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Rekordinzidenz im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: 395 Neuinfektionen gemeldet

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Von: Sebastian Schaffner, Clemens Herwig, Mario Reymond

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Coronatest Wattestäbchen Frau im Kittel Coronatest
Symboldbild Coronatest © Tom Weller/dpa

Die Zahl der gemeldeten Coronaneuinfektionen innerhalb eines Tages hat im Kreis Hersfeld-Rotenburg mit 395 einen neuen Höchststand seit Pandemiebeginn vor fast zwei Jahren erreicht.

Hersfeld-Rotenburg - 395 Neuinfektionen meldete das Gesundheitsamt am Dienstag. Bisheriger Tageshöchstwert waren am 20. Januar dieses Jahres 191 Neuinfizierte. Zudem meldete das Robert-Koch-Institut für den Kreis eine Rekordinzidenz von 670 (Vortag: 473), mit der Hersfeld-Rotenburg allerdings noch weit unter dem Hessenschnitt (1025) liegt.

Derzeit schnellen landesweit die Zahlen in ungeahnte Höhen: Traurige Spitzenreiter sind die kreisfreien Städte Wiesbaden (Inzidenz: 1808) und Offenbach (1604), den niedrigsten Wert verzeichnet der Werra-Meißner-Kreis (511). Im Landkreis Fulda wird die Inzidenz vom RKI zwar niedriger angegeben, dort gibt es allerdings Software-Probleme bei der Dateneingabe – die tatsächlichen Zahlen sind höher.

„Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange“, sagt Gesundheitsamtsleiterin Adelheid Merle. Sie rechnet mit weiterhin steigenden Pandemiewerten auch im Februar. Von den binnen 24 Stunden neu gemeldeten Infizierten sind 213 weiblich und 182 männlich. Betroffen sind laut Gesundheitsamt vor allem Kinder ohne Impfschutz und junge Erwachsene, nur vereinzelt seien etwa ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen an Covid-19 erkrankt. Einen Hotspot gebe es im Landkreis nicht: „Ganz Deutschland ist derzeit Hotspot“, sagt Merle.

Aktuell gibt es 1023 bestätigte Corona-Fälle in Hersfeld-Rotenburg – die Zahl ist trotz der rapiden Neuinfektionen vergleichsweise niedrig, weil auch 354 Menschen für genesen erklärt worden sind. Die hochansteckende Omikron-Variante sorge überwiegend für leichte bis milde Symptome, so Merle. Die Lage in den Krankenhäusern im Landkreis ist derzeit noch relativ entspannt: Stationär werden 18 Covid-Patienten behandelt, drei auf Intensivstationen. Die Leiterin des Gesundheitsamts appelliert, Impflücken zu schließen „und sich zumindest vor dem schweren Verlauf zu schützen“. Derzeit hat etwa die Hälfte der Kreisbevölkerung die sogenannte Boosterimpfung erhalten.

Ganz Hessen ist Corona-Hotspot

Mit dem Werra-Meißner-Kreis ist am Dienstag auch das letzte gallische Dorf gefallen: Alle 21 hessischen Landkreise und die fünf kreisfreien Städte gelten nun als Corona-Hotspots. Sobald die Inzidenz in einem Kreis an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 350 liegt, greifen vor Ort zusätzliche Einschränkungen ab dem Folgetag. In Hersfeld-Rotenburg ist das seit einer Woche der Fall. Nach fünf Tagen unterhalb der Grenze fällt die Region wieder aus der Regelung hinaus. (ses)

Nicht tagelang auf den PCR-Test warten

Der rasante Anstieg der Corona-Zahlen macht sich auch im Gesundheitsamt bemerkbar: „Wir arbeiten seit zwei Jahren an der Belastungsgrenze, jetzt ist das Limit überschritten“, sagt Leiterin Adelheid Merle.

Die Behörde hat die Kontaktnachverfolgung – außer bei vulnerablen Gruppen, also etwa Fällen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen – eingestellt. Zwar laufen positive Testergebnisse weiter automatisch ein, „aber wir können sie nicht in Echtzeit abarbeiten“, sagt Merle. Für Kreisbewohner bedeutet das: Bei der zehntägigen Quarantäne nach einem positiven Test muss niemand auf einen Anruf des Amts warten. Sie tritt automatisch in Kraft, am Dienstag galt sie für 1582 Menschen im Landkreis. Das Stichwort sei Selbstverantwortung: „Wenn ich mich positiv getestet habe, sollte ich meine Kontaktpersonen informieren.“

Die Amtsleiterin warnt zudem davor, tagelang auf einen PCR-Test zu warten. Durch die hohe Nachfrage seien Anlaufstellen wie Arztpraxen überlastet, es könne dauern, bis ein Termin möglich ist. Merle rät, nach einem privaten Positiv-Schnelltest einen weiteren in einem Testzentrum machen zu lassen und sich sofort zurück in die Quarantäne zu begeben. Die Einrichtungen seien auch auf das Testen von möglichen Infizierten ausgelegt, die Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung entsprechend hoch. Ein positives Ergebnis wird zudem direkt an das Gesundheitsamt gemeldet und die Quarantänezeit beginnt: „Mit einem qualifizierten Schnelltest habe ich als Betroffener schon einmal etwas in der Hand“, sagt Merle. Für das vorzeitige „Freitesten“ von der Quarantäne – für Erwachsene nach sieben, für Kinder und Schüler bereits nach fünf Tagen – ist weiterhin ein PCR-Test nötig. (Clemens Herwig und Mario Reymond)

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