sechs möglichen Standorte „In der Au“ im Westen und „Nöstenbach“ im Osten der Gemeinde Ronshausen. © HNA

Ebenfalls in Frage als neue Heimat für die Feuerwehr kommt der Standort „Nöstenbach“. Dieser befindet sich im Osten der lang gezogenen Gemeinde, in der Nähe des Badeparks. Das Grundstück wäre mit 11 870 Quadratmetern fast viermal so groß und müsste laut Eigentümer auch komplett angekauft werden. Dem Bodengutachten zufolge wäre dieser Standort aus bautechnischer Sicht der Favorit. Für „Nöstenbach“ rechnet die Gemeinde mit einer Gesamtinvestition von 6,8 Millionen Euro.

Gemeindeparlament ist uneins bei Standortwahl

Welcher Standort der geeignetere ist, darüber waren sich die Abgeordneten uneins. CDU, WGR und FDP hatten sich wenige Tage zuvor im Haupt- und Finanzausschuss für „Nöstenbach“ ausgesprochen. Die SPD favorisierte „In der Au“. Die Sozialdemokraten, die mit sechs Abgeordneten an diesem Abend die absolute Mehrheit stellten, stützen sich auf die Einschätzung von Kreisbrandinspektor Marco Kauffunger und der Ronshäuser Wehrspitze.

Kauffunger hatte im Ausschuss per Videoschalte gesagt, dass „In der Au“ mit Blick auf die gesetzlichen Hilfsfristen wohl ohne Auflagen genehmigt werden könnte und aus Brandschutzsicht der beste Standort sei. Für „Nöstenbach“ sei eine Genehmigung zwar auch möglich, aber wohl nicht vorbehaltlos.

„Überraschungsmail“ vom Gemeindebrandinspektor sorgt für Wirbel

Gemeindebrandinspektor David Ehmer hatte kurz vor der Gemeindevertretersitzung eine Mail verschickt, in der er sich klar für „In der Au“ ausspricht. Nur dort, so seine Begründung, könnte die zehnminütige Hilfsfrist von Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort eingehalten werden. Er warnte vor möglichen Regressansprüchen gegenüber der Gemeinde.

Im Parlament sorgte dieses Schreiben für große Aufregung. WGR-Chef Reinhard Brandau, der an diesem Abend vertretungsweise den Vorsitz hatte, fühlte sich brüskiert: „Das stellt die gesamte Arbeit unserer Feuerwehrkommission auf den Kopf“. Das Gremium hatte sich ein Jahr lang Gedanken über geeignete Standorte gemacht, Ausrückzeiten simuliert, Kosten analysiert, die Wohnorte aller derzeit 49 Einsatzkräfte berücksichtigt und dem Parlament „In der Au“ und „Nöstenbach“ vorgeschlagen. Auch Bürgermeister Becker, der selbst im Auto mit Stoppuhr mögliche Einsatzwege abgefahren war, zeigte sich von Ehmers Vorstoß überrascht.

Nach einem spontanen Auftritt des ehemaligen Kreisbrandinspektors Jürgen Weingarten (1996-2014), der im Publikum saß und selbst Brandschutz-Sachverständiger ist, einigten sich die Abgeordneten zunächst auf eine Sitzungsunterbrechung. Dann stimmten sie bis auf eine SPD-Gegenstimme dafür, die Entscheidung zu vertagen. Demnach soll erst ein unabhängiges Gutachten mit besonderem Blick auf die Hilfsfristen prüfen, ob beide Standorte geeignet sind.

Die Zeit drängt allerdings: Wenn die Gemeinde Fördergeld für den Neubau haben möchte, muss der Antrag nach Auskunft von Kreisbrandinspektor Marco Kauffunger bis zum 31. August vorliegen. Dafür müsste natürlich auch ein Standort feststehen. Die nächste Chance auf Fördergeld gäbe es dann erst ein Jahr später. (Sebastian Schaffner)

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