Zum Auslauf auf die Weide

Ronshäuser Landwirt setzt auf besonders tierfreundliche Schweinehaltung

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Bewegung und Auslauf an der frischen Luft: Das bieten Landwirt Timo Hübener und Fleischermeister Dirk Holtz – auf unserem Bild von links – den Schweinen. Beide achten bei der Mast auf besonders tiergerechte Bedingungen.

Ronshausen. Das Schwein zeichnet sich dadurch aus, dass es sich auch unter widrigen Bedingungen noch gut halten lässt. Dass es auch anders geht, das haben sich der Ronshäuser Landwirt Timo Hübener und der Bebraer Fleischermeister Dirk Holtz auf die Fahnen geschrieben.

Einfach mal die Sau rauslassen – bei Timo Hübener ist das Programm. Der Landwirt aus Ronshausen hat sich auf besonders tierfreundliche Schweinehaltung spezialisiert, zu der auch Freilauf-Möglichkeiten draußen vor dem Stall gehören. Und das nutzen die Tiere weidlich.

Über diesen Aufgang geht’s raus: Den Weg ins Freie kennen Timo Hübeners Schweine gut. Wenn er das Gatter öffnet, laufen die Tiere aus dem Stall auf die Weide.

„Wenn meine Schweine das Klappern vom Tor hören, dann wissen sie schon – jetzt geht’s auf die Weide“, sagt der 36-Jährige. Da muss kein Tier extra nach draußen getrieben werden – „die wählen schon selbst den Weg“, berichtet Hübener. Im Stall selbst haben sie auf Stroh optimale Bedingungen, sich auch mal zurückziehen zu können. Und rund um die Uhr gibt’s Wasser für die Tiere.

Die Idee, eine zum Wohle der Schweine in vielen Bereichen optimierte Haltung umzusetzen, entwickelte der Ronshäuser gemeinsam mit Fleischermeister Dirk Holtz aus Bebra vor gut drei Jahren. „Für unsere Ahle Wurscht ist das wichtig, weil wir so ein hochwertigeres Fleisch erhalten“, sagt der 51-Jährige.

Die Schweine, die Holtz hauptsächlich für die Ahle-Wurscht-Herstellung nutzt, werden daher mindestens zwölf Monate angefüttert – im Gegensatz zur industriellen Haltung, die meist um die sechs Monate liegt. Sie erreichen ein Gewicht von bis zu 250 Kilogramm – in der Massentierhaltung sind es höchstens 125 Kilogramm.

Mehr Platz - weniger Stress

Größere Ställe, die für die Tiere weniger Stress bedeuten, Strohhaltung – alleine 200 große Rundballen werden als Einstreu pro Jahr genutzt – sowie selbst angebautes Futter wie frischer Klee, der einen hohen Eiweißanteil hat, gehören neben der Freilauf-Möglichkeit zur tierfreundlichen Aufzucht dazu. „Bis auf Mineralfutter, das wichtig für den Knochenbau der Tiere ist, stammt alles, was sie zu fressen bekommen, von den eigenen Feldern rund um Ronshausen“, sagt Hübener. Und weil die Schweine jede Menge Mist machen, spart er dort auch noch viel Kunstdünger.

Seine Zusammenarbeit mit der Metzgerei Holtz besteht schon seit über zehn Jahren, als sich der Ronshäuser auch mit seinem Schreinerei-Betrieb selbständig gemacht hat. Was mit zehn Schweinen damals klein begonnen hat, ist inzwischen zu einem zweiten Standbein für ihn geworden. Mittlerweile sind es 100 Tiere, die er für Holtz mästet.

Dabei hatte es zu Beginn auch warnende Stimmen gegeben: „Lass die Tiere bloß nicht raus – die werden krank“, habe es damals geheißen. Das Gegenteil habe sich bewahrheitet: „Wenn ein Tier vernünftige Haltungsbedingungen hat, dann ist es auch weniger anfällig für Krankheiten – wir haben in all den Jahren nicht einmal Antibiotika einsetzen müssen“, berichten Hübener und Holtz.

Tiere richten sich Liege- und Mistbereich ein

Der Stall ist aufgeteilt in mehrere große Bereiche, sodass die Schweine pro Tier mindestens fünf Quadratmeter Platz haben – und das ohne Außengehege, also auch im Winter, wenn sie nur beim Ausmisten des Stalls nach draußen gehen. Tiere in Normalmast haben häufig nicht einmal die Hälfte. „Wenn man dem Schwein genügend Platz lässt, richtet es sich den Stall selbst so ein, dass es einen Liegebereich und einen Mistbereich für Kot hat“, erklärt Holtz.

Beim Schlachten sehe man genau, wie das Schwein gemästet wurde – „wir legen Wert auf gesunde Tiere – schließlich essen unsere Familien ja auch das Fleisch und wollen gesund leben“, bekräftigen beide. Das fertige Produkt zu kaufen gibt es nicht nur in der Metzgerei Holtz in Bebra – Timo Hübener betreibt mit seiner Frau Hana auch einen kleinen Hofladen, in dem es neben vielen anderen Produkten auch Eier von den rund 70 Hühnern, die er in Freilandhaltung auf seinem Hof hält, gibt. Zudem ist er gerade dabei, eine kleine Rinderhaltung aufzubauen. Das ist das nächste Projekt, das Hübener und Holtz gemeinsam angehen wollen.

Tierwohl: Interview mit Willi Wege von der Hessischen Landgesellschaft

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