596 Jahre Ehrenamt 

Er lässt keinen im Stich: Ronshäuser mit Hessischem Verdienstorden ausgezeichnet

Auch daran hängt sein Herz: Ernst Richardt ist seit 45 Jahren aktiver Kaninchenzüchter. Erst in der Nacht zum Dienstag gab es in seinem Stall wieder Nachwuchs. Damit alles gut geht, hat er bei den eisigen Temperaturen extra eine Rotlichtlampe aufgestellt.   

Ronshausen. Ein Leben lang setzt sich Ernst Richardt an vielen Stellen für das Gemeinwohl ein. Der Ronshäuser wurde dafür am Montag mit dem Hessischen Verdienstorden am Bande ausgezeichnet.

Ernst Richardt ist seit 596 Jahren ehrenamtlich tätig, wenn man alles aufaddiert. Das hat Landrat Dr. Michael Koch zumindest ausgerechnet. 

Was er auch anging, egal wie inhaltlich kontrovers die Auseinandersetzungen waren – ob im politischen für die SPD im Gemeindeparlament oder bei Gewerkschaftsverhandlungen bei der Bahn – stets erledigte Ernst Richardt dies mit einem Augenzwinkern und mit viel Humor. Einen bösen Streit vom Zaun brechen ist seine Sache nicht – „das habe ich mein Leben lang noch nicht gemacht“, sagt der gerade 66 Jahre alt gewordene.

Ernst Richardt hilft, wo es nötig ist

Der gebürtige Breitenbacher, der seit 1973 in Ronshausen heimisch ist, ist dort immer noch in fünf Vereinen aktiv. In seinem Badezimmer hängt ein Handtuch vom Ronshäuser Kultur- und Carnevalverein – Richardt identifiziert sich mit seiner Heimatgemeinde und hilft, wo Hilfe nötig ist. „Beim KCV habe ich die Bedienung der Bedienungen übernommen“, sagt er. Aber das überlasse er jetzt gerne Jüngeren. „Das ist sehr anstrengend gewesen“, erinnert er sich.

Für seinen Ruhestand – seit knapp drei Jahren ist Ernst Richardt inzwischen Rentner – hatte er sich eigentlich vorgenommen, alle Ämter und Pöstchen – ob politisch, in der Gewerkschaft oder bei den Vereinen – abzugeben. „Das war mein Ziel“, sagt er, fügt aber schmunzelnd hinzu: „geklappt hat das leider noch nicht ganz“.

Bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fand sich kein Nachfolger und auch dem Vorstand des K 97 Edle Rasse – seinem Kaninchenzuchtverein, dem er schon seit 45 Jahren angehört, hält er inzwischen 18 Jahre als Kassierer die Treue. „Ich lasse keinen im Stich, wenn ich gebraucht werde“, sagt er.

Wenn Ernst Richardt beim K 97 seinen Kassenbericht vorlegt, dann kann sich mancher DAX-Konzern noch ein Scheibchen davon abschneiden – denn er legt Wert auf größtmögliche Transparenz. Per Computer-Präsentation ist vom kleinen Grillabend bis zur großen Kreisverbandsschau alles bis ins kleinste Detail aufgeschlüsselt.

Besondere Ehre für Ernst Richardt aus Ronshausen: Zur Würdigung hervorragender Verdienste um das Land Hessen und seine Bevölkerung wurde er mit dem Hessischen Verdienstorden am Bande ausgezeichnet. Unser Bild zeigt ihn mit den Gratulanten – von links – Landtagsabgeordnetem Dieter Franz, seiner Frau Martha Richardt, Bürgermeister Markus Becker und Landrat Dr. Michael Koch.

Richardt ist ein akribischer Arbeiter. Bei der Bahn, wo er 1973 anfing, wurde er deshalb häufig dort eingesetzt, wo Not am Mann war. „So kam ich auch zum Betriebsrat“, erinnert er sich. Er kannte viele Abteilungen und Standorte und natürlich auch die Mitarbeiter dort. So lag es nahe, dass man ihn fragte, ob er im Betriebsrat des Bahnbetriebswerks Bebra (BW) Verantwortung übernehmen könne. Auch da sagte er nicht Nein: 21 Jahre wurden daraus – davon acht Jahre im Vorstand des Betriebsrats. In der Gewerkschaft organisiert ist Richardt seit 46 Jahren – seit 2011 als Vorsitzender der EVG.

Immer mit Herzblut dabei

„Egal wo ich hingekommen bin – ich habe es immer gerne und mit Herzblut gemacht“, sagt er. Und er hat Spuren hinterlassen. Nachdem er 2016 nach acht Jahren als Parlamentsvorsteher die Amtsglocke abgab, wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Gemeindevertretung ernannt. Die Ehrennadel der Gemeinde trägt er ohnehin.

Nach Ronshausen zog er gemeinsam mit seiner Frau Martha, als diese 1972 zu ihm sagte: „Ich bin schwanger“ und geheiratet wurde. Am kommenden Wochenende steht nun schon der 46. Hochzeitstag des Paares an. Tochter Nicole lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie – inzwischen gibt es drei Enkeltöchter – in der Stadt Westen nördlich von New York. Dorthin wird auch die nächste Reise der Richardts gehen. „Zum Arbeiten“, wie er lächelnd hinzufügt. Denn er ist schon als Baumschneider gebucht – „es gibt dort ein großes Grundstück und immer etwas zu tun“, sagt er – und schmunzelt.

Der Hessische Verdienstorden am Bande wird seit 1990 verliehen 

Zur Würdigung hervorragender Verdienste um das Land Hessen und seine Bevölkerung ist Ernst Richardt mit dem Hessischen Verdienstorden am Bande ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wird seit 1990 verliehen und sie ist selten – sie ist auf 2000 lebende Träger begrenzt. „Ich gratuliere Ihnen für diese hohe Auszeichnung des Landes Hessen“, sagte Landrat Dr. Michael Koch, der den Orden am Montag gemeinsam mit Ronshausens Bürgermeister Markus Becker im Namen von Ministerpräsident Volker Bouffier im Rathaus in Ronshausen überreichte. Nach seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker war Ernst Richardt später bei der Deutschen Bahn in Bebra als Schlosser beschäftigt. 

Anschließend wurde er zum Bahnbetriebswerk Bebra versetzt. In der Kommunalpolitik war Ernst Richardt für seine Ronshäuser Mitbürger bereits seit 1984 als Mitglied der Gemeindevertretung tätig. Er habe sich mit herausragendem Einsatz für seine Mitmenschen eingesetzt. So arbeitete er zwölf Jahre als ehrenamtlicher Richter beim Amtsgericht Bad Hersfeld, ab 2003 beim Hessischen Landesarbeitsgericht Frankfurt am Main. Ehrenamtlich sehr aktiv ist er zudem für die Deutsche Rentenversicherung. Für sie ist er als Versichertenberater unterwegs. Zudem ist Richardt seit 42 Jahren in der SPD. Als Mitglied habe er sich noch nie zuvor so sehr mit seiner Partei auseinandergesetzt, wie im vergangenen Vierteljahr, betont er. Jetzt hofft er, dass sich die Parteimitglieder in der Abstimmung für die Große Koalition aussprechen „und es endlich wieder vorwärts geht“.

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