Nach Bluttat nur drei Spuren 

Unerwartete Entwicklung im Prozess um Messerstecherei in Kirchheim

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Falsches Geständnis? Der Angeklagte (rechts, verdeckt) im Prozess um die Kirchheimer Messerstecherei.  

Fulda. Im Messerstecher-Prozess vor dem Fuldaer Schwurgericht gegen einen 39 Jahre alten Eritreer aus Kirchheim deutet sich die nächste unerwartete Entwicklung an.

Nachdem sich auf der Bekleidung des Angeklagten lediglich drei winzige Blutspuren vom überlebenden Opfer fanden, hat Staatsanwalt Andreas Hellmich angeregt, nun auch die Textilien zu untersuchen, die der 25-jährige Somali am Tattag 3. September 2017 getragen hat.

Denkbarer Hintergrund: Möglicherweise hat der erste Teil der Messerstecherei in der Gemeinschaftsunterkunft in der Breslauer Straße nicht zwischen dem Eritreer und dem später verstorbenen 32-Jährigen, sondern zwischen den beiden Somali stattgefunden. Dieser Ablauf entspräche den Angaben, die der Eritreer bei einem Haftprüfungstermin gemacht hat. Warum der Angeklagte dann vor Gericht die Täterschaft für beide Messerattacken eingeräumt hat, das bleibt vorläufig sein Geheimnis.

Der 39-Jährige hatte zu Prozessbeginn ausgesagt, er sei von dem älteren Somali, der ihm schon lange nach dem Leben getrachtet habe, mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser angegriffen worden. Es sei ihm jedoch gelungen, diesem das Messer zu entwinden und seinerseits zuzustechen. Der schwer verletzte Somali war dann aus dem Fenster der im ersten Stock gelegenen Wohnung gesprungen und hatte sich zum Nachbarhaus geschleppt. Am selben Abend ist er im Krankenhaus gestorben.

Mit dem jüngeren Somali habe es ein Missverständnis gegeben, hatte der Angeklagte vor Gericht erklärt. Auch der 25-Jährige wurde durch mehr als 15 Stiche in den Oberkörper, davon drei potenziell lebensgefährlich, schwerst verletzt. Die Anklage lautet deshalb auf Totschlag und versuchten Mord.

Unklarheit besteht zudem über die Aussagetüchtigkeit des überlebenden Somali, der als Nebenkläger auftritt. Der junge Mann ist in der Vergangenheit bereits psychisch auffällig gewesen und wurde auch nach der Messerstecherei von der normalen Krankenstation des Klinikums Fulda wieder in die psychiatrische Abteilung in Bad Hersfeld überwiesen. Zu den Gründen soll beim nächsten Verhandlungstermin am 10. Juli ein weiterer Arzt gehört werden.

Ob bis dahin auch die asservierten Kleidungsstücke des Somali untersucht werden, das ist noch nicht entschieden. Der Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer, Richter Josef Richter, kündigte an, man werde sich Gedanken darüber machen. 

Quelle: HNA

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