Briefträger kommt mit Eierkorb

Postbote mit Herz: Fritz Schäfer bringt an Ostern Briefe im Hasenkostüm

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Bei der Kostümprobe hat’s geklappt: Luise Wagenrad (84) freut sich über das Paket, das ihr „Fritz, der große Osterhase“ überreicht. Heute verteilt Fritz Schäfer neben Briefen und Paketen auch noch Ostereier. 

Alle Jahre wieder kommt der Osterhase in Rotenburgs größtem Stadtteil einen Tag früher. Verkehrte Welt? Mitnichten. 

Denn die gerne als Hirsche bezeichneten Lispenhäuser haben nicht nur einen bei Klein und Groß bekannten und beliebten Postboten aus altem Schrot und Korn, sondern einen, der sie schon mal in jahreszeitlich angepasster Festtagsmontur beliefert. Mit Briefen und Paketen, und am Karsamstag, von dem der eine oder andere als Ostersamstag spricht, im braunen Osterhasenanzug. Mit Schlappohren und Hasenzähnen. Und mit Ostereiern.

Friedrich Heinrich Schäfer, der seit über drei Jahrzehnten in Lispenhausen die Post zustellt und der von fast allen Fritz genannt wird, macht das einen Heidenspaß. Wenn man ihn trifft, bekommt man gleich das Du angeboten und erzählt, wie er seinen Dienst versieht: „Ich bin seit 46 Jahren dabei und einer der letzten Dinos.“ Das sieht man dem konditionsstarken Alheimer nicht an, auch wenn er zugesteht, dass die „Lauferei“ und das Zustellen von rund 100 Paketen pro Tag seinen Tribut fordert: „Wahrscheinlich bin ich dreimal um die Erde gelaufen, und da brauche ich mich nicht zu wundern, dass es hier und da knirscht und dass mein linkes Knie dringend operiert werden muss.“

So sieht er sonst aus: Fritz Schäfer, von allen „Hirschen“ eigentlich nur Fritz genannt, bringt jeden Tag Post nach Lispenhausen und leert auch am Bürgerzentrum auch den Briefkasten.

Das Tagwerk des 60-Jährigen beginnt morgens um 7.30 Uhr auf dem Zustellstützpunkt in Bebra. Erst sortiert er die aus dem Briefzentrum Kassel angelieferte Brief- und die aus dem Paketzentrum Staufenberg angelieferte Paketpost vor. Dann, gegen 10 Uhr, geht’s ab nach Lispenhausen. „Eigentlich kann man die Uhr nach mir stellen“, erklärt der stets freundliche Familienvater, der mit berechtigtem Stolz und mit ganz besonderer, für den normalen Menschen nur bedingt nachfühlbarer Zufriedenheit feststellt: „Ich kenne die Leute, und wenn man so will, gehöre ich praktisch zu jeder Familie dazu!“

Die damit einhergehende Verbundenheit drückt sich darin aus, dass er Vieles erzählt bekommt – und je nach Jahreszeit auch angeboten bekommt. Mal was Erfrischendes, mal was Wärmendes. „Ich gehe mit offenen Augen und Ohren durchs Leben“, unterstreicht Schäfer, „und ich revanchiere mich beispielsweise dadurch, dass ich den Kindern im Kindergarten oder in der Schule immer wieder Obst mitnehme.“ Schnell steht dann eine ganze Traube um Briefträger „Fritzi“ herum, der die jungen Leute aufwachsen sieht und der sich viele Jahre später, wenn sie nur mal zu Besuch da sind, freut, wenn sie ihm im Vorbeifahren zuwinken.

Da beneidet man ihn und kann nachempfinden, wenn er sagt: „Ich mache meinen Job gerne“, auch wenn er hinzufügt: „Arbeitsmäßig ist es im Laufe der Jahre immer mehr geworden, aber im Vergleich zu anderen Paketdiensten ist die Post trotz allem ein guter Arbeitgeber.“

Den „Güdschen“ stört es nicht, wenn er mal eine halbe Stunde länger arbeiten muss. „Ich bin ein lustiger Vogel, mich haut so schnell nichts aus der Bahn – auch wenn ich manchmal Schicksal spielen muss!“ So schlimm ist es heute aber nicht.

Heute, am Ostersamstag, spielt Schäfer nur Osterhase, mit „vierten“ Zähnen und Eierkorb. Und wie jeden Tag kommt er ganz bestimmt.

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