Virus für Menschen ungefährlich

Rinderherpes in Haunetal entdeckt: Tier wird geschlachtet

Haunetal.  Bei  einem Rind eines landwirtschaftlichen Betriebes in der Gemeinde Haunetal  ist das sogenannte „Bovine Herpesvirus 1“ festgestellt worden.

Das erklärte Landkreis-Pressesprecher Pelle Faust auf Nachfrage unserer Zeitung. Laut Pressemitteilung des  Hessischen Landwirtschaftsministeriums wurden insgesamt zwölf Angus-Rinder in zwei Betrieben in Waldeck-Frankenberg und Hersfeld-Rotenburg positiv getestet. Der zweite betroffene Hof mit elf infizierten Tieren befindet sich laut Mitteilung des Kreises Waldeck-Frankenberg in einem Stadtteil von Battenberg.

Die Tiere, die noch keine äußerlichen Krankheitsanzeichen aufwiesen, sollen  nun umgehend geschlachtet werden. Der restliche Bestand der beiden Betriebe, bei dem ein erster Test negativ ausfiel, wird nun in wöchentlichen Untersuchungen überprüft. Gleiches gelte auch für Rinderhalter in der direkten Umgebung. "Flächendeckend werden die vorgeschrieben Kontrolluntersuchungen intensiviert", heißt es in der Pressemitteilung.  Das Landwirtschaftsministerium weist alle rinderhaltenden Betriebe ausdrücklich darauf hin, die Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten, um eine Einschleppung in den eigenen Betrieb zu verhindern. Dazu gehören Schutzkleidung sowie regelmäßige Desinfektion und Reinigung von Geräten. Für Menschen sei das Virus nicht ansteckend und völlig ungefährlich. 

Da die beiden hessischen Betriebe Rinder aus Schottland importiert hatten, waren die Tiere vorsorglich getestet worden. Bei zwei dieser Rinder sei das Virus festgestellt worden, anschließend wurde der ganze Bestand der beiden Betriebe getestet. Tiere aus dem Bestand waren noch vor dem Befund bei einer Angus-Bundesschau in Thüringen, deshalb seien alle möglicherweise betroffenen Betriebe bundesweit informiert.

Landwirte, die positiv getestete Tiere schlachten müssen, werden laut Ministerium finanziell von der Tierseuchenkasse entschädigt. 

Bei BHV1 – bekannt auch als IBR (Infektiöse Bovine Rhinotracheitis) – handelt es sich um eine virusbedingte Krankheit der Rinder, die zu hohen Verlusten in den Rinderbeständen führen können, da positiv getestete Tiere geschlachtet werden müssen.

Fragen und Antworten

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg, in dem auch mehrere Tiere geschlachtet werden müssen, beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Thema:

Was ist das Bovine Herpesvirus 1?

Bovine Herpesvirus 1 ist ein Virus, das eine weit verbreitete Tierseuche in der Rinderhaltung verursacht: Bei der respiratorischen Form handelt es sich um eine durch Tröpfcheninfektion übertragene Nasen- und Luftröhrenentzündung. Die genitale Form wird beim Deckakt übertragen. Eine Besonderheit bei beiden Verlaufsformen dieser Infektionskrankheit besteht darin, dass ein einmal infiziertes Tier lebenslang Virusträger bleibt. Diese Tiere erscheinen gesund, tragen jedoch das Virus in sich und können es jederzeit unter bestimmten Voraussetzungen z.B. bei Stresssituationen wie Kalbung, Stallwechsel etc. wieder ausscheiden und so weiterverbreiten.

Wie wird das Virus übertragen?

Durch Kontakt mit kranken Tieren oder deren Ausscheidungen können sich gesunde Tiere anstecken. Weiterhin kann eine Übertragung auch durch kontaminierte Gebrauchsgegenstände wie Fahrzeuge, Geräte oder Verpackungsmaterial geschehen. Der Mensch kann über kontaminierte Schuhe den Erreger verschleppen.

Ist das Virus ansteckend für den Menschen?

Laut Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, sind Infektionen des Menschen mit dem Virus nicht bekannt. Das Virus ist somit für den Menschen ungefährlich.

Wie können sich Rinderhalter präventiv schützen?

Rinderhalter dürfen nur Tiere aus anerkannt freien Beständen zukaufen. In allen Rinderhal-tungen ist dazu vor allem der Tierverkehr sowie der Personen- und Fahrzeugverkehr zu betrachten. Der Früherkennung von Infektionen und Seuchen dient ein gutes Tiergesundheitsmanagement. Selbiges wirkt auch vorbeugend, indem eine hochstehende Herdengesundheit eine optimierte Infektionsabwehr der Tiere begründet, die Außenkontakte der Herde (z.B. zu Dienstleistern, Händlern, Zukaufstieren etc.) minimiert und so die Neuinfektionsrisiken effektiv senkt.

Welche Vorsichtsmaßnahmen werden getroffen, um eine Ausbreitung zu verhindern?

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat sofortige Vorsichts- und Schutzmaßnahmen eingeleitet, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Im näheren Umkreis um den betroffenen Betrieb werden alle Rinder untersucht. Kontakte untereinander werden möglichst unterbunden. Alle sonstigen Kontaktbetriebe wurden unterrichtet, und müssen ihre Tiere untersuchen lassen.

Quelle: HNA

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